Eishockey

Berliner Eisbären stehen vor schwieriger Saison

Trainingsauftak t bei den Eisbären - Die Eishockey-Profis müssen den Verlust vieler Routiniers kompensieren. Keine leichte Aufgabe nach der Enttäuschung der vergangenen Spielzeit.

Die Eisfläche hatte sich schon weitgehend geleert, aber Stefan Ustorf interessierte das nicht. Er nahm sich einen Puck, legte ihn zurecht und zog ab. Einmal, noch einmal; als die Scheiben alle waren, sammelte er sie, unterstützt von Sohn Jake, ein und begann von vorn.

Eine ganze Weile ging das so, und es sagte einiges über seinen inneren Zustand aus. Ustorf hatte einen schönen Sommer mit „viel Zeit zum Erholen, aber es war ein bisschen zu lang“, sagt der 36-Jährige. Das frühe Ausscheiden des EHC Eisbären im Play-off-Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) weckte bei dem Stürmer mehr die Sehnsucht nach der Rückkehr aufs Eis, als dass er das ungewohnte Mehr an Freizeit genießen konnte.

Die Enttäuschung wegtrainieren

Nun aber enden Ustorfs Leiden, die Eisbären haben sich wieder versammelt und gestern die Vorbereitung auf die neue Saison aufgenommen. Gut zwei Wochen Kraft- und Konditionstraining stehen jetzt bevor, Tage voller Schweiß und Arbeit, bis am 11. August das erste Testspiel im Rahmen der European Trophy stattfindet. Und offenbar erging es einigen Kollegen ebenso wie Ustorf. „Mein erster Eindruck ist, dass die Energie sehr hoch ist. Offenbar sind alle froh, wieder auf dem Eis zu sein“, sagt Trainer Don Jackson. Er selbst fühle ganz genauso.

Um sich von der alten Saison zu lösen, brauchte Jackson einige Zeit. „Es war nicht einfach, die Enttäuschung zu verarbeiten“, sagt der 53-jährige US-Amerikaner. Als unangefochtener Favorit waren die Berliner, die sich in den zurückliegenden fünf Jahren mit vier Meistertiteln zur Übermannschaft der Liga aufgeschwungen hatten, ins Play-off gegangen, mal wieder hatten sie Rekorde am Fließband produziert – und scheiterten in der ersten Play-off-Runde am Vorrundenachten (und späteren Vizemeister) Augsburg.

Schlüsselspieler der Vergangenheit fehlen

Diesmal stellt sich die Situation ein wenig anders dar. Es könnte durchaus die schwierigste Saison werden, die den Berlinern seit Jahren bevorsteht. Nachdem schon im Vorjahr Deron Quint und Mark Beaufait die Eisbären verlassen hatten, fehlen nun die Routiniers Denis Pederson und Andy Roach. Ob Kapitän Steve Walker im Verlauf der Saison zurückkehrt oder seine Karriere beendet, ist ungewiss. Die meisten der Schlüsselspieler, die den Aufstieg der Berliner entscheidend geprägt haben, sind nicht mehr da. Dazu verließ auch Marvin Degon den Klub (Ingolstadt). „Im Vergleich zur Vorsaison gehen uns sehr viele qualitative Minuten verloren, weil die Leute, die jetzt fehlen, in vielen wichtigen Situationen auf dem Eis standen“, sagt Ustorf.

Demgegenüber stehen bislang nur zwei Neuverpflichtungen. Von denen hat der dänische Stürmer Mads Christensen sein Potenzial schon mehrfach gezeigt. Der 23-Jährige nahm an vier Weltmeisterschaften teil und war in Iserlohn vergangene Saison drittbester Punktesammler. Jim Sharrow, 25-jähriger Verteidiger aus den USA, „hat noch nicht den großen Durchbruch geschafft, aber er wird sicher überraschen können“, sagt Manager Peter John Lee. Das klingt mehr nach einer vagen Hoffnung als nach Vertrauen.

Vorerst aber will Lee nicht mehr tun, später könnten eventuell noch ein, zwei Angreifer kommen. Die Routine der Vergangenheit aber werden diese Eisbären nicht mehr haben. Umso mehr kommt es darauf an, dass die jungen Nationalspieler wie Florian Busch zu echten Führungspersönlichkeiten werden. „Die Jungs müssen jetzt jeden Tag da sein, keiner kann sich mehr verstecken“, sagt Ustorf. Sie werden eine wichtige Phase ihrer Karriere erleben. Und die Eisbären die sicher „spannendste Saison der letzten Jahre“, sagt Manager Lee, „denn keiner weiß im Moment, in welche Richtung sich diese Mannschaft entwickelt.“

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