Pünktlich zum Play-off erschien das neue Hochglanz-Magazin des EHC Eisbären. Dort steht viel über die Lebensläufe der Spieler drin, sie müssen auch Fragebögen ausfüllen zu alltäglichen Dingen.

Diesmal ging es unter anderem darum, wie sich die Jungs so auf ein Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vorbereiten. Ziemlich verbreitet ist offenbar das Schlafen. Woraus sich böse folgern ließe, dass die Berliner den Start des Viertelfinales gegen die Hamburg Freezers quasi verschlafen haben, als sie das erste Drittel der ersten Duells, das sie noch 6:5 gewannen, 0:4 verloren.

In Hamburg nun, in der zweiten Partie der „Best of seven“-Serie, kamen die Berliner am Freitag zwar wacher aus der Kabine, gewannen das erste Drittel 1:0, verloren dafür aber das Spiel. Nach einem unerklärlichen Einbruch in den letzten Minuten und einem 3:5 (1:0, 1:1, 1:4) steht es nun 1:1 in der Best-of-Seven-Serie, die am Montag in Berlin weitergeht.

Sportlichen Erfolg hatten die Hamburger, anders als der Titelverteidiger aus Berlin, eigentlich nie richtig. In den vergangenen beiden Jahren aber wurde zielstrebig etwas aufgebaut. Das führte zur besten Hauptrunde seit langem, besonders daheim zeigten die Hamburger ihre Stärke, gewannen 19 von 26 Spielen, so viele wie seit 2005/06 nicht mehr.

Berliner blieben ruhig und konzentriert

Das entfachte Hoffnung bei den Fans, bei der Mannschaft – sogar bei Wladimir Klitschko. Der Boxprofi verkündet zusammen mit ein paar anderen Hamburger Prominenten vom Videowürfel aus per Einspieler vor jedem Play-off-Spiel, dass es Zeit sei, Geschichte zu schreiben. Und zwar so, dass es ein bisschen unter die Haut geht: „Ihr könnt es schaffen“, haucht Klitschko bewegend. Und den Titel nach Hamburg holen.

Dazu müssten sie zunächst die Eisbären aus dem Weg räumen. Wie sie das machen wollen, wurde in Hamburg schon nach wenigen Minuten klar. Knallharte Checks in Reihe setzte es sofort nach Spielbeginn für den Meister. Der aber hatte sich darauf eingestellt und ließ sich nicht beeindrucken. Die Berliner blieben ruhig und konzentrierten sich auf das, was sie sich vorgenommen hatten: defensiver zu spielen als zwei Tage zuvor.

Weit weniger furios als die erste Partie war daher die zweite, doch Spannung erzeugte sie ebenso. Es wurde hart gekämpft auf dem Eis, beide Seiten spielten sehr entschlossen. Und nutzten Fehler des Gegners. In Unterzahl fing Frank Hördler den Puck von Hamburgs Kapitän Christoph Schubert ab, gab ihn an seinen Kapitän André Rankel weiter und der schoss zur EHC-Führung ein (15.). Viele Strafzeiten gegen die Berliner bewirkten danach jedoch, dass die Freezers das Geschehen zunehmend bestimmten. Ein Missgeschick von Torhüter Rob Zepp, der den Puck schon hatte, ihn aber beim Nachstochern von Jerome Flaake durchrutschen ließ, führte zum Ausgleich (25.).

Viele Checks auf den Körper

Mit dem Gegentreffer gerieten die Berliner allerdings nicht in einen Hamburger Sturmlauf. Dafür verhielten sich die Eisbären zu geschickt. Sie griffen dosiert an und warteten. Denn offenbar erkannten sie, dass sich die Freezers in ihrer Taktik aufreiben. Die waren versessen darauf, jeden Check mit größtmöglicher Härte zu Ende zu fahren und ließen den Puck oft links liegen.

Dabei verloren die Hamburger das Spiel aus dem Blick. Das brachte sie häufiger auf die Strafbank. Genau dann schlugen die Eisbären zu. Erst traf Barry Tallackson in Überzahl (36.), dann Darin Olver zum 3:1 (46.).

Spätestens da war die zuvor euphorische Stimmung bei den gut 10.000 Besuchern arg gedämpft. Die Mannschaft aber kämpfte weiter, völlig unverdrossen. So unermüdlich, dass die sie Eisbären wieder in eine Phase trieben, in der diese die Nerven verloren und wie am Mittwoch bei Spielbeginn hilflos wirkten.

Innerhalb von zwei Minuten verschenkten die Berliner den Sieg, Colin Murphy (56.), Eric Schneider (57.) und Thomas Dolak (58.) drehten die Partie völlig. Als dann Flaake das 5:3 erzielte (60.), war die Euphorie in der Hamburger Arena noch größer als am Anfang, als Klitschko den Traum vom Titel verschwor. Der Glaube daran ist nach diesem Spiel noch etwas größer geworden. Und die Eisbären müssen sich fragen, wie sie diese groben Aussetzer in den Griff bekommen wollen.