Ein wenig, manchmal auch ein bisschen mehr, sehnen sich die Fans des EHC Eisbären Berlin nach den alten Helden. Nach denen, die ihr Team im Griff hatten, furchtlos voranschritten und in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) von einem Meistertitel zum nächsten marschierten. Doch die sind weg, im Ruhestand. Stefan Ustorf aber, der schaute am Freitag vorbei.

Er würde sicher gern noch mitmachen unten auf dem Eis, doch eine Gehirnerschütterung beendete seine Karriere. So blieb nur ein Platz in der EHC-Loge, erkannt wurde er trotzdem – und gefeiert. Und er selbst weiß auch noch, wie es geht. Gemeinsam mit Assistenztrainer Hartmut Nickel, der hinter ihm saß, erhob er sich und stimmte die Welle an. Für einen kurzen Moment war wieder alles wie früher.

Dem aktuellen Personal gegenüber zeigte sich das Publikum zuletzt nicht immer so gewogen. Wie hätte es das auch sein sollen angesichts des Anti-Verwöhn-Programms, das der Titelverteidiger oft anbot? Gegen die Hannover Scorpions war es diesmal aber gar nicht so übel. Die Berliner behaupteten sich gut und gewannen vor 14.200 Zuschauern in der O2 World mit 4:2 (3:1, 1:1, 0:0). Ihren dritten Platz in der Tabelle sicherten die Eisbären damit vier Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde vorerst ab.

Nickel am Herz operiert

In den vergangenen Wochen war Nickel wegen einer Herz-Operation nicht in der Halle gewesen. Aber hatte sich im Fernsehen die Spiele der Mannschaft angeschaut und dabei festgestellt: „Uns fällt zurzeit wenig ein, ein Spiel zu entscheiden.“ Gerade in engen Partien fiel ihm das auf, die alten Tugenden, die Spieler wie Ustorf verkörperten – Kampfgeist, Wille, Nervenstärke, Spielintelligenz –, die blitzten bei den Eisbären dieser Saison nur ab und zu auf. Durchhalten konnten die Profis sie kaum mal ein ganzes Spiel lang. „Das liegt nur am Kopf“, resümierte Nickel.

Trainer Don Jackson versuchte in den zurückliegenden Tagen, dem mit positiver Energie zu begegnen: „Wir müssen uns an den guten Dingen orientieren – wie unseren vielen Chancen.“ Wären die nicht da, gebe es ein ernsthaftes Problem. Aber über Chancen verfügen die Eisbären meist reichlich. Gegen Hannover ging der Puck dabei auch genau dorthin, wo ihn die Eisbären haben wollten.

Erst traf Florian Busch (3.), dann in Überzahl Constantin Braun (6.) und André Rankel (10.). Der Kopf der Berliner funktionierte offenbar. Mit schnellen Pässen und konsequenten Abschlüssen überfuhren sie die Scorpions. Die erste Werbeunterbrechung nutzte deren Trainer Igor Pawlow zu hektischen Regieanweisungen, während Jackson gar nichts tat.

Jackson bleibt gelassen

Er war sich wohl selbst dann noch sicher, dass die Maßnahmen der Vortage in ihrer Wirkung andauern würden, als sich manche Spieler kurze Auszeiten genommen hatten und Hannover durch Sascha Goc (13.) und Alexander Janzen (33.) auf 3:2 verkürzen konnte. Auch in der zweiten Werbeunterbrechung blieb Jackson völlig gelassen und tat gar nichts.

Als Braun, diesmal in Unterzahl, das 4:2 für die Berliner erzielte (36.), waren auch die Fans wieder entspannter. Ihre vorherige Unruhe hatte Gründe, am vergangenen Sonntag verloren die Eisbären nach einer 2:0-Führung gegen Krefeld noch 3:4 (n.V).

Diesmal hielt die Konzentration, so dass Jackson auch bei der letzten Werbeunterbrechung, dem so genannten Power Break, im dritten Drittel nicht mehr korrigierend eingreifen musste. Seine Mannschaft ließ kaum mehr brenzlige Situationen zu gegen die Scorpions, denen nicht viel gelingen wollte.

Teil eins des Niedersachsen-Wochenendes war damit erfolgreich abgehakt. Teil zwei folgt am Sonntag, wenn nach Hannover die Grizzly Adams aus Wolfsburg bei den Eisbären, die am Ende wie früher die alten Helden von den Fans gefeiert wurden, gastieren (14.30 Uhr, O2 World).