Eigentlich kann die Saison schon als Erfolg verbucht werden. Nach den ersten beiden Titeln in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verpasste der EHC Eisbären das Viertelfinale. Nach den nächsten beiden war im Viertelfinale schon Schluss. Nach Meisterschaft fünf und sechs kämpften sich die Berliner diesmal ins Halbfinale, die große Enttäuschung im Drei-Jahres-Rhythmus bleibt also aus.

Doch die Serie gegen die Hamburg Freezers war eng, hinzu kamen selbst gemachte Probleme mit dem Fans in einem nie dagewesenen Ausmaß. Vor dem Halbfinalstart am Mittwoch bei den Krefeld Pinguinen sprach die Morgenpost mit Manager Peter John Lee über falsche Zeitpunkte und Erinnerungen.

Berliner Morgenpost: Herr Lee, wie immer wurde gegen Hamburg im Viertelfinale gewonnen, zum vierten Mal nun schon. Aber diese Serie war sicher die schwerste von allen. Oder?

Peter John Lee: Wir hatten das schon vorher gewusst, Hamburg war punktgleich mit uns. In der Serie hat sich unsere Erwartung bewahrheitet.

Aber wohl kaum in dieser Form. Es ging hin und her, es gab unglaubliche Führungen, wahnsinnige Comebacks, große Einbrüche.

Bei uns gibt es immer etwas Neues, obwohl Steigerungen manchmal kaum noch möglich erscheinen. Für mich als Manager war das Stress pur, für viele andere aber sicher gute Unterhaltung.

Die Serie legte viele Defizite der Mannschaft offen. Wie gehen Sie damit um?

Das kommt auf den Standpunkt an. Wir können an der Serie auch sehen, wie stark die Liga ist. Wolfsburg ist das beste Beispiel, die haben als Zehnter den Ersten aus Mannheim rausgeworfen.

Mit der Stabilität gab es dennoch Schwierigkeiten.

Wir wachsen als Mannschaft, weil die meisten sehr jung sind. Es gab bei uns noch nie so viele Führungsspieler in einem Alter von Mitte 20. Da sehen Spiele jetzt natürlich ein bisschen anders aus als vor einiger Zeit. Über Talent verfügen wir, das hat die Serie gegen Hamburg gezeigt. Aber wir müssen noch besser zusammenarbeiten. Jeder Erfolg und genauso jeder Misserfolg lässt uns lernen. Hoffentlich auch schnell genug, um wieder um den Titel spielen zu können.

Herr Lee, die Serie gegen Hamburg hätte auch schief gehen können. Plötzlich fehlte dem Team die Unterstützung der Fans und der Klub sah sich einer riesigen Protestwelle gegenüber. War es leichtsinnig, dass Thema der drastischen Erhöhung der Dauerkartenpreise vor dem Viertelfinale auf den Tisch zu bringen?

Es hat natürlich große Auswirkungen gehabt, auch auf die Mannschaft. Wir sind ein hohes Risiko eingegangen, das war gefährlich. Wir wollten aber auch nichts einfach hinten herum, also im Sommer, machen, sondern ehrlich sein und den Fans die Chance geben, mit uns in der Saison darüber zu reden.

Die Diskussionen kamen aber nur langsam in Gang, der Verein wurde von seiner Basis regelrecht abgestraft.

Das war heftig und hat mir wehgetan. Ihr Zusammenhalt verdient allerdings auch großen Respekt. Für uns ist am Ende wichtig, dass wir zusammengefunden haben und sie wissen, dass sie uns nicht egal sind. Unsere Fans bedeuten uns sehr viel.

Die geplante Erhöhung fällt nun deutlich niedriger aus, die Play-off-Spiele sind auch wieder inkludiert. Warum ließ sich diese Lösung nicht eher herbeiführen?

Wenn wir uns früher an die Fans gewendet hätten, wäre das besser gewesen. Aber die vergangenen Monate waren nicht einfach. Unser Besitzer, die Anschutz Entertainment Group, stand zum Verkauf, viele aus dem oberen Management sind nicht mehr dabei, da ist es klar, dass vieles auf den Prüfstand kommt. Es musste viel geklärt werden, und wir haben darüber etwas vergessen, mit unserem Fan-Beirat zu sprechen. Wir sind selbst daran Schuld, wie das gelaufen ist. Ich glaube, was wir aus der ganzen Sache gelernt haben, ist, dass die richtige Kommunikation gefehlt hat. Das kommt an erster Stelle.

An nächster Stelle kommt nun Krefeld im Halbfinale, ein Duell mit Geschichte.

Vor zehn Jahren, als wir im Halbfinale gegen sie ausgeschieden sind, ist unser Trainer Pierre Pagé abhanden gekommen. Er hat die Niederlage gegen den Außenseiter, der dann Meister wurde, nicht verkraftet und fuhr allein nach Hause. Diesmal sehe uns nicht als Favorit, Krefeld stand nach der Hauptrunde vor uns. Sie sind sehr diszipliniert, halten ihre Taktik gut, spielen als Mannschaft in der Offensive und Defensive sehr eng zusammen. Das wird hart, aber unsere Mannschaft hat Potenzial – und die Möglichkeit, das zu zeigen.