Eigentlich wollte Kevin Nastiuk ja nicht nur auf dem Eis stehen, sondern ein bisschen auch im Mittelpunkt. Das hat nichts mit Selbstverliebtheit zu tun, sondern ergibt sich einfach, wenn man sein Geld als Eishockey-Torhüter verdient. Insofern muss ihm der Freitagabend etwas seltsam vorgekommen sein. Eine Zeit lang etwa so wie all die Abende, an denen er wie gewohnt die Spiele von der Bank aus betrachtet. Denn es tat sich nichts für ihn. Über ein Drittel lang weigerten sich die Augsburger Panther, auf das Tor des EHC Eisbären zu schießen. Weshalb am Ende die Berliner triumphierten. Vor 13.700 Zuschauern in der O2 World siegte der Tabellendritte 7:1 (3:0, 1:0, 3:1) und feierte damit auch den höchsten Saisonsieg.

Warum sich Eisbären-Trainer Don Jackson vor der Partie für Nastiuk entschieden hat, hatte er nicht mitgeteilt. Als Glücksbringer erwies sich der Kanadier in dieser Saison jedenfalls nicht. Drei Spiele durfte der 25-Jährige zuvor absolvieren in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), alle drei gingen verloren. Einerseits enden solche Serien natürlich irgendwann. Weshalb also es nicht wieder mit Nastiuk versuchen? Und vielleicht hat Jackson die Partie gegen die Panther sogar mit Bedacht ausgewählt. Um es Nastiuk etwas leichter zu machen mit dem ersten Sieg. Weil die Eisbären in den bisherigen Duellen mit den Schwaben nämlich immer so viele Tore geschossen haben, dass sie eigentlich nicht verlieren konnten.

Es ist eine eigenartige Geschichte mit diesen beiden Klubs. Keine acht Monate ist her, da wollte den Berlinern so gut wie nichts gelingen gegen die Augsburger. Deshalb schieden sie im Viertelfinale des Play-off unverhofft aus. In dieser Saison dagegen geht den Eisbären das Toreschießen gegen kein Team so locker von der Hand wie gegen die Panther. Fünfmal erzielte der EHC sechs oder mehr Treffer, dreimal war Augsburg der Gegner.

Allerdings trafen auch die sich in den hinteren Tabellenregionen bewegenden Panther oft, 7:5 und 6:4 endeten die vorherigen Partien. Was umso verwunderlicher war, da in Rob Zepp und Dennis Endras auf beiden Seiten die WM-Nationaltorhüter ihr Werk verrichteten. Der eine, der Berliner Zepp, wurde nun aber von seinem Trainer vor vielen Gegentoren geschützt. Obwohl das nicht nötig gewesen wäre, denn die Panther hatten es diesmal ja nicht so mit dem Abschluss.

Die Eisbären hingegen zogen ihr ganz privates Augsburg-Progamm wie gewohnt durch. Spielfreudig und mit starkem Drang zum Tor bewegten sie sich flink übers Eis und schnürten die Gäste im gesamten ersten Drittel in der Defensive ein. „Wir spielen Super-Eishockey“, fasste André Rankel, der die ersten beiden Treffer von Stefan Ustorf (4.) und Mads Christensen (12.) sowie später das 5:1 von Travis Mulock (50.) vorbereitete, das kurz zusammen, nachdem Derrick Walser zuvor noch das 3:0 erzielt hatte (16.).

Etwas weniger einseitig wurde es im zweiten und dritten Abschnitt. Die Augsburger entdeckten nun, dass das Drittel der Eisbären keine verbotene Zone ist und gaben einige, wenn auch harmlose Schüsse ab. Nastiuk war trotzdem dankbar, denn er bekam endlich mehr zu tun. Dennoch kontrollierten die kombinationssicheren Berliner die Partie, kamen durch Steve Walker zum 4:0 (37.), durch Denis Pederson zum 6:1 (56.) und durch Dominik Bielke mit seinem ersten DEL-Tor zum 7:1 (60.) und zeigten sich selbst in doppelter Unterzahl sehr wehrhaft. Einzig ein Penaltyschuss von Riley Armstrong vermasselte Nastiuk die Garnitur seines ersten Sieges, den Shutout (45.). Wobei ihm das ziemlich egal gewesen sein dürfte.