Nach Rekordmeister-Zweikampf

Eisbären und Adler können DEL-Saison dominieren

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Marcel Stein

Foto: picture alliance / dpa

Die Berliner Eisbären waren am Sonntag im Duell der DEL-Favoriten einen Tick besser als die Mannheimer. Der Sieg gegen den Tabellenführer half den Eisbären. Es ging darum zu zeigen, was in der Mannschaft steckt.

Am Tag danach wurde mehr über die Spielfläche geredet als über das Spiel selbst. Kleiner war sie gewesen, als sich der EHC Eisbären und die Adler Mannheim in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegenüberstanden, hatte die Abmaße der nordamerikanischen NHL. Und irgendwie fanden es eine ganze Menge Leute besser so. Weil sich das Geschehen mehr in der Offensive abspielt. Hans Zach, ehemaliger Bundestrainer, Meistercoach der Hannover Scorpions 2010, Defensivkünstler und aktueller Ruheständler, hielt das alles sogar für so aufregend, dass er der DEL empfahl, generell die Eisfläche dem NHL-Standard anzupassen.

Ganz ohne ist die Idee zugegebenermaßen nicht. Nur geht die Diskussion etwas daran vorbei, was am Sonntag bei dem Spiel noch zu beobachten war. Nämlich dass sich dort die beiden Mannschaften duellierten, die diese Saison mutmaßlich prägen werden. „Beide haben ihre Stärke gezeigt“, sagte Adler-Trainer Harold Kreis. Die Berliner waren einen Tick stärker, siegten 3:2 nach Penaltyschießen.

Den Eisbären half dieses Spiel. Es ging darum zu zeigen, was in der Mannschaft steckt. Als Titelverteidiger sehen sie sich hohen Erwartungen gegenüber, als fünffacher Meister der vergangenen sieben Jahre noch viel mehr. Doch es wurden ein paar Veränderungen vorgenommen im Team. Die Partie gegen die Adler offenbarte nun, dass die Integration der vier neuen Spieler erfolgreich verlaufen ist. Denn in den Mannheimern schlugen die Eisbären, die auf Platz drei rangieren, den souveränen Tabellenführer.

Bei dem wurde im Sommer noch viel mehr verändert, fast ein Dutzend neue Spieler kamen. Doch wesentlicher als dieser Umstand war, dass die Adler ganz neue Prämissen gesetzt haben. Die vielen Jahre der verfehlten Ziele schmerzten. Weshalb die üblichen Reaktionen des finanziell am besten ausgestatteten Teams der Liga ausblieben. Teures Personal wurde nicht mehr durch noch teureres ersetzt. „Es war wichtig, zu einer vernünftigen Gehaltsstruktur zurückzufinden“, sagt Manager Teal Fowler. Zu viele Spieler nahmen in den vergangenen Jahren das viele Geld mit, ohne annähernd die entsprechende Leistung zu erbringen.

Der sportlichen Führung wurde das langsam peinlich. Allerdings hatten die Adler schon zur Vorsaison die Weichen in die richtige Richtung gestellt, als Kreis verpflichtet wurde. In seinem zweiten Jahr steht dem Trainer nun die Mannschaft zur Verfügung, die er wollte. Seine Auswahlkriterien überraschen zunächst. „Das Wichtigste war der Charakter, erst an zweiter Stelle haben wir auf die Fertigkeiten geschaut“, so Kreis. Das hat 600.000 Euro an Personalkosten gespart – aber nach vielen Jahren endlich wieder eine gute Chemie in das Team gebracht.

Was das ausmacht, zeigen die Adler auf dem Eis, die Tabelle spiegelt es wider. An den Mannheimern vorbeizukommen, dürfte eine sehr schwere Aufgabe sein. „Wir müssen dieses Jahr noch härter arbeiten, wenn wir vorn sein wollen“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. Tyson Mulock, der Schütze des Siegtreffers, bezeichnete die Partie gegen die Adler als „großen Test“. Sie haben ihn bestanden. Und obwohl es erst neun Spieltage in der DEL gab, könnte dieser Test schon gezeigt haben, dass die Berliner am Ende die einzigen sind, die die Kurpfälzer stoppen können auf dem Weg zum Titel. Dazu müssen sie jedoch ihre noch gelegentlichen Aussetzer wie in Hamburg (5:4) überwinden. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge erscheint es aber realistisch davon auszugehen, dass sich einer der beiden fünfmaligen DEL-Meister aus Berlin und Mannheim nach dem Ende der Saison ganz allein als Rekordmeister der Liga bezeichnen darf. Wie groß die Spielfläche nun ist, spielt dabei keine Rolle.