Eishockey

NHL-Stars Giroux und Briere stürmen nun für die Eisbären

Die Berliner bekommen Top-Verstärkung: Am Dienstag werden die kanadischen Eishockey-Stars bei ihrem neuen Verein erwartet.

Foto: Bill Kostroun / dapd

Junge Spieler gibt es viele, jedes Jahr werden sie Nordamerika in allen großen Sportarten wie auf einer Art Basar an die Mannschaften vergeben, auch in der Eishockeyliga NHL. Was aus diesen Jungs wird, das weiß da noch niemand so genau, da kann einem auch mal ein Name durchrutschen. Bobby Clarke, dem damaligen Manager der Philadelphia Flyers, passierte das 2006, er vergaß den Namen des Jungen, als er am Rednerpult stand und verkünden wollte, wen er ausgewählt hatte. An der Reihe war da Claude Giroux gewesen, er nahm es mit einem Lachen.

Inzwischen hat sein Name einen Klang, der jedem Experten ein seliges Lächeln ins Gesicht zaubert. Drittbester Punktesammler war er vergangene Saison in der NHL mit 93 Zählern. Das neue Videospiel NHL 2013 zeigt ihn auf dem Cover, was in Nordamerika viel bedeutet. Giroux, 24 Jahre alt, ist einer der ganz Großen dieses Sports – und der spielt nun für den EHC Eisbären aus Berlin.

Ankunft der Stars am Dienstag

Allein das ist schon sensationell, doch der Mittelstürmer reist noch mit einem Teamkollegen aus Philadelphia an, einem Mann, der kaum weniger Meriten zu bieten hat: Zweifacher Weltmeister, NHL-All-Star, Play-off-Top-Scorer 2010. Daniel Briere heißt er, ist ebenfalls Center und seit Sonnabend 35 Jahre alt. Beide zusammen bilden die spektakulärste Verpflichtung, die die Geschichte des deutschen Eishockeys zu bieten hat. „Die beiden sind absolute Top-Stars, und sie werden das deutsche Eishockey, unsere Liga und unsere Mannschaft auf eine neue Stufe heben“, sagt Manager Peter John Lee.

Am Dienstag werden sie in Berlin erwartet, die beiden Offensivkünstler. Briere hat in seiner Karriere 921 NHL-Spiele für Phoenix, Buffalo und Philadelphia absolviert und dabei 752 Punkte (330 Tore, 422 Vorlagen) verbucht, Giroux kam in bisher 335 Partien auf 298 Zähler (99 Tore, 199 Vorlagen). Und was wollen die nun in Deutschland? Einfach nur spielen. Für ihren Klub, die Flyers, dürfen sie das derzeit nicht, die NHL-Oberen haben ihre Spieler ausgesperrt, weil die ihrer Ansicht nach zu viel Geld verdienen und nicht weniger akzeptieren wollen. Briere etwa erhält sieben Millionen Dollar pro Saison, Giroux 3,5. Wie lange der Arbeitskampf geht, steht nicht fest. Aber so lange er läuft, spielen die beiden Stars nun in Berlin.

Sie hätten sich etwas anderes aussuchen können, Russland oder die Schweiz bieten auch viel Geld. „Ich glaube, dass der Stil in Deutschland von der Robustheit her dem in der NHL ähnelt“, begründet Giroux seine Wahl. Er betrachtet es als gute Vorbereitung auf die Rückkehr in die NHL: „Ich denke, dass es wichtig ist, im gleichen Spielsystem zu bleiben.“ Dass Briere ihm folgt, liegt an der guten Verbindung der beiden, Giroux wohnte sogar mal ein Jahr bei Brieres Familie.

Erster Einsatz gegen Köln

Am Freitag gegen Köln, so der Plan, könnten beide zum ersten Mal für die Eisbären auflaufen. Gehalt kostet es die Berliner kaum. „Sie haben sich wegen des Umfelds entschieden, Berlin ist attraktiv für sie“, sagt Lee. Arena, Fans, der amerikanische Besitzer Anschutz, dem auch die Los Angeles Kings, der aktuelle NHL-Meister gehören: Das Paket passt. Kosten verursachen die Stars dennoch, ihre Versicherung ist teuer. „Eine Budgeterhöhung brauchte ich aber nicht. Wir haben zwei junge Spieler im Sommer geholt, dazu ist Nick Angell kurzfristig ausgeschieden. Wir hatten Reserven im Budget“, sagt der Manager. Genaue Summen nennt er nicht. Sie dürften sich aber auf etwa 30.000 Euro monatlich und pro Spieler belaufen.

Eine Investition, die sich lohnt. Dafür vernachlässigten die Berliner sogar das Problem, dass in der Abwehr viel eher Verstärkung benötigt wird nach dem überraschenden Rückzug von Angell. „Wir haben viel geredet, aber bei soviel Talent musst du zugreifen“, sagt Lee. Trainer Don Jackson war gleicher Meinung. „Er hat sofort gesagt, ich soll das machen. Das mit der Abwehr würden wir schon irgendwie hinkriegen“, erzählt der Manager. Auch für Jackson ist es eine Ehre, mit solchen Leuten arbeiten zu dürfen. „Sie werden neues Leben in die Mannschaft bringen“, sagt er.

Ihm und Lee geht es nicht nur um die Spiele. „Wir haben sie auch jeden Tag im Training. Man darf nicht vergessen, was das bringt“, erzählt Lee. Die vielen jungen Spieler im Team können von absoluten Top-Leuten lernen. „Zu sehen, wie sie sich vorbereiten, was sie so machen, das wird interessant“, sagt Nationalspieler Frank Hördler. Er hatte schon einmal das Vergnügen, während eines Lockouts NHL-Profis an seiner Seite zu haben. In der Saison 2004/05 waren Torhüter Olaf Kölzig, Stürmer Erik Cole (Stanley-Cup-Sieger 2006) und Verteidiger Nathan Dempsey bei den Eisbären, aber keiner von ihnen hatte die Qualität von Giroux und Briere.

Der Konkurrenz die Show gestohlen

Der damalige Lockout dauerte die ganze Saison, die NHL-Spieler hatten so ihren Anteil daran, dass die Eisbären 2005 die erste Meisterschaft gewannen. Wahrscheinlich endet der Lockout diesmal früher und die beiden Stars werden dann wieder weg sein. Attraktiver machen sie die Liga dennoch. „Ich denke, wir werden auch auswärts für hohe Ticketverkäufe sorgen“, sagt Lee. Die DEL wird davon profitieren, solche Spieler präsentieren zu können. Mit Krefeld (Christian Ehrhoff), Hamburg (Jamie Benn) und Mannheim (Dennis Seidenberg, Marcel Goc) haben vier Klubs Lockout-Spieler verpflichtet. Mit Giroux und Briere stellen die Berliner die anderen jedoch in den Schatten.