Eishockey

Eisbären haben fast nur gute Erinnerungen an Krefeld

Im Play-off-Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft treffen die Eisbären auf ein Team, das ähnlich spielt wie sie: Auch die Krefeld Pinguine versuchen, mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen.

Foto: Digitalfoto Matthias / pa

Das Play-off ist hart, es geht um alles oder nichts, um Titel oder Urlaub. Da gibt jeder, was er hat. Bei manchen läuft das auf spielerische Klasse hinaus, bei anderen auf harte Aktionen mit dem Körper. Gerade Letzteres wird meist übertrieben. Dabei tat sich der ERC Ingolstadt im Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Krefeld Pinguine besonders hervor.

Beschwerde auf der Homepage

Dadurch sahen sich die Rheinländer sogar veranlasst, eine Mitteilung auf ihre Homepage zu stellen. Als Beschwerde nach drei Ausfällen durch „die überharte Gangart des Gegners“, aber auch als Appell an die Verantwortlichen in der Liga, den eigentlichen Sport nicht in den Hintergrund treten zu lassen.

Üblich ist das nicht, es klingt sogar ein bisschen weinerlich. Und ganz überraschend kam es ja auch nicht. „Wir wussten, dass es eine harte Serie wird. Ingolstadt spielt körperbetont. Wir mussten dagegenhalten, und das ist uns in den meisten Spielen gelungen“, sagt Krefelds Stürmer Daniel Pietta. Besser sogar, als der Text der kleinen Mitteilung es erwarten ließ, hielten die Krefelder dagegen. Quasi gewann das Gute, also das Spielerische, gegen das Böse, also die Kämpfer. Deshalb steht nun Krefeld im Halbfinale und empfängt am Mittwoch den Titelverteidiger aus Berlin, die Eisbären.

2003 war die Stadt im Ausnahmezustand

Diese Ansetzung weckt Erinnerungen. Genau vor zehn Jahren standen sich beide Klubs zuletzt im Halbfinale gegenüber. Großer Favorit waren damals die Eisbären. Doch der Außenseiter fegte nicht nur die Berliner vom Eis, er wurde Meister. Völlig überraschend und zum zweiten Mal nach 1952 überhaupt erst. Schwarz-Gelbe Euphorie herrschte bei den Pinguinen. „Die Stadt war im Ausnahmezustand“, erinnert sich Steffen Ziesche. Damals gehörte er als Stürmer zum Krefelder Kader, inzwischen arbeitet der gebürtige Berliner als Nachwuchschef bei den Eisbären. Zwei Jahre blieb er noch nach der Meisterschaft, es waren Jahre ohne Play-off.

Geblieben ist wenig vom Titel, er brachte dem Standort keinen Schub. „Die meisten der wichtigen Spieler wechselten danach den Verein“, so Ziesche. Erst zum fünften Mal sind die Rheinländer seither wieder beim Kampf um den Titel dabei, einmal gelang der Halbfinaleinzug. Auffällig waren meist nur die Geldprobleme, teilweise geriet sogar die Lizenzerteilung in Gefahr. Es fehlt an Rückhalt bei den Einflussreichen in der Region. Auch im Verein ergaben sich hin und wieder Animositäten unter den Verantwortlichen. „Die Lage dort ist insgesamt immer ein bisschen schwierig“, weiß Ziesche. Letztlich aber ging es immer weiter mit den Pinguinen. Nun wieder bis ins Halbfinale, was vielfältige Gründe hat. Und stark mit einem Star aus der nordamerikanischen Profiliga NHL zusammenhängt.

NHL-Profi Ehrhoff hat Krefeld auf Kurs gebracht

Weil die Liga lange wegen Gehaltsstreitigkeiten pausierte, kehrte Verteidiger Christian Ehrhoff nach Hause zurück. Dorthin, wo er sich 2003 mit dem Titel verabschiedete. „In ihm hatten sie ein Vorbild, der gezeigt hat, wie eine Mannschaft funktioniert“, sagt Berlins Manager Peter John Lee. Ehrhoff führte das Team die halbe Saison an und entfachte in einer Truppe, die sich zudem sehr gut versteht und wenig Verletzungspech hatte, eine Leidenschaft, die selbst durch den Saisonstart in der NHL und Ehrhoffs Rückkehr nach Nordamerika nicht gestoppt wurde. Obwohl genau das viele erwartet hatten.

Dieser Schub führte die Reise der Pinguine auf Platz drei der Liga, nie waren die Rheinländer besser. Es kamen auch so viele Zuschauer wie nie. Die Vorzeichen sind plötzlich andere als damals. Denn in der Tabelle lagen die Eisbären hinter den Pinguinen. „Sie machen als Mannschaft alles zusammen, das macht sie in der Abwehr und im Angriff stark“, sagt Lee voller Respekt. Krefeld spielt schnell, verfügt über viele talentierte Akteure, ist torgefährlich und gleichzeitig geduldig. „Wenn man sie laufen lässt, schießen sie viele Tore. Genau wie wir“, sagt EHC-Trainer Don Jackson, der ein Duell zwischen zwei sehr ähnlichen Gegnern sieht.

Eisbären suchen ihr Heil zunächst in guter Defensive

Wie er gegen die Krefelder ankommen will, daraus macht er kein Geheimnis: „Mit guter Defensive müssen wir versuchen, das Spiel zu unseren Gunsten zu drehen.“ Das klingt löblich, aber zunächst auch schwer nachvollziehbar. Im Viertelfinale gegen Hamburg waren die Berliner ein Teil der mit 46 Treffern torreichsten Serie in der DEL-Historie, und mit 24 Treffern bekamen die Eisbären so viele Gegentore wie kein anderes Play-off-Team bisher. Obwohl beide Mannschaften über viele gute Eigenschaften verfügen, fallen bei den Eisbären die schlechten doch deutlich mehr ins Gewicht als bei den Krefeld Pinguinen.

Mit der Anpassung an deren Spiel begann Jackson in den vergangenen beiden Tagen. „Sie haben sehr aktive Verteidiger, darauf sind wir eingegangen“, sagt Abwehrspieler Jens Baxmann. Wann es richtig ist, mitzugehen oder die Position zu halten, dafür sollte ein besseres Gefühl entwickelt werden. Wobei das bei den Rheinländern grundsätzlich schwierig ist. „Bei ihnen weiß man manchmal nicht, was sie spielen. Es sieht so aus, als ließen sie der Lust am Spiel freien Lauf. Es ist schwer, sich darauf einzustellen und wachsam zu sein“, so Baxmann.

Braun und Foy kehren zurück ins Team

Intensiver als auf den Gegner wird ohnehin auf die eigenen Belange geschaut. „Wir müssen das mitnehmen, was wir gegen Hamburg gelernt haben und es umsetzen“, sagt der Trainer. Dabei geht es um den, wie er sagt, „simple Stuff“. Einfach spielen, den Körper einsetzen, das System halten, das Geschehen in die Offensivzone verlagern und den Gegner nicht zu nah ans eigene Tor kommen lassen. Vor allem muss bei voller Spieleranzahl effektiver gearbeitet werden, denn dass das Powerplay so außergewöhnlich bleibt – die Hälfte aller 22 Tore wurde so erzielt –, ist eher unwahrscheinlich. Unterstützung gibt es dabei ab jetzt wieder von Matt Foy (Gehirnerschütterung) und Laurin Braun (Leisten-Operation), die nach langwierigen Verletzungen für ein paar Wechsel in die vierte Reihe rücken und Entlastung bringen sollen.

Nach maximal fünf Partien ist die Serie vorbei. Dass sich die Pinguine erneut genötigt sehen werden, eine Beschwerde wegen unfairer Härte aufzusetzen, steht eher nicht zu erwarten. Die Berliner lösen ihre Probleme wie sie selbst nämlich lieber auf spielerische Weise.