Eishockey

Eisbären Berlin wollen mit einem blauen Auge davonkommen

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Marcel Stein

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Die Eisbären müssen die bittere Pleite in Hamburg rasch verarbeiten. Die Freezers haben nach dem 6:5 in Berlin vorgemacht, wie es geht. Am Montag findet das dritte Spiel der Viertelfinal-Serie statt.

Es war wie eine kleine Ehrenrunde. Ohne Handschuhe und mit schiefsitzendem Trikot fuhr Christoph Schubert am Freitag zum Mittelkreis, riss den rechten Arm einmal wild vor und zurück und stieß dabei einen gewaltigen Schrei aus.

Hier wollte einer noch mal unmissverständlich klarstellen, wem dieser Abend gehörte. Die Fans der Hamburg Freezers grölten, animiert von Schubert, dem Kapitän ihrer Mannschaft, aber ebenso stimuliert durch verprügelte Berliner, die als traurige Gestalten vom Eis schlichen.

Die letzten Minuten des zweiten Viertelfinalspiels in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zwischen den Freezers und den Eisbären hatten einiges auf Lager. Ein großes Comeback, einen grandiosen Absturz, eine deftige Boxeinlage.

Dumm für die Eisbären, dass ihre körperlich kleinste Reihe auf dem Eis stand, als die Fäuste Sekunden vor Spielende zum wichtigsten Arbeitsgerät wurden. Mark Katic, 13 Zentimeter kleiner und 20 Kilogramm leichter als Schubert, bekam in einem von mehreren parallelen Fights, die zu insgesamt 109 Strafminuten führten, von diesem ein ordentliches Veilchen verpasst.

Ein Sinnbild für das Spiel, das die Berliner trotz Zwei-Tore-Führung in den letzten vier Minuten noch 3:5 verloren. Schuberts kleine Ehrenrunde machte die Demütigung perfekt. „Das war nicht als Geste gegen Berlin gemeint. Wir sind auch nicht darauf aus, uns die Köpfe einzuschlagen. Es ist Play-off, da kommen Emotionen hoch“, relativierte der Hamburger zwar. Eine Ansage war es trotzdem.

So etwas noch nicht erlebt

Das müssen die Berliner jetzt verdauen. Genau wie die Hamburger das 6:5 des EHC im ersten Spiel, bei dem sie 4:0 geführt hatten. Dass es möglich ist, haben die Freezers vorgemacht. Daher geht André Rankel locker damit um. „In gut zehn Jahren Play-off mit den Eisbären habe ich das zwar noch nicht erlebt. Aber man sollte das auch nicht zu sehr dramatisieren“, so der Kapitän. Er habe es für sich schon abgehakt, mit der Schlusssirene.

Ist es wirklich so einfach? Bisher kennen es die Berliner nur, dass sie im Play-off durch einen unerschütterlichen Glauben an die eigenen Fähigkeiten Spiele zu ihren Gunsten drehen. Natürlich gab es auch mal heftige Klatschen, in Mannheim etwa. Aber das waren Spiele mit einer anderen Dramaturgie, da hatten sie nichts zu melden. Gemeinschaftliches Versagen auf der Ziellinie aber ist eine Eigenschaft, die es so noch nicht gab. Und die schwerer wegzuwischen sein dürfte.

Ergebnis nicht so schwer nehmen

An dem Problem kauen die Eisbären schon länger, wie zuletzt in der Hauptrunde fallen viele Gegentore innerhalb kürzester Zeit. Bislang bleibt die beschworene Fokussierung im Play-off noch aus. „Es war ein dummes Gegentor, das uns das Momentum gekostet hat“, sagt Trainer Don Jackson. Auch er versuchte, wie Rankel, sich nicht zu sehr von dem Ergebnis einnehmen zu lassen: „Wir müssen unsere Emotionen unter Kontrolle halten.“ Seine Enttäuschung konnte Jackson allerdings weit weniger gut verdrängen.

Auf das Gute wollen sie nun schauen, um sich wieder aufzubauen. „Wir haben 56 Minuten lang ein super Auswärtsspiel gezeigt, das müssen wir mitnehmen“. erzählt Rankel. Noch ein bisschen weiter greift der Ansatz des Trainers: „Wir fühlen uns so, dass wir die meiste Zeit der Serie die bessere Mannschaft waren.“ Psychologisch hat sich die Situation ins Gegenteil verkehrt. Im Eindruck der jüngsten Ereignisse schwimmen nun die Hamburger oben auf. Obwohl Schubert auch hier relativiert: „Wir sind alle Profis genug, die Fehler werden besprochen und dann geht es weiter“, sagt er. Fragt sich nur, bei wem das simple Rezept besser anschlägt.

Trainer Jackson weiß nicht, was er erwarten soll

Spiel drei in dieser bisher so verrückten „Best of seven“-Serie kann an diesem Montag schon einen Hinweis darauf liefern (19.30 Uhr, O2 World, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost). Doch auf Tendenzen, die eine verlässliche Aussagekraft über diese Partie hinaus besitzen, sollte niemand vertrauen. Was er für dieses dritte Spiel erwarte, ging die Frage an Don Jackson. Plötzlich konnte der Trainer wieder lachen, und er tat es laut: „Nach den beiden Spielen weiß ich nicht mehr, was man erwarten kann.“ Wenn seine Mannschaft einem Gegentorhagel binnen wenigen Minuten entgehen könnte, wäre da schon mal eine gute Sache.