Eishockey

Eisbären haben Hunger auf den Titel

Im Viertelfinale des Turniers in Salzburg treffen die Berliner auf den finnischen Meister Turku. Dabei sind die Eisbären von sich selbst begeistert.

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Eisbären starten durch

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Einen starken Partner an der Seite zu haben, der alles bezahlt, muss noch lange nicht heißen, dass das besonders bequem ist. Zumindest nicht für das Organisationspersonal des EHC Eisbären.

Das musste erstens verdammt früh aufstehen, und zweitens einen mit einer Zugreise verbundenen Umweg in Kauf nehmen, um nach Zell am See zu gelangen. Behaglich hatten es nur die Spieler, die ein paar Stunden später und deutlich ausgeruhter per Direktflug das Ziel ansteuerten.

Aber wer wird schon meckern wegen der paar Unannehmlichkeiten. Die Berliner sind stolz, dass ihre Eishockeymannschaft dabei ist in Zell am See und Salzburg, wo an diesem Wochenende das Finalturnier der European Trophy stattfindet. Das heißt ganz im Zeichen des Ausrichters Red Bull Salute. 1,5 Millionen Euro kostet das Turnier, an dem acht Mannschaften teilnehmen, insgesamt und wird komplett von dem Brausehersteller finanziert.

Die Eisbären müssen also nur anreisen und spielen. Bislang funktionierte Letzteres prächtig. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir schon so gutes Eishockey zeigen können", sagt Stürmer Florian Busch. Ihre Gruppe beendeten die Berliner als Erster. Dass sie sich noch in der Vorbereitung auf die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) befinden, deren Start sie wegen des Turniers in Salzburg verpassen, haben sie dabei fast vergessen. "Die Partien werden so zweikampfbetont geführt, dass es sich überhaupt nicht nach Vorbereitung anfühlt.", erzählt Busch.

Diesen Aspekt schätzt auch Trainer Don Jackson an dem Einladungsturnier, an dem sich 18 Mannschaften aus sieben Ländern beteiligten. "Wir haben hier gegen Mannschaften gespielt, die alle größer, schneller und talentierter sind als die Teams in der DEL. Das war toll für unsere Spieler, da kann man sich nur verbessern", sagt der US-Amerikaner. Heute treffen die Berliner im Viertelfinale auf TPS Turku, den finnischen Meister.

Gestiegenes Selbstvertrauen

Ursprünglich hieß das Ziel der Eisbären in diesem Wettbewerb einfach nur Warmspielen für die DEL. Nach den Ergebnissen der vergangenen Wochen hat man nun sogar den Turniersieg im Auge. "Die bisherigen Spiele haben unser Selbstvertrauen erhöht", sagt Jackson. Die Berliner haben viel Spaß daran, sich mit den hochkarätigen Gegnern zu messen. Busch sieht das Niveau trotz Vorbereitung fast auf einer Ebene mit der Champions League, die 2009 nach nur einer Saison aufgrund finanzieller Probleme wieder eingestellt werden musste. "Wir werden total gefordert, alles ist unglaublich intensiv", so Busch. Fast scheint es ein wenig erstaunlich, dass die Berliner sich diesem Level anpassen können. Routiniers wie Stefan Ustorf, Richie Regehr oder Denis Pederson verpassten einige Partien, so dass fast nur junge Profis auf dem Eis standen. Das sorgte auch bei manchem schwedischen und finnischen Trainer durchaus für einige Verwunderung.

Zwar ist das Finalturnier noch nicht gespielt, die European Trophy wird dennoch bereits als Erfolg gefeiert. "Das Turnier hat das Interesse an Eishockey in der Phase vor Saisonbeginn gesteigert", sagt Organisationschef Bo Lennartsson. Er denkt schon an eine Ausweitung des Turniers im nächsten Jahr, weil noch mehr Klubs ihre Bereitschaft zur Teilnahme signalisiert haben. Dem Weltverband IIHF und den nationalen Ligen wäre jedoch eine Wiederaufnahme der Champions League mit einer vorherigen sportlichen Qualifikation lieber als dieser von den Klubs in Eigenregie organisierte Wettbewerb. "Vielleicht ist das schon zur nächsten Saison möglich", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke.

Doch auch er bewertet die Trophy positiv: "Die Resonanz zeigt, dass der Bedarf für einen internationalen Wettbewerb da ist." Das Turnier zeigt auch, dass die deutschen Spitzenteams mit der Konkurrenz aus den besten europäischen Ligen - auch wenn die russischen Klubs fehlen - mehr als nur mithalten können. Gegen Turku starten die Eisbären heute dann auch als Favorit, Turku wurde in der etwas schwächeren Gruppe nur Vierter. "Jetzt haben wir sechs Siege in Serie. Wieso sollen daraus nicht neun werden?", fragt Florian Busch. Neun Erfolge würden den Turniersieg bedeuten. Das Preisgeld dafür wäre mit 42 000 Euro nicht gerade üppig. Aber was soll's, die Reise ins Salzburger Land hat ja auch keine Kosten verursacht. Bei manchem höchstens ein Schlafdefizit.