In den vergangenen Spielen ging alles sehr leicht bei ihm, fast schon zu leicht. Hier ein Tor, da eine Vorlage, manchmal auch beides oder eines doppelt und dreifach. André Rankel punktete unaufhörlich, wenn der EHC Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) antrat. Genau das wird von dem 25-Jährigen erwartet. Rankel ist Nationalspieler, eines der Aushängeschilder des Vereins und bester Torschütze der Vorsaison. Insofern überraschen die 13 Punkte aus den zurückliegenden zehn Partien niemanden.
Überraschend war eher, wie schwer sich der Stürmer lange Zeit tat. Monatelang wollte ihm nur wenig gelingen. „So richtig erklären kann ich mir das nicht“, sagt er. Gefühlt hat er eigentlich nichts anders gemacht als sonst auch. Nur führte es eben nicht zum gewohnten Resultat.
Anhaltspunkte, an denen er sein Dilemma fest machen könnte, findet Rankel kaum. Einen gibt es vielleicht. Wegen eines harten Checks wurde er zu Saisonbeginn für sechs Spiele gesperrt. Das könnte sich im Kopf festgesetzt haben. „Ich bin nun mal jemand, der über den Körper ins Spiel kommt“, sagt Rankel, „womöglich war ich danach eine Weile etwas ängstlich, weil ich dachte, es könnte wieder passieren.“ Mit Zurückhaltung allerdings kann man sich im Eishockey nur schlecht durchsetzen.
Einen guten Zeitpunkt erwischte er mit seiner Flaute freilich nicht. Rankel war auserkoren, in der Teamhierarchie aufzusteigen, wurde zum Assistenzkapitän ernannt. Die Verantwortung innerhalb der Mannschaft sollte noch mehr von jüngeren Spielern wie ihm übernommen werden. Da passt es schlecht, wenn einem das Glück nicht mehr zur Seite steht. Dass es vielleicht einen Zusammenhang gegeben haben könnte zwischen dem neuen Amt und der Ausbeute, verneint Rankel. „Für mich ist das keine Last, sondern eine Belohnung. Ich habe mir deshalb nicht mehr Druck auferlegt“, sagt der Angreifer.
Mit der Ursachenforschung verschwendete Rankel nicht besonders viel Zeit. Er wollte keine langen Einzelgespräche über Selbstvertrauen und so weiter. Zu viel reden kann ja auch einen gegenteiligen Effekt haben, genau wie zu viel denken vor dem Tor. Überhaupt ist Rankel ein Typ, der recht unaufgeregt daherkommt. Er wirkt meist überaus gefasst, erzählt sehr überlegt, als könne ihn nichts aus seinem inneren Gleichgewicht bringen. Irgendwie ist es wohl auch tatsächlich so, dass er sich nur von wenigen Dingen beeindrucken lässt. „Es ist natürlich nicht glücklich, wenn man zum Toreschießen da ist und nicht trifft“, sagt er, „aber ich weiß ja, dass ich es kann und dass die Tore auch wieder fallen. Deshalb habe ich nichts verändert oder anders gemacht als vorher.“ Im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten stand Rankel alles gelassen durch.
Auffällig ist, dass sein persönlicher Aufwärtstrend sehr genau mit dem der Mannschaft zusammenfällt. Hier waren es jedoch schon Gespräche, die auf den richtigen Weg führten. „Wir hatten ein paar Meetings, in denen wir über einige Sachen gesprochen haben“, sagt der Stürmer. Seither steht nicht mehr die Ästhetik einer Aktion im Vordergrund, sondern der Nutzen. Das hat die Eisbären, die am Freitag Köln empfangen ( ab 19.30 Uhr im Live-Ticker von Morgenpost Online ), wieder bis auf Platz eins geführt. Vielleicht hatten diese Meetings auf André Rankel ja mehr Wirkung als von ihm vermutet, so dass er dadurch doch etwas anders gemacht hat als vorher und zum gegenwärtig fleißigsten Punktesammler wurde.




