Die Trainer haben es den Jungen richtig gezeigt. Erst Vince Malette, der Assistent, dann Don Jackson, der Chef, dann beide zusammen. Vor dem Tor ließen sie sich fallen, versperrten wie eine Bahnschranke den Weg und zeigten dem Abwehr-Nachwuchs damit, wie der Job des Verteidigers in brenzligen Situationen auszuführen ist. Ja, und wer sollte das besser erklären können als Jackson, dessen Abwehrdienste in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL unter anderem zur zweimaligen Meisterschaft der Edmonton Oilers führten.
Nicht um alle Spieler kümmert sich der Trainer des EHC Eisbären so ausgiebig. Mit den Torhütern etwa hat er nur wenig zu tun, die bekommen alle paar Wochen ihren Spezial-Coach. Überwiegend redet Jackson mit ihnen, wenn er ihnen sagt, wer im nächsten Tor im Spiel steht. Für Sebastian Elwing ist das selten ein Vergnügen, denn aufs Eis lässt der Trainer ihn im Spiel fast nie, auch am Freitag gegen Hannover (19.30 Uhr, O2 World) nicht. Er scheint wie verbannt auf die Bank.
Elwing nimmt es professionell. „So ist es halt manchmal im Sport“, sagt der 32-Jährige. Stimmt, aber ein wenig überraschend stellt sich gegen Ende der Hauptrunde der DEL doch einiges dar. Denn so wenig wie er, der auf sechs Einsätze kommt, standen die Ersatztorhüter des EHC in den vergangenen Jahren – seit Rob Zepp die Nummer eins ist – nie im Tor. Zuletzt hat er so wenig gespielt, da war er noch bei den Eisbären. Vor zwölf Jahren ließ sich Elwing deshalb nach Weißwasser ausleihen, aus München kehrte er im vergangenen Sommer zu seinem Heimatverein zurück. Schon im Bewusstsein, der zweite Mann zu sein, aber auch mit der Hoffnung, mehr zu spielen. „Ob ich nun glücklich darüber bin oder nicht, steht nicht zur Debatte“, sagt Elwing, „jeder hat seine Rolle zu erfüllen.“ Seine ist zweifellos die undankbarste.
Torwart denkt nicht nur an sich
In Aussicht gestellt wurde ihm in den Gesprächen vor der Saison mehr. Dass er nicht zufrieden ist, ist ihm schnell anzusehen. „Als Spieler willst du natürlich das Maximale. Aber ich möchte vor allem, dass die Mannschaft Erfolg hat“, erzählt Elwing. Er gehört nicht zu denen, die schlechte Stimmung machen, wenn nicht alles nach Wunsch läuft. Elwing denkt nicht nur an sich. Das war ein Grund, warum er geholt wurde. Die jungen Torhüter, die sonst als Back-up fungierten, hatten irgendwann zu viele Ansprüche. Das störte die sportliche Führung. Als Lösung bot sich Elwing an, der viel Erfahrung hat und außerdem zurück in die Heimat wollte.
Nun spielt Stammkraft Zepp allerdings seine wohl beste Saison im EHC-Trikot, vielleicht sogar die beste seiner Karriere. Und die Mannschaft knabbert an einigen Problemen. Da liegt es nah, dass sich der Trainer lieber auf die Nummer eins verlässt. „Wieso sollte ich wechseln?“, entgegnet Jackson auf die Frage, ob Elwing in den letzten fünf Partien der Hauptrunde noch zum Einsatz kommen wird. Zepp ist konditionell sehr stark, er liebt auch keine Zwangspausen. Trotzdem ist die Bilanz nicht so, wie es sich alle wünschen. „Ich ärgere mich, wenn ich die Heimtabelle sehe“, sagt Assistenztrainer Hartmut Nickel. Als Sechster ist der Titelverteidiger dort ausgewiesen. „Früher haben sich die Gegner vorher überlegt, dass sie nicht mehr als fünf Gegentore kriegen wollen hier. Jetzt haben sie keinen Respekt mehr.“ Wie es dazu kommen konnte, sei allen etwas rätselhaft.
Drei Heimspiele in schneller Folge
Dass jetzt drei Heimspiele in Folge bevorstehen, müsse daher kein Vorteil sein für die Eisbären, sinniert Nickel. Vielleicht bringt die schnelle Folge der Spiele am Freitag, Sonntag (Wolfsburg) und Dienstag (Nürnberg) wegen der Belastung wenigstens einen Vorteil für Elwing. Die Partie gegen die Ice Tigers aus Nürnberg würde sich besonders anbieten. Jackson könnte dem Torhüter eine kleines Geschenk machen, er hat an diesem Tag nämlich Geburtstag.





