Irgendwann ist auch Don Jackson klar geworden, dass er ziemlich viel Dusel gehabt hatte. Dass er beinahe völlig unnötig einen Vorteil aus der Hand gegeben hätte. Deshalb erkundigte sich der Trainer des EHC Eisbären, ob denn sein Fauxpas groß aufgefallen wäre in der Öffentlichkeit.
Ja, war er. Denn fast wäre der vierte Platz nach der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und damit der Heimvorteil futsch gewesen, weil Jackson weit vor Spielende in Straubing (2:6) den Torhüter rausgenommen hatte.
Doch es ging gerade so gut, zwar konnten die Hamburg Freezers das Torverhältnis ausgleichen, wegen der mehr erzielten Treffer aber blieben die Berliner auf Rang vier und treten im Viertelfinale gegen die Hanseaten am 20. März zuerst daheim an. „Einige in der Mannschaft wussten um die Situation am Ende des Spiels, ich nicht und der Trainer anscheinend auch nicht.
Wir hatten Glück“, sagt Verteidiger Jens Baxmann, der findet, dass Jackson schon hätte Bescheid wissen können. In Hamburg jedenfalls war man informiert. „Wir hatten die Ergebnisse der anderen Teams immer im Blick“, so Trainer Benoit Laporte. Genutzt hat es freilich nichts.
Der Ruf ist noch intakt
Mit einem blauen Auge ins Play-off, so ließe sich die Lage bei den Eisbären beschreiben, eingedenk auch der Tatsache, dass es zuletzt drei Niederlagen in Serie setzte und der EHC von der schlechtesten Position seit 2007 startet. Trotzdem ist der Ruf des Titelverteidigers und DEL-Rekordmeisters noch intakt. Von den zehn Play-off-Trainern gaben fünf den Berlinern Chancen auf die Meisterschaft, auch Mannheim und Köln wurden ebenso oft als Favorit genannt. Für Hamburgs Laporte sind die Eisbären ein heißer Kandidat.
Die Bilanz in der Hauptrunde ist ausgeglichen, das macht Laporte zuversichtlich. „In dieser Saison haben wir gute Spiele gegen die Eisbären absolviert. Wir müssen gegen Berlin genauso spielen wie im dritten Drittel heute. Dann können wir Erfolg haben“, sagte er nach dem 2:1 gegen München am Sonntag. Besonders glücklich verliefen die vergangenen Monate für die Freezers allerdings auch nicht, keine Mannschaft in der Liga holte seit Weihnachten weniger Punkte.
Dazu verletzte sich vor knapp zwei Wochen Nationaltorhüter Dimitrij Kotschnew (Kreuz- und Innenbandriss) schwer. Deshalb steht nun der 21-jährige Niklas Treutle im Tor, der über ganze 20 Minuten Play-off-Erfahrung verfügt und in dieser Zeit drei Gegentreffer hinnehmen musste. „Das ist ein herber Schlag für uns. Aber Niklas hat seine Qualitäten schon mehrfach bewiesen. Wir sind sicher, dass er der Herausforderung gewachsen ist“, sagt Sportdirektor Stephane Richer.
Defensive bei Freezers besser
Auf dieser neuralgischen Position sind die Berliner mit Nationaltorhüter Rob Zepp deutlich besser besetzt. Davor, bei den Verteidigern, liegt das Plus bei den Freezers. „Sie haben defensiv stärker gespielt, dort müssen wir uns verbessern, wenn wir weiterkommen wollen“, sagt EHC-Manager Peter John Lee. Die Hamburger kassierten 22 Gegentore weniger als die Eisbären, sie schossen aber auch 22 Tore weniger als die Berliner.
Die Offensive ist weniger flexibel und gefährlich, sie lebt sehr vom Paradesturm um die deutschen Vorzeigespieler Garrett Festerling, Jerome Flaake und David Wolf, den drei Top-Scorern des Teams. Die Ausländer bringen nicht die erhoffte Leistung, einzig Brandon Reid kommt auf zehn Treffer.
Bislang trafen die Berliner drei mal im Play-off auf die Freezers, dreimal setzten sie sich durch. „Irgendwann sind auch die Eisbären mal fällig. Das werden geile Spiele“, sagt Flaake, der mit 20 Treffern der erste Deutsche in der Freezers-Historie ist, der diese Marke knacken konnte. In der Offensive und im Tor verfügen die Berliner über ein leichtes Plus, den Ausschlag könnte am Ende aber auch etwas anders geben.
„Vielleicht ist der Heimvorteil ein minimaler Vorteil, das wird eine sehr schwere Serie“, sagt Jens Baxmann. In der Hauptrunde wurde jeweils daheim gewonnen. Gut, dass Jackson den Torhüter nicht noch früher rausgenommen hat.





