Die Eismaschine kümmerte sich schon um die ramponierte Spielfläche, als Claude Giroux und Daniel Brière noch immer Sprints anzogen und sich die Pucks zuspielten. Bei ihrem ersten Training machten die beiden Weltklassestürmer sofort deutlich, dass sie bei den Eisbären Berlin nicht nur die Zeit bis zum Ende des NHL-Lockouts abwarten wollen. Die rund 250 Fans im Wellblechpalast staunten über den Ehrgeiz und die zahlreichen Kabinettstückchen der Superstars, und auch die Mitspieler waren hellauf begeistert.

Die nordamerikanische Eishockey-Profiliga NHL und die Spielergewerkschaft NHLPA stecken derzeit tief in einem Tarifstreit. Die Spieler wurden nun vorübergehend „ausgesperrt“, die ersten beiden Wochen der Saison 2012/2013 gestrichen (“Lockout“).

„Die sind in echt noch besser als auf der Playstation“, sagte Daniel Weiß in Anspielung auf das neue Cover eines beliebten Eishockey-Videospiels mit Giroux als „Coverman“. „Sie sind auf dem Eis herausragende Spieler, aber in der Kabine völlig normal“, verriet Weiß.

Tom Tykwer in den Schatten gestellt

Bereits am Flughafen Tegel hatten viele Journalisten und mehrere TV-Teams auf Giroux und Brière gewartet. Die beiden Profis der Philadelphia Flyers waren am Morgen überpünktlich um 7.26 Uhr auf dem Flughafen Berlin-Tegel gelandet. Angekündigt war der Flug 096 der United Airlines aus New York erst um 7.40 Uhr.

Der deutsche Regisseur Tom Tykwer, der sich im selben Flieger befand, stand deutlich im Schatten der beiden Eishockey-Cracks. Nach der Ankunft in der deutschen Hauptstadt ging es für die beiden Kanadier direkt weiter zum Training.

Umstellungen im Team sind nötig

Beide werden erstmals am Freitag gegen den Tabellenzweiten Kölner Haie für Berlin auflaufen. Vor allem an Giroux sind hohe Erwartungen geknüpft. Der 24-Jährige war in der vergangenen NHL-Hauptrunde drittbester Scorer (28 Toren und 65 Assists) und hat in Mitspieler Jaromir Jagr einen prominenten Fan. „Er ist besser aus ich in diesem Alter“, sagte das tschechische Eishockey-Idol.

Nationalspieler André Rankel ist von beiden Stürmern begeistert: „Die beiden sind absolute Spitzenklasse. Die Transfers toppen sogar die Verstärkungen aus dem letzten Lockout.“ Damals hatten die NHL-Spieler Olaf Kölzig, Erik Cole und Nathan Dempsey in der Saison 2004/05 großen Anteil am ersten DEL-Meistertitel der Berliner gehabt.

Allerdings sind die Verpflichtungen nicht ganz risikofrei, weil keiner weiß, wie lange das Gastspiel dauert. Kurzfristig muss die Mannschaft für die zwei Stars umgestellt werden. Dabei hatten die Eisbären mit acht Punkten in drei Spielen zuletzt stark aufgespielt. Verteidiger Frank Hördler sieht den Konkurrenzkampf aber positiv: „So etwas belebt die Mannschaft, davon können wir alle profitieren.“