Eishockey

Eisbären siegen im Topspiel gegen Mannheim

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Marcel Stein

Die Eisbären Berlin haben im Topspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ihre Ambitionen unterstrichen: Der amtierende Meister schlug Titelaspirant Adler Mannheim am Sonntagabend 3:2 n.P.

Es sah ungewohnt aus, zumindest für die, die am Tag zuvor nicht in der Halle gewesen waren. Das Logo der NHL prangte in der Mitte der Eisfläche, an den Bullypunkten fehlte die Werbung. Ebenso wie die Meisterbanner des EHC Eisbären aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), die normalerweise unter dem Dach hängen. Nur das Trikot von Mark Beaufait war wieder hochgezogen worden, nachdem sich die NHL ein paar Stunden zuvor die Ehre zum ersten Punktspiel in Deutschland gegeben hatte. Wahrscheinlich hatte man das nur getan, damit Beaufait sich nicht wundert, schließlich spielte er höchstselbst mit den Altstars der Eisbären im Vorprogramm des Titelverteidigers.

Für den hielt dieser Tag etwas Besonderes parat, nichts Überraschendes freilich, die Berliner wussten ja, dass sie auf der für NHL präparierten Eisfläche spielen würden. Die ist kleiner als normal, was der Partie gegen die Adler Mannheim einen zusätzlichen Reiz gab. Bedurft hätte es dessen nicht zwangsläufig, Spiele gegen die Kurpfälzer besitzen ja ohnehin immer genug Brisanz. Sie werden nicht gemocht von den Fans, die Rivalität ist groß. Deshalb schmeckte der Sieg etwas süßer als sonst, auch wenn das 3:2 (1:1, 1:1, 0:0, 0:0, 1:0) erst im Penaltyschießen gesichert werden konnte.

Für diejenigen, die sich das NHL-Spiel zwischen den Los Angeles Kings und den Buffalo Sabres (2:4) angeschaut hatten, für die gab es am Sonntag interessante Kontraste. Vor allem zu hören. Zwar war die NHL-Partie ebenso mit 14.300 Zuschauern ausverkauft gewesen. Manchmal aber hätte man mit geschlossenen Augen auch annehmen können, die Partie würde unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Weil die Mannheimer eben leidenschaftlich gehasst werden, wurde am Sonntag hingegen gegrölt bis zur Heiserkeit.

An diesem Tag aber auch, weil die Partie mehr war als nur ein übliches Punktspiel zwischen den Eisbären und den Adlern – unabhängig von der ungewöhnlichen NHL-Eisfläche. „Zu einem frühen Zeitpunkt in der Saison ist es ein entscheidender Moment“, hatte Trainer Don Jackson gesagt. Die Adler haben nach Jahren des Misserfolgs offenbar wieder eine Mannschaft zusammen, die um den Titel mitspielen kann. Mit sieben Siegen aus acht Spielen waren sie angereist, hatten als Tabellenfrüher sieben Punkte Vorsprung vor den Berlinern. Die Eisbären drohten also, den Anschluss komplett zu verlieren. Da ihnen der erste Platz nach der Hauptrunde durchaus wichtig ist, musste dies also verhindert werden.

Ungelegen kam daher der Ausfall von Verteidiger Frank Hördler (Schulterprobleme). Einspringen durfte dafür Thomas Supis in seinem ersten DEL-Spiel. Auf dem NHL-Eis war dies schon eine Herausforderung für den 19-Jährigen. Das Ende der Partie erlebte er nicht, Supis musste im letzten Drittel mit einer Spieldauerstrafe wegen eines Checks gegen den Kopf vom Eis. Doch es war ein Irrtum, Supis hatte nicht gecheckt, sondern wohl André Rankel.

Mit den geringen Maßen des Ovals hatte das freilich nichts zu tun. Aber auch sie besaßen einen, wenn auch kleinen Einfluss auf das Spiel. Weil die Linien in der Mitte enger zusammen sind, werden die Offensivzonen größer. Dadurch sind die Akteure schneller im Angriffsdrittel, das Geschehen spielt sich mehr dort ab als sonst. Gerade in Überzahl kann sich das Platzangebot lohnen. Die Eisbären, die bislang ein eher schwaches Powerplay zeigten, erzielten jedenfalls gleich zwei Treffer auf diese Weise. Barry Tallackson (7.) brachte den EHC in Führung, nachdem Markus Kink per Konter ausgeglichen hatte (14.), traf Nick Angell zum 2:1 (25.).

Doch auch dies egalisierten die Adler durch Adam Mitchell (28.) wieder. Recht verbissen ging es zu, gerade bei den Eisbären. Was dem Spiel mehr Spannung verlieh als dem der NHL am Abend vorher. Die Berliner wollten den Sieg unbedingt, arbeiteten viel, versuchten, den Raum zu nutzen. Die Leichtigkeit, die sie sonst auszeichnet, blieb dabei ein bisschen auf der Strecke. Was sich vor allem vor dem Tor der tief stehenden Mannheimer zeigte. Aus den vielen Chancen machten sie nur wenig. Die Adler hingegen agierten ruhig und sehr clever, sie machten aus wenig recht viel, nutzten die Momente der Unaufmerksamkeit der Eisbären kalt aus.

Doch der Fleiß der Berliner wurde letztlich belohnt, sie erarbeiteten sich das Glück am Ende. Eigentlich ist Tyson Mulock selten beim Penaltyschießen vorgesehen. Diesmal durfte er ran, verlor beim Anlauf fast den Puck. „Vielleicht hat das den Torwart ja verwirrt“, sagte Mulock. Der Puck ging jedenfalls rein, es war der entscheidende Penalty und damit der Sieg.