Philip F. Anschutz liebt seine beiden deutschen Eishockeyteams, heißt es immer. Die Stimmung dort sagt dem US-Amerikaner mit dem vielen Geld zu, die Fans halten immer zu ihren Teams.
Obwohl, in Hamburg war er zwischendurch nicht ganz so zufrieden, nicht mit den Fans, nicht mit der Entwicklung des Klubs. Eine Zeit lang standen die Freezers deshalb zum Verkauf.
Später wollte der Milliardär sogar seine ganze Anschutz Entertainment Group verkaufen und mit ihr neben den Freezers auch die Eisbären aus Berlin. Das ist nun aber alles vom Tisch. Alles bleibt so wie vorher.
Wirklich alles? Diese Frage wird spätestens in knapp zwei Wochen beantwortet sein. Früher war es nämlich so, dass die Freezers trotz aller Anstrengungen immer nur der kleine Bruder der Berliner waren, nicht groß und stark genug, diesem nachzueifern. Die Eisbären holten die Titel, die Freezers flogen früh raus.
Dreimal traf man im Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sogar aufeinander, dreimal besaß Hamburg keine Chance. So einfach ist die Rechnung nun nicht mehr, wenn sich beide Klubs ab Mittwoch erneut im Viertelfinale (19.30 Uhr, O2 World, Best of seven, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost) begegnen. „Hamburg hat sich sehr verbessert“, sagt EHC-Stürmer Florian Busch.
Nicht mehr der große Favorit
Das ist nur die eine Seite. Sie allein hätte in den vergangenen Jahren kein Duell auf Augenhöhe zugelassen. Dass sich beide nun genau auf dieser Ebene treffen, liegt ebenso daran, dass die Berliner das frühere Niveau kaum mehr abrufen können.
Vierter wurden sie in der Hauptrunde, waren so schlecht wie seit 2007 nicht. Die großen Favoriten auf den Titel sind erstmals seit Jahren andere, Prognosen auf das Abschneiden der Eisbären im Play-off ließen sich nie schwieriger stellen als jetzt.
Kampf mit den Veränderungen
Die Mannschaft hat sich verändert, mehr als in den Jahren zuvor. Mit den Begleiterscheinungen kämpfte sich Trainer Don Jackson die ganze Saison über ab. Als die schwierigste seiner sechs Jahre beim EHC bezeichnete er diese Spielzeit. Einige sehr gute Profis standen nicht mehr zur Verfügung, die Neuerwerbungen waren meist jung und hielten Vergleichen mit den Abgängen nicht stand. Viele Verletzungen machten die Aufgabe, dennoch ein funktionierendes Team zu entwickeln, noch schwerer.
„Wir hatten viele Probleme. Daran dürfen wir aber jetzt nicht mehr denken. Und das tut auch niemand“, sagt Verteidiger Jim Sharrow. Überwunden scheinen längst nicht alle Sorgen. Mit großen Erwartungen etwa wurde Corey Locke zu Beginn des Jahres nachverpflichtet. Gegen Hamburg wird er als Mittelstürmer der vierten Reihe auflaufen. Deutlicher lässt sich ein Scheitern kaum dokumentieren.
Viel Erfahrung im Play-off
Trotz allem spricht auch einiges für die Berliner. Die Mannschaft mag jung sein, sie besitzt dennoch viel Erfahrung im Play-off. „Das ist ganz wichtig, wir wissen, wie man mit manchen Situationen umgehen muss“, erzählt Busch. Gleich 17 Profis haben zusammen 628 Play-off-Spiele in der DEL absolviert, das kann kein Konkurrent sonst aufweisen. Und genügend gute Ansätze gab es auch, um beim Kapitän Optimismus zu erzeugen. „Ich bin immer noch der Überzeugung, dass wir eine Mannschaft sind, die Spiele dominieren kann, auch über 60 Minuten“, sagt André Rankel.
Das Schlechte verdrängen, an das Gute glauben – so ungefähr gehen die Eisbären, der sechsmalige Titelträger der vergangenen acht Spielzeiten, in das Viertelfinale. „Ich kann mich erinnern, dass immer irgendetwas in der Hauptrunde nicht geklappt hat, im Play-off aber war das dann richtig gut“, sagt Don Jackson. Zuletzt lenkte er den Fokus der Spieler auf die Details, das Verhalten in bestimmten Situationen. Mit der Umsetzung und der Intensität im Training zeigte sich der Coach, der auf die Stürmer Matt Foy (Gehirnerschütterung) und Laurin Braun (Leisten-Operation) verzichten muss, sehr zufrieden.
Schnelligkeit als Trumpf
Technisch und körperlich schätzen die Berliner die Hamburger als stark ein. Als besonders wichtig erachten sie daher eine andere Eigenschaft. „Der Schlüssel zum Erfolg ist die Schnelligkeit, da haben wir einen Vorteil“, sagt Florian Busch. Die bisherigen Saisonvergleiche endeten mit jeweils zwei Heimsiegen (4:3 n.P., 2:0, 1:3, 4:6). Jackson rechnet damit, dass seiner Mannschaft viel Druck begegnen wird. Er ahnt auch, dass „es eine Herausforderung ist, mit dieser jungen Mannschaft in das Play-off zu gehen“.
Nach den Befindlichkeiten seiner Angestellten hat sich Philip Anschutz noch nicht erkundigt. Wer nun gewinnt, dürfte ihm egal sein. Die Protagonisten vor Ort sehen das anders. „Er wird sich bestimmt beim Gewinner melden. Also hoffentlich bei mir“, sagt EHC-Manager Peter John Lee. Bislang konnte er sich darauf verlassen, im Play-off von Anschutz zu hören.





