Nach Hause wollte niemand gehen, alle blieben auf ihren Plätzen stehen. „KEV olé“ hieß der Frühlings-Hit im Krefelder Eisstadion, die Fans jubelten den Profis der Pinguine nach dem dritten Halbfinal-Spiel gegen den EHC Eisbären zu, als hätten sie Wunderbares vollbracht. Gerührt nahmen die Spieler das zur Kenntnis. Alle waren stolz. Doch nicht etwa auf den Sieg oder den Einzug in das Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), sondern einfach nur auf eine Saison, die so niemand erwartet hatte.

Im Prinzip trifft Letzteres auch auf die Eisbären zu. Wer hätte nach Platz vier in der Hauptrunde und größtenteils durchwachsenen Monaten schon mit dem Finale gerechnet. Doch nach dem 4:3 (2:0, 1:2, 1:1) im dritten Spiel der „Best of five“-Serie im Halbfinale stehen die Berliner nach drei Siegen genau dort. „Die Serie gibt das Resultat von 3:0 nicht ganz richtig wieder“, sagte Trainer Don Jackson, „es war eng.“ Dennoch dominierte seine Mannschaft die meiste Zeit gegen Krefeld, so wie sie es in den vergangenen Jahren immer tat in der DEL. Seit 2004 stehen die Eisbären zum achten Mal im Finale.

Sechs Siege in Folge

Ab nächsten Sonntag treffen sie dort auf die Kölner Haie. „Das ist das beste Finale, das es geben kann in dieser Saison“, sagte Florian Busch, der den entscheidenden Treffer erzielte. Vor allem ist es das Traumfinale für die DEL, denn es kommt zum Duell der Klubs mit den größten Arenen. Bis dahin hat Busch aber erst einmal anderes vor: „Wir hatten jetzt so viele Spiele, da ist es auch mal wichtig zu regenerieren.“ Nach sechs Siegen in Folge wird Jackson den Spielern dies auch zugestehen.

Der letzte Erfolg gegen die Pinguine war derjenige, den die Berliner sich am härtesten erkämpfen mussten. „Krefeld hat uns keine Ruhe gelassen am Ende“, so Busch. Anfangs sah es danach gar nicht aus. Die Zuversicht in Krefeld war nicht groß gewesen nach den beiden Niederlagen zuvor. Schon auf dem Weg zur Halle unkten viele Einheimische, dass es das letzte Saisonspiel für die Pinguine werden würde. Die Rufe, mit der sie die Farben ihrer Hölle beschreiben, der schwarz-gelben Hölle im Krefelder Eisstadion, wurden nach Spielbeginn auch schnell leiser.

Natürlich hing dies mit dem Geschehen auf dem Eis zusammen. Als tatendurstige Krieger, die mit dem Messer zwischen den Zähnen aufs Eis kommen, wurden die Krefelder Profis angekündigt. Nach drei wilden Angriffen stumpften die Klingen schon ab. Völlig unaufgeregt ließen die Berliner das über sich ergehen. Immer darauf achtend, dass sie dem Gegner nicht zu viel anboten. Immer auch darauf vertrauend, dass ihre Zeit kommen würde.

Sie kam schnell und gewaltig. Wie Statisten ließen die Eisbären ihre Gegner aussehen, legten sich die Pinguine schön zurecht und nutzten dabei die ganze Breite des Eises. Frank Hördler traf zum 1:0 (12.), Barry Tallackson erzielte das 2:0 (17.). Davor, dazwischen und danach hatten einige andere Berliner beste Chancen. „Da waren wir nicht konsequent genug“, sagte Verteidiger Constantin Braun.

Das erinnerte an die erste Partie in Krefeld, nur hatten da die Pinguine die Rolle des Eisbären-Dompteurs. Der lasche Umgang mit den Möglichkeiten aber rächte sich bitter, denn die Berliner drehten das Spiel. Der Glaube an eine Wiederholung dessen unter umgekehrten Vorzeichen nahm mit dem Anschlusstreffer von Kevin Clark deutliche Züge an (23.). Als die Berliner erneut im Vorwärtsgang die Scheibe verloren und Roland Verwey ausglich (27.), wachte das Publikum wieder auf.

Trotzdem hatten die Berliner nicht die Kontrolle verloren, ihnen waren kleine Fehler unterlaufen, die es zuvor nicht mehr gegeben hatte. Nervös machte sie das nicht, sie spielten einfach weiter und brauchten nicht lange, bis Jens Baxmann zur erneuten Führung traf (30.). Das entsprach den Verhältnissen auf dem Eis. Während die Eisbären sehr überlegt agierten, schien das Spiel der Gastgeber eher auf Zufall zu beruhen. Die Pinguine mühten sich, wurden aber nur dann wirklich gefährlich, wenn die Berliner ihnen Konter gestatteten. Nur die etwas geringe Effizienz des EHC hielt die Partie offen. Zwar versenkte Florian Busch den Puck hart zum 4:2 unter die Latte (43.). Als dann mit einer Überzahl-Situation alles hätte besiegelt werden können, gerieten die Eisbären in Unordnung und mussten den Anschluss hinnehmen (44.). Die starke Bilanz der letzten Drittel zuvor, in denen der EHC zweimal ohne Gegentor blieb, war damit genauso dahin wie die fünf Partien lange geltende Regel, dass der Herausforderer genau zwei Treffer erzielt. „Wir haben es unnötig spannend gemacht“, sagte Busch.

Vorfreude auf Duell mit den Haien

Wichtig war das nicht mehr, trotz der sich aufbäumenden Pinguine tat sich nicht viel. Den Rheinländern fehlte neben fünf verletzten Akteuren das Körperliche, das Hamburg noch im Viertelfinale gegen die Berliner zeigte. „Dieses technisch versierte Spiel der Gegner liegt uns sehr gut“, sagte Busch. Köln kann beides, technisch gut spielen und physisch hart agieren. „Darauf freue ich mich“, so der Stürmer, der nach einer Erkältung noch immer blass um die Nase aussah. Bis zum Sonntag wird er sie auskuriert haben.