Es war an der Zeit, ein paar grundsätzliche Worte an die Fans der Berliner zu richten. Die müssen beim EHC Eisbären in den vergangenen Wochen viel Ungewohntes ertragen: mehr Niederlagen als Siege.
Also hob Trainer Don Jackson an zu einer kleinen Rede, die erklären sollte, wie es um den Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gerade bestellt ist. Er blieb dabei mal wieder beim Englischen, um sich korrekt ausdrücken zu können. Das tut er immer, wenn es ernst wird. „Alle haben stets große Erwartungen an uns, aber die Liga ist sehr eng geworden“, sagte Jackson zum Beispiel.
Anlass für seine Ausführungen war, natürlich, eine Niederlage seiner Mannschaft. Gegen den Drittletzten aus Iserlohn hatte der Meister am Sonntag als Tabellenfünfter verloren, 2:3 (0:1, 2:1, 0:0) stand es am Ende. Zwar erst nach Penaltyschießen, weshalb auch der EHC einen Punkt mitnahm. Aber mit solchen Kleinigkeiten wollte Jackson nichts entschuldigen. Es war die fünfte Niederlage in den vergangenen sechs Partien. Dies sorgt für Unbehagen.
Stärkung des Selbstbewusstseins war nicht zu erkennen
„Das Schwerste ist für die Spieler, mit dem Frust umzugehen, und der ist sehr groß“, erzählte der US-Amerikaner. Trotz des Sieges am Freitag gegen die Augsburger Panther (3:2) zitterten dem Meister auch diesmal etwas die Hände. Von einer Stärkung des Selbstbewusstseins, das nach dem Ende einer Niederlagenserie erwartet worden war, konnte niemand etwas erkennen.
Die Mannschaft war nicht in der Lage, sich im Angriffsspiel durchzusetzen. Dafür störte Iserlohn früh und zwang die Berliner, sich vor dem eigenen Tor zu profilieren. Doch unter Druck neigen die Eisbären zu Patzern, nach einer Reihe davon lag der Puck dann im Netz. Michael Wolf nutzte ein Missverständnis zur Iserlohner Führung (12.).
Genau wie am Freitag war es an Verteidiger Frank Hördler, die Partie auszugleichen – erneut staubte er in Stürmermanier ab (21.).
Erleichterung verschaffte der Treffer den Eisbären, bei denen Matt Foy nach mehrwöchiger Pause wieder dabei war und Travis Mulock wegen einer Innenbanddehnung im Knie fehlte, allerdings nicht. Was auch durch viele Strafzeiten bedingt war, die Partie wurde zu einem Hin und Her von Unter- und Überzahl, einmal traf Iserlohn durch Jeff Giuliano (25.), einmal André Rankel für die Eisbären (31.).
Waren beide Mannschaften mit gleicher Spieleranzahl auf dem Eis, lief bei den Berlinern nur wenig. „Wir müssen bei Fünf gegen Fünf kontrollierter spielen“, sagte Hördler.
Immerhin mit der oft gescholtenen Defensive zeigte sich Jackson gegen Iserlohn zufrieden. Ansonsten sah er ziemlich zerknirscht aus. „Wir wissen, dass wir unterhaltsam spielen können, aber die Ergebnisse stimmen gerade nicht“, so der Trainer.
Obwohl die Unterhaltsamkeit der Berliner Auftritte sowohl gegen Augsburg als auch gegen Iserlohn, für das Mark Bell den entscheidenden Penalty verwandelte, eher gering war und dafür die vielen Fehler im Gedächtnis hängen bleiben. „Ich schaue immer auf den Einsatz bei meiner Mannschaft, und der war abgesehen von ein paar Auswärtsspielen in Ordnung“, sagte Jackson.
Die Sorgen beim Titelverteidiger werden vorerst also nicht weniger. Nach reichlich Spielstress zuletzt stehen nun ein paar Tage mit Training an. „Das wird eine wichtige Woche, wir müssen einige Sachen ansprechen“, sagte Hördler. Dazu muss der neue Stürmer Corey Locke, der heute erstmals mit dem Team trainiert, eingebunden werden. Immerhin scheint Jackson seinen Optimismus nicht verloren zu haben: „Wir arbeiten daran, wieder das beste Team der Liga zu werden.“





