Die eine oder andere Frage zum kommenden Spiel wäre schon ganz nett gewesen. Immerhin muss der EHC Eisbären am Freitag nach Ingolstadt. Die Panther sind gerade Zweiter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), die Aufgabe für den Titelverteidiger und aktuellen Dritten wird daher recht schwer. Egal. Don Jackson hatte keine Lust auf solche Belanglosigkeiten. „Ich sage nur etwas zu Rankel“, fauchte er und machte dazu ein paar hektische Bewegungen. „Sonst nichts!“

Offenbar nur mit Mühe gelang es dem Trainer der Eisbären, sich davon abzuhalten, mit Gegenständen um sich zu werfen. Oder seinen Schläger zu zertrümmern. Er war stinkig, und zwar richtig. Noch bevor die Übungseinheit der Berliner begonnen hatte, war er darüber informiert worden, dass ihm André Rankel in den nächsten vier Spielen fehlen wird. Weil die DEL den Stürmer nachträglich gesperrt hat. „Das ist einfach unglaublich“, regte sich Jackson auf.

Der Spieler selbst enthielt sich einer größeren Kommentierung. „Da muss man nichts dazu sagen“, fand er und verschwand in der Kabine. Am Sonntag im Spiel gegen die Adler Mannheim (3:2 n.P.) war zunächst der Berliner Thomas Supis wegen eines Checks gegen den Kopf des Mannheimers Matthias Plachta mit einer Spieldauerstrafe in die Kabine geschickt worden. Wie aber schon bald klar war, hatte Rankel den Check gesetzt. Die Adler beantragten eine Untersuchung. Deshalb nun die drastische Strafe, zu der auch 1200 Euro Bußgeld gehören.

Immer nur gegen die Eisbären?

Das kommt nicht gut an bei den Eisbären. Was soweit natürlich wenig überraschend ist. Doch geht es hierbei nicht um eine allgemeine Verständnislosigkeit gegenüber Sperren, die eigene Spieler betreffen. „Don hat langsam das Gefühl, dass das eine Einbahnstraße ist“, sagt Peter John Lee. Verschwörungstheorien in Hohenschönhausen? Es klingt etwas abenteuerlich, aber Jacksons Ton zufolge will er das nicht ausschließen. „Das war alles nur gespielt von Plachta“, echauffierte er sich. Und: „Ich entschuldige mich erst, wenn ich den Bericht des Arztes gesehen habe.“ Der Mannheimer Plachta war nach dem Spiel in ein Berliner Krankenhaus gebracht worden.

Ganz glücklich war weder Jacksons Auftreten noch seine Wortwahl. Doch es haben sich einige Dinge angehäuft, die die Berliner als ungerecht empfinden. Fünf ihrer Spieler – unter anderem Rankel – fielen vergangene Saison wegen einer Gehirnerschütterung aus, nur einmal gab es dafür eine Sperre für den Gegenspieler. Nach einem Check ging das Knie von Denis Pederson im Februar komplett kaputt, er fehlt noch immer. Es gab nicht einmal zwei Minuten für den Verursacher. Stefan Ustorf musste am Sonntag gegen Mannheim nach einem Check am Auge genäht werden. Der Schiedsrichter entschied sich, Markus Kink zwei plus zehn Strafminuten zu geben für den Check gegen den Kopf anstatt eine Spieldauer- oder eine Matchstrafe, die nach der Verletzungsfolge angebracht gewesen wäre.

Das Thema der Checks gegen den Kopf besitzt eine große Aktualität. In der NHL wird gerade so konsequent wie noch nie dagegen vorgegangen. „Sie haben erkannt, dass es so nicht weitergehen kann“, sagt DEL-Spielbetriebsleiter Jörg von Ameln. Reihenweise fielen dort zuletzt Topspieler mit Gehirnerschütterungen aus. Nun werden Profis, die klar den Kopf des Gegners attackieren, fast wöchentlich mit langen Sperren belegt. Der frühere Starspieler Brendan Shanahan erklärt dann auf der Internetseite der Liga die Gründe.

Die DEL hechelt da nun nicht hinterher. Die Regelauslegung des Weltverbandes IIHF, die auch hier gilt, ist schon länger konsequenter als in Nordamerika. „Die Schiedsrichter sind seit einigen Jahren angewiesen, solche Checks härter zu ahnden“, sagt von Ameln.

Diskussion statt Einzelmeinung

Doch es gibt Unterschiede in der Nachbehandlung. Die hohe Geschwindigkeit des Spiels erlaubt nicht in jeder Situation eine korrekte Bewertung. In der NHL werden deshalb viele heikle Spielsituationen nachträglich auf Initiative der Liga angeschaut und von einem Komitee begutachtet. „Das wäre auch bei uns wünschenswert“, sagt Lee. Doch hier befasst sich ein Einzelrichter mit jedem Fall. „Das ist zu subjektiv“, so Lee. Bei Rankel, der schon in der Vorsaison wegen eines Checks für sechs Spiele gesperrt war, kam Einzelrichter Jörg Mayr zu der Entscheidung, dass es „eine zwingende Matchstrafe war“, wie von Ameln mitteilt. Jackson sagt, es sei kein Check zum Kopf gewesen. Lee meint, es sei schwierig zu beurteilen.

Er würde es begrüßen, wenn solchen Sperren Diskussionen vorausgehen würden. Und wenn die Liga von selbst mehr Checks nachträglich untersuchen würde. „In schweren Fällen haben wir die Möglichkeit dazu“, so von Ameln. Um noch aktiver zu werden, fehle es aber an Personal. Die Klubs hätten jedoch die Möglichkeit, sich mit Verfahrensanträgen an die Liga zu wenden. Lee winkt da aber bloß ab. „Dann wird uns immer gesagt, dass es eine Tatsachenentscheidung war – und nichts passiert“, erzählt der Manager. Obwohl Ustorf etwa genäht werden musste, verzichteten die Berliner auf eine Eingabe an die Liga. Was man dort nicht ganz verstehen kann.

Das spiegelt das Gefühl der Ohnmacht bei den Eisbären gut wieder. Sie sehen sich einerseits verfolgt und andererseits von der Liga im Stich gelassen. „Wer verteidigt unsere Spieler?“, fragt Lee. Er will es tun und geht dabei jetzt mal einen ganz anderen Weg. Die Eisbären haben die Erläuterungen des Richterspruchs an ihren Anwalt weitergeleitet.