Eishockey

Eisbären siegen in Hamburg und stehen im Halbfinale

Gegen die Hamburg Freezers gelang den Berlinern mit 3:2 der entscheidende vierte Sieg in der „Best of seven“-Serie. Nächste Gegner sind ab Mittwoch die Krefeld Pinguine.

Foto: Joern Pollex / Bongarts/Getty Images

Ob zu Ostern ein bisschen Zeit bleibt, mit der Familie in Ruhe Eier zu suchen, wussten die Spieler des EHC Eisbären bislang nicht. Zu sehr hatten sie die Hamburg Freezers im Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gefordert, als dass realistische Prognosen möglich gewesen wären.

Am Ostersonnabend aber gab es nun Gewissheit. Im sechsten Spiel der „Best of seven“-Serie setzten sich die Berliner bei den Freezers mit 3:2 (0:0, 3:0, 0:2) durch. Es war der vierte Sieg des Titelverteidigers und damit derjenige, der die Berliner ins Halbfinale brachte. Dort treffen sie ab Mittwoch auf die Krefeld Pinguine und müssen zunächst bei den Rheinländern antreten.

„Ich bin froh, dass wir heute schon gewonnen und nun einen Tag länger frei haben“, sagte Kapitän André Rankel. Er könne die Zeit mit der Familie gut gebrauchen, „das gibt auch Kraft“. Davon hatte die Serie gegen die Freezers viel gekostet. „Ich muss den Hamburgern Tribut zollen, das war unglaublich“, so Rankel.

Die Berliner überzeugten nicht immer, „aber wir waren eine Tick cleverer und erfahrener“. Auch Trainer Don Jackson erkannte die Leistung der Freezers an. „Wir mussten alles geben, um weiterzukommen. Sie waren ein schwerer Gegner“, so der US-Amerikaner. Weil sich seine Mannschaft im Laufe der Spiele gesteigert habe, sei der Einzug in die nächste Runde dennoch gelungen.

Mehr als 1000 Fans kamen nach Hamburg

Nicht nur auf dem Eis gab es Defizite bei den Eisbären, auch das mit der Unterstützung der Fans funktionierte nicht so, wie sich Verein und Mannschaft das wünschten. Wegen der Erhöhung der Dauerkartenpreise blieben die Anhänger erst weg, dann waren sie ruhig, nach Hamburg kamen auch nur wenige mit.

Aber der Streit konnte geschlichtet werden, die Kartenpreise steigen zur nächsten Saison nur moderat statt wie geplant enorm; das Play-off ist auch wieder inklusive. Schon beim fünften Spiel in Berlin, das die Eisbären 3:2 gewannen, erzeugte dies das gewohnte Stimmungsbild. Und nun kamen auch wieder viele Anhänger mit nach Hamburg. Mehr als drei Blöcke füllten die Berliner, gut 1000 waren vor Ort. Ein großer Teil davon rückte sogar geschlossen als Demonstrationszug an. Begleitet von reichlich Polizei.

Nicht nur draußen wollten die EHC-Fans zeigen, dass sie wieder da sind – auch drinnen. Da hatte es die zahlenmäßig natürlich überlegene Anhängerschaft der Freezers in der mit 8580 Zuschauern besuchten Hamburger Arena schwer, atmosphärische Akzente zu setzen. Obwohl bei ihnen noch einiges an angestauter Wut vorhanden war. Denn die vorherige Partie in Berlin war erst mit einem Tor in der Schlusssekunde entschieden worden. Wobei sich in Hamburg hartnäckig die Meinung hält, der Treffer von Jens Baxmann sei erst nach der Sirene gefallen.

Auch das Team der Freezers hatte das sehr aufgeregt, auf dem Eis blieb es aber erst einmal ruhig. „Dieser Treffer war anfangs noch bei uns im Kopf“, sagte Trainer Benoit Laporte. Druck machten die Hanseaten zwar, aber eher verhalten. Weitgehend versuchten beide Teams, kontrolliert zu agieren. Bedacht darauf, dem Gegner vor dem Tor wenig Raum zu geben.

Dabei waren die Eisbären zunächst etwas weniger erfolgreich, aber das kehrte sich bald deutlich um. Die konzentrierte Arbeit der Berliner im eigenen Drittel zahlte sich aus, Hamburg brachte kaum Konstruktives auf den Weg. Eine Strafzeit gegen die Freezers verschaffte den Eisbären dann den entscheidenden Vorteil, Barry Tallackson schob nach einem Pass von Julian Talbot zur Führung ein (23.). Nur 93 Sekunden später zog Baxmann von der Blauen Linie ab. Diesmal gab es keine Zweifel an der Gültigkeit des Tores – 2:0.

Hanseaten wirkten emotional erschöpft

Für die Hanseaten war das eine schwere Hypothek, sie standen mit dem Rücken zur Wand, brauchten unbedingt eine Reaktion. Doch nach den vielen turbulenten Partien wirkten sie emotional erschöpft, ihr hartes körperliches Spiel verlor an Aggressivität, was es den Berlinern etwas leichter machte. Die konnten nach einer Kombination der Mulock-Brüder sogar auf 3:0 erhöhen, Tyson traf nach einem Pass von Travis (40.).

Über das LED-Band der Arena lief in diesem Moment der Teaser für den Auftritt von Comedian Cindy aus Marzahn in Hamburg. Viele Freezers-Fans verspürten da sicher gerade keine Lust auf Exportartikel aus der Hauptstadt. „Unser zweites Drittel war sehr gut, wir haben keine Fehler gemacht und eiskalt zugeschlagen“, sagte Rankel.

Körpersprache der Hamburger und das engagierte Spiel der Berliner ließen zu diesem Zeitpunkt durchaus den Schluss zu, dass Partie und Serie gelaufen seien. Allerdings lehrte der bisherige Verlauf der Serie, nur nicht vorschnell zu folgern. Führungen bedeuteten wenig, oft kam doch noch alles ganz anders. Und der frühe Treffer der Freezers im dritten Drittel durch Thomas Dolak (43.) hielt diese Möglichkeit erneut bereit. Er brachte jedenfalls einiges an Bewegung in die Partie.

Und führte zu einer frappierenden Parallele zur ersten Partie in Hamburg. Damals führte der EHC 3:1, brach mit dem Anschluss in der 56. Minute ein und verlor 3:5. Auch diesmal traf Hamburg durch Brandon Reid in der 56. Minute zum 3:2-Anschluss. Diesmal retteten die Berliner den Sieg aber über die Zeit. „Das war psychologisch sehr wichtig für uns“, so Rankel mit Blick auf die nächsten Aufgaben. Gerade die Krefelder erwiesen sich nämlich als schwerer Gegner in dieser Saison. Nur eines von vier Spielen gewannen die Eisbären.