Der Ärger flaut nicht ab. Erst waren es Worte, mit denen sich die Fans des EHC Eisbären Luft verschafften. Dann entstand ein Lied, oder besser ein Protest-Song. Nun werden Bilder geknipst, mit einem Schild in der Hand. „Unerwünscht. Dauerkartenbesitzer der EHC Eisbären Berlin“ steht da drauf. Hunderte sind schon zusammengekommen.

Organisiert hat der Fan-Beirat des Klubs die Fotos. Es wird nicht die letzte Aktion sein. Spannend wird es am Mittwoch, dann steigen die Berliner in das Play-off der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ein. Sie empfangen im Viertelfinale die Hamburg Freezers (19.30 Uhr, O2 World). Viele der rund 4000 Dauerkartenbesitzer wollen diesem Spiel fernbleiben, weil sie das Gefühl haben, der Klub wolle sie ohnehin nicht mehr.

Play-off-Start, die Saisonphase, auf die alle gewartet haben. Und dann das? „Der Zeitpunkt ist nicht der beste“, sagt Sven Felski. Er spielt nicht mehr mit, musste in dieser Saison seine Karriere beenden. Aber kaum einer weiß so gut wie er, was die Fans für diesen Klub bedeuten. 20 Jahre war er EHC-Profi, hat alle Höhen und Tiefen miterlebt, war hautnah dabei, als die Eisbären wegen ihres leidenschaftlichen Anhangs zum Kultklub wurden. Nun stehen sich beide Seiten plötzlich gegenüber, bei vielen Fans hat sich eine große Wut aufgebaut. Nicht auf die Mannschaft, sondern auf die Klubführung.

Noch keine endgültigen Preise

Auslöser war die Ankündigung vor gut zwei Wochen, dass die Preise für Dauerkarten zur nächsten Saison steigen sollen. In manchen Kategorien bis zu 40 Prozent. Dazu sollen Halbfinal- und Finalspiele nicht mehr enthalten sein, auch Partien der European Trophy nicht. Endgültig sei das alles noch nicht, das sagte Moritz Hillebrand, Sprecher der Anschutz Entertainment Group, dem Besitzer der Eisbären und der Arena. Doch großer Spielraum war eher nicht eingeplant.

Wirtschaftliche Zwänge

Im Verdacht der Abzockerei standen die Berliner bisher nicht, die Dauerkartenpreise beginnen derzeit bei 299 Euro. Laut ihren Bilanzen haben es die Eisbären aber trotz sechs Meisterschaften auch nie geschafft, sich wirtschaftlich allein zu tragen. Nahezu jährlich häuft sich ein Fehlbetrag von zwei Millionen Euro an. Das will der Klub ändern, verständlicherweise. Nur war die Anmoderation, dass die Erhöhung der Dauerkartenpreise zu einer gewünschten Steigerung des Verkaufs der teureren Einzeltickets führen könne und wohl auch solle, weil nicht jeder mehr für die Dauerkarten zahlen kann oder will, eher ungeschickt. Viele Fans haben den Eindruck, sie sollen vertrieben werden.

Ohne harten Kern kann das Produkt leiden

Das ist gefährlich, denn es geht um die Anhänger, denen der Klub seinen Ruf zu verdanken hat, die für Stimmung sorgen und damit das Eventpublikum anziehen. Wenn die Stimmungsmacher fehlen, kann die Attraktivität des Produkts schnell leiden, gerade in einer Hauptrunde wie der zurückliegenden, in der nicht viele Spiele begeisterten. Verein und Besitzer stehen vor dem Problem, genau abwägen zu müssen, wie wichtig ihnen Fankultur ist und wie das mit Kommerz zu vereinbaren ist. Teurer wird es in jedem Fall werden.

Klub will das Gespräch suchen

Der Klub will nun mit den Fans über mögliche Alternativen sprechen, einen festen Termin gibt es noch nicht. „Wir versuchen, fair zu sein“, sagt Manager Peter John Lee. Dass alles gerade jetzt, zum Play-off-Start, hochkocht, sei bewusst erfolgt. „Die Fans sollen wissen, was los ist. Wir wollten ihnen die Möglichkeit geben, mit uns in der Saison darüber zu reden und das nicht hintenrum im Sommer machen“, sagt Lee. Ob das für die Mannschaft nun zu einem Boomerang wird, ist schwer zu sagen. Was wirklich am Mittwoch passiert, ist offen. „Wir beschäftigen uns nicht mit solchen Dingen. Wir als Eishockeyspieler müssen Tore schießen und verhindern“, sagt Stürmer Florian Busch. Für die Fans scheint das im Moment zweitrangig zu sein.