Eishockey

Berliner Eisbären verpflichten den Kanadier Locke

Nach dem Abschied der NHL-Stars Briere und Giroux ist der deutsche Eishockey-Meister noch einmal auf dem Transfermarkt tätig geworden.

Foto: pa/landov

Don Jackson wollte sich nicht äußern, jedenfalls nicht zu potenziellen neuen Spielern, die gerade bei den Berliner Eisbären im Gespräch sind. „Das ist nicht mein Gebiet“, blockte der Trainer des EHC ab.

Also ging die Frage an den Trainer der Augsburger Panther, die der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gerade mühevoll mit 3:2 geschlagen hatte. „Ich kenne Corey Locke, eine guter Mann“, erwiderte Larry Mitchell.

Eine Nacht später konnte sich Jackson dann darüber freuen, einen offenbar ganz ordentlichen Spieler zu bekommen, denn Manager Peter John Lee ist auf seinem Gebiet tätig geworden und hat den Kanadier am Sonnabend verpflichtet.

Ein bisschen hatten die beiden diesen Transfer schon am Donnerstag anmoderiert. Lee sprach davon, dass eigentlich ein Verteidiger gebraucht würde. „Aber ich will keine Fünf-Zimmer-Wohnung bezahlen und nur zwei Zimmer bekommen“, sagte er.

Abwehrspieler seien gerade sehr gefragt, da würden Summen aufgerufen, die den tatsächlichen Wert deutlich übersteigen. Deshalb sei ihnen auch ein Stürmer willkommen. Der ist nun da, bis zum Saisonende hat Locke unterschrieben.

Vertrag bis Saisonende

Lee spricht nun von einer „guten, bezahlbaren Wohnung, so ein Talent zu dieser Zeit zu bekommen, ist schon glücklich“. Schon länger hatte er den 28-Jährigen auf dem Radar, bislang aber war er ziemlich teuer.

Nun führten ihn die Umstände nach Berlin, und zwar die in Turku. Dort spielte der Mittelstürmer seit dem Sommer, doch TPS plagen noch viel größere Abwehrprobleme als die Eisbären. „Die haben vier verletzte Verteidiger und müssen unbedingt etwas machen.

Eigentlich wollten sie Corey nicht gehen lassen, aber sie brauchten Spielraum“, erzählt Lee. Turku brauchte vor allem eine schnelle Entscheidung, um kurzfristig in der Defensive nachlegen zu können. Das war Lees Vorteil, auch Schweizer Klubs interessierten sich bereits für Locke, doch während die noch überlegten, hatte Lee schon einen Vertrag aufgesetzt.

In Absprache mit Jackson natürlich. Der Trainer verfügt nur über vier gestandene Verteidiger und hätte sich über defensive Verstärkung gefreut. In Stürmer Julian Talbot fand er über die Saison jedoch eine Aushilfe, die sich bewährt hat. „Wir haben mit Julian gesprochen, er ist ein Teamspieler und übernimmt diese Aufgabe gern“, erzählt Jackson. Dass Talbot sich so wacker schlägt in der ungewohnten Rolle, war mit ein Grund, warum die Eisbären sich nun für einen weiteren Stürmer als Zugang entschieden haben.

Vielleicht schafft der es schon am Sonntag gegen die Iserlohn Roosters in die O2 World (14.30 Uhr), gegen die Travis James Mulock wegen einer Innenbanddehnung im Knie fehlen wird. Wie lange der Angreifer ausfällt, soll eine Untersuchung am Montag zeigen. Womöglich kann dafür Matt Foy nach überstandenem Rippenbruch wieder mitwirken.

Corey Locke jedenfalls wird höchstens als Zuschauer erwartet, für die Lizenzierung reicht die Zeit nicht. Lee klingt begeistert über die Verpflichtung. „Wir wissen, was wir bekommen“, sagt er. Zwar stehen in Lockes Vita nur neun NHL-Spiele, in der Farmliga AHL aber zählte er zu den Besten, schoss viele Tore und gab noch mehr Vorlagen. Sein Bestwert liegt bei 101 Punkten in 85 Spielen in der Saison 2010/11. In Turku kam er auf fünf Tore und zwölf Vorlagen in 37 Partien und wurde in der European Trophy als bester Stürmer ausgezeichnet.

Das klingt nach genügend Talent, um nach den Abgängen von Daniel Briere und Claude Giroux wegen des Endes des NHL-Lockouts nicht zu viel an Offensivkraft zu verlieren. Sie muss zumindest ausreichen, um die Defizite in der Abwehrarbeit nicht zu sehr ins Gewicht fallen zu lassen. Denn trotz einer noch freien Lizenz werden die Berliner wohl keinen Verteidiger mehr verpflichten.