Keine 14 Minuten waren gespielt, als Rob Zepp zur Spielerbank beordert wurde. Ob ihn das so sehr wurmte oder die beiden Gegentreffer, die der Torhüter des EHC Eisbären zuvor kassiert hatte, war nicht ganz klar. Jedenfalls stapfte er an dem für ihn vorgesehenen Platz vorbei, schlug kräftig gegen das Plexiglas und verschwand in der Kabine, während Ersatzmann Kevin Nastiuk zum Tor lief. Hätten alle Berliner am Sonntag so viel Temperament gezeigt wie Zepp, wäre die Partie bei den Adlern in Mannheim wohl anders verlaufen. So aber musste der Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine Niederlage hinnehmen, die Berliner unterlagen 1:3 (0:2, 0:1, 1:0).
Zepp brauchte etwas Zeit, um sich zu beruhigen. Aber zum zweiten Drittel kam er wieder raus und setzte sich auf die Spielerbank. Eine Reaktion der Mannschaft sah er von dort allerdings auch nicht. Seine Kollegen spielten etwas nachlässig, so wie im ersten Abschnitt, wo die Adler Zepp durch Mike Glumac (13.) und Dennis Reul (14.) innerhalb einer Minute zweimal überwanden. Trotz des weiterhin mäßigen Auftretens der Eisbären, die sich nur wenige Chancen herausarbeiten konnten, musste Vertreter Nastiuk aber nur einen weiteren Treffer hinnehmen. In Überzahl traf Robert Dietrich zum 3:0 (32.).
Es war eine Vorentscheidung, obwohl die Eisbären im letzten Abschnitt etwas aufdrehten, aggressiver spielten und mehr Zweikämpfe gewannen. „Wir spielen ein anstrengendes System, das geht manchmal in die Beine. In den ersten beiden Dritteln waren die Beine nicht da. Das müssen wir analysieren“, sagte Florian Busch, der im Powerplay den Ehrentreffer für die Eisbären erzielte (51.).
Nach der Partie sagte Busch auch erstmals, dass er offiziell aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist. „Ich will eine Pause machen“, so der Stürmer, der mit einem verweigerten Dopingtest im März 2008 für ziemlichen Wirbel sorgte. Die Sache verfolgt ihn seit dem, obwohl es aus formalen Gründen keine Sperre gab. Denn der Verband ging bis dahin selbst sehr lax mit den Antidoping-Richtlinien um und hatte nicht die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen. Nun allerdings hat sich das Denken beim DEB verändert, die Bestimmungen der Nationalen Antidopingagentur (Nada) werden exakt umgesetzt. Busch kommt mit dem ganzen Prozedere um die permanenten Meldungen der Aufenthaltsorte jedoch nicht zurecht. Deshalb sagte er bereits die Teilnahme am Deutschland Cup im vergangenen November ab und entschied sich nun, das Thema Nationalmannschaft für eine Weile komplett auszublenden. Er wolle sich mit seiner Familie in der Angelegenheit beraten. Für immer sei der Abschied jedoch nicht, erklärte Busch.
BMO



