Von Fußballgöttern hat man schon viel gehört. Meist sind sie schuld, wenn irgendetwas nicht richtig läuft. Sie wären dann gegen einen gewesen, heißt es oft. Wenn alles gut ist, kommen die Fußballgötter eher selten ins Spiel, dann war meist das Genie der Profis die Ursache.
Beim Eishockey dagegen geht es an sich eher irdisch zu, Missgunst von ganz oben wird nie beklagt. Im Rheinland aber, da haben sie ein Ritual entwickelt. Vier Herren knieen auf einer Fahne nieder. Es ist die Fahne der Krefeld Pinguine, sie liegt vor jedem Play-off-Spiel im Mittelkreis. Mit wellenförmigen Bewegungen des Oberkörpers flehen die vier Fans um Beistand des Eishockeygottes.
Fünf verletzte Pinguine
Bislang half das ganz gut, die Pinguine schafften es ins Halbfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Was den Hallensprecher schon jetzt dazu verleitet, bei der Ankündigung des Teams von der „besten Mannschaft der Welt“ zu sprechen.
Besser als der EHC Eisbären, der Titelverteidiger, waren sie an diesem Mittwochabend jedoch nicht. Mit 3:2 (0:1, 3:1, 0:0) setzten sich die Eisbären in der ersten Partie der „Best of five“-Serie durch und können nun am Freitag daheim einen großen Schritt in Richtung des Finales tun.
Als Überraschung gelten die Pinguine in dieser Saison. Immerhin gelang es ihnen, die Hauptrunde als Dritter und damit vor den Eisbären abzuschließen. Nicht minder erstaunlich ist, wie sie nun im Play-off Rückschläge wegstecken.
Viele Monate machte das Verletzungspech einen großen Bogen um Krefeld. Doch nach der harten Viertelfinale-Serie gegen Ingolstadt fehlen jetzt fünf Feldspieler. Drei davon sind Verteidiger. Auch Stammtorwart Scott Langkow erwischte es, inzwischen ist er wieder fit, macht aber trotzdem nicht mit. Denn Vertreter Thomas Duba erledigt seinen Job exzellent.
Berliner seltsam lethargisch und zaghaft
Gegen die Eisbären verlebte der Tscheche zunächst einen ruhigen Abend. Während die Krefelder engagiert aufs Eis kamen, spielten die Berliner seltsam lethargisch, zaghaft und inkonsequent.
Krefeld musste nicht viel tun, um Chance an Chance aneinanderzureihen. Herberts Vasiljevs erzielte dabei die Führung (4.). Mehr machten die Pinguine nicht aus ihrer Überlegenheit. Für die Eisbären war das ein großes Glück.
Ganz anders als die Viertelfinals gestaltete sich für beide Teams das erste Duell im Halbfinale. Wie die Pinguine hatten auch die Berliner in den Hamburg Freezers einen körperlich hart agierenden Kontrahenten. Dieses Element blieb bei den technisch veranlagten Gegnern jetzt deutlich untergeordnet. Laufen und Passen standen im Vordergrund.
Ab dem zweiten Drittel dann auch tatsächlich bei den Eisbären. Mit einem ganz anderen Gesicht als zuvor erhielt das Spiel für sie eine neue Richtung. Dubas Schonzeit war vorbei. Mads Christensen (25.), Travis Mulock (30.) und in Überzahl André Rankel (39.) waren dabei allerdings weniger großzügig im auslassen von Gelegenheit als im ersten Abschnitt die Pinguine.
Trotzdem blieb die Partie weiter offen, denn kurz nach Rankels Treffer gelang Mitja Robar mit einem Distanzschuss der Anschluss zum 3:2 (40.). Eng wurde es, als bei den Eisbären wenig später zwei Spieler gleichzeitig auf der Strafbank saßen.
Krefeld drängte, die Partie wurde intensiver. Doch die Berliner zeigten sich wie zuletzt als ein Team, das über genügend Nervenstärke verfügt, enge Duelle über die Zeit zu bringen. Wobei sich die zusätzliche Kraft der beiden zuvor lange verletzten Rückkehrer Matt Foy und Laurin Braun bezahlt machte, sie schafften mit der vierten Reihe immer wieder Entlastung für die anderen.
Die Hoffnung von Trainer Don Jackson, den Vorteil in der Serie auf Seiten der Eisbären zu ziehen, indem sie die erste Auswärtspartie in Krefeld gewinnen, ging also auf. Da half auch die Beschwörung des Eishockeygottes nichts.





