Eishockey

Berliner Eisbären schaffen Einzug ins Play-off-Viertelfinale

Mehr als 14.000 Zuschauer erlebten gegen Wolfsburg eine völlig verrückte Partie. Denn erst 90 Sekunden vor Schluss stand der Sieger fest.

Meistens bringen diese kleinen Interviews nur einen marginalen Erkenntnisgewinn. Aber der Service ist nett, direkt in den Spielpausen sagt ein Profi des EHC Eisbären über den Videowürfel in der Arena ein paar Worte zum Auftritt der Berliner.

„Wir müssen so weitermachen“, heißt es dann oft. Oder: „Wir müssen härter arbeiten.“ Manchmal aber lohnt sich das Zuhören wirklich.

Wie etwa am Sonntag, als der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen Wolfsburg antrat. Da platzte nämlich Constantin Braun gehörig der Kragen. Verschwitzt stand er vor der Kabine und ließ alle Fans an seiner miesen Laune teilhaben.

Braun hielt eine Wutrede

„Ich hab es satt, mich ständig zu wiederholen“, fing er an. Es war gut losgegangen für die Berliner. Aber dann, wie so oft, ging es schlecht weiter.

„Wir haben wieder aufgehört zu spielen. Wir haben zu viele Turnovers, es gibt zu wenig Unterstützung. Wir müssen endlich aufhören, schön spielen zu wollen“, prangerte er die Missstände im Team an. „Langsam habe ich die Schnauze voll“, war der Schlusssatz seiner Pausen-Wutrede.

Von den Rängen schallte Applaus, der Einblick in die Gefühlswelt kam bei den Fans an. Die zahlten das mit Anfeuerung im letzten Drittel zurück. Das half, um am Ende doch 5:4 (3:0, 1:4, 1:0) zu gewinnen und damit im vierten Spiel vor dem Ende der Hauptrunde den Einzug in das Play-off-Viertelfinale zu schaffen.

Was hatte Braun so sehr aufgeregt? Wenn den Eisbären zuletzt eines wirklich gut gelungen ist, dann die Startphase eines Spiels. Es war die dritte Heimpartie des EHC in Folge, und zum dritten Mal kamen die Profis hervorragend aus der Kabine.

Gegen Krefeld vor einer Woche hatte eine 2:0-Führung dennoch nicht zum Sieg gereicht (3:4 n.V.). Gegen Hannover am Freitag wurde es nach einer 3:0-Führung noch einmal eng (4:2). Gegen Wolfsburg lag der Meister nun gar nach 21 Minuten mit 4:0 vorn. Darin Olver (7./21.) Mads Christensen (11.) und André Rankel (17.) hatten getroffen.

Doch statt das Spiel gemütlich nach Hause zu schaukeln, verlor sich die Mannschaft – und plötzlich stand es innerhalb von zwölf Minuten 4:4.

Busch erzielt den Siegtreffer

Braun hatte zuletzt öfter Spiele beschreiben und sich dabei meist wiederholen müssen. Dass sich kaum etwas ändert, damit kann er nicht gut umgehen.

„Er ist jung und emotional, aber das war jetzt vielleicht nicht der beste Weg“, sagte Manager Peter John Lee dazu. Die Stimmungslage traf es trotzdem. „Auch in der Kabine sind einige Spieler etwas lauter geworden. Es ist natürlich schwach, dass wir das Unentschieden bekommen“, erzählte Stürmer Florian Busch.

Was eben noch stimmte, passte plötzlich gar nicht mehr. Der Gegner hatte viel Platz und wurde er mit Geschenken versorgt. Im Fall von Torhüter Rob Zepp hatte das eine unfreiwillige Komik. Er kam aus dem Tor gelaufen, wollte den Puck wegschießen, schlug aber über die Scheibe und bescherte Kai Hospelt einen Schuss ins leere Tor zum 4:3 (35.). „Im zweiten Drittel sind wir schlafen gegangen“, sagte Trainer Don Jackson.

Wie einem so etwas unterlaufen kann, darüber machte sich Busch seine Gedanken: „Wolfsburg ist offensivstark, außerdem kann man im Eishockey schon mal vier Tore aufholen, der Gegner investiert dann mehr.“

Die Berliner ließen aber auch deutlich nach. Ihre Nerven aber bekamen sie wieder in den Griff, besonders Busch, für den sich nach gutem Forechecking ein Sololauf ergab, den er zum Siegtreffer nutzte (59.).

Dass der Erfolg auch seine Schattenseiten hatte, interessierte Stefan Ustorf, der in der vergangenen Saison noch Kapitän war, wegen eines Schädel-Hirn-Traumas aber nicht mehr spielen kann, weniger. „Die Eisbären haben einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen“, sagte er, „das ist das einzige, das zu diesem Zeitpunkt zählt.“

Nur mit Siegen lässt sich der dritte Platz bis zum Ende behaupten. Aber gegen Nürnberg am Dienstag wird Constantin Braun in der Pause wohl sicherheitshalber nicht vor die Kamera gelassen (19.30 Uhr, O2 World).