Der Dome in Rath liegt ein wenig abseits der Düsseldorfer Wohngebiete. Keine Bahn fährt dorthin. Dafür aber Busse, in denen es ziemlich eng wird. Dort begrüßte am Samstagnachmittag Frau Niederberger die Tante Gretzky. Natürlich waren es nicht ihre wirklichen Namen, sondern an bekannte Eishockeyspieler angelehnte Pseudonyme. Die Damen, so um die 60, sind nämlich große Eishockey-Fans, ganz besonders der DEG. Tante Gretzky trägt zu jedem Spiel einen selbst gestrickten Pullover mit einem Löwen drauf, dem DEG-Maskottchen. Das hat sogar eine echte Mähne aus Fransen. Wie niedlich.

Als die beiden so plauderten – so laut, dass auch alle Umsitzenden es mitbekamen – und auf die Abfahrt warteten, hieß es plötzlich, dass der Bus streikt. Das Gefährt musste sogar gewechselt werden. Drin im anderen Bus feixten die Damen dann: „Na wenn der Berliner Sturm heute auch so spielt.“ Den Gefallen tat der Angriff des EHC Eisbären den Damen sogar. Spiel zwei des Finales der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) endete mit 1:3 (0:1, 1:1, 0:1). In der „Best of five“-Serie steht es damit 1:1.

Auf jeden Fall können sie in Düsseldorf nun noch einmal die Nationalhymne hören. Die ist in der DEL das untrügliche Signal dafür, dass es um alles geht. Nur vor den Spielen im Play-off-Finale wird sie intoniert. Zum bislang letzten Mal durften sie der Hymne in Düsseldorf 2006 lauschen, seinerzeit unterlag die DEG glatt in drei Spielen – gegen die Eisbären. Das war damals noch an der Brehmstraße. Danach zog der Klub nach Rath in den Dome, wo die Hymne vor 11.254 Zuschauern nun ihre Premiere erlebte.

Schon in Berlin, zwei Tage zuvor, hatte sich angedeutet, dass die Finalbegegnung beider Klubs keine so einseitige Angelegenheit werden würde wie vor drei Jahren. Nur mit einiger Mühe konnten sich die Eisbären daheim 3:2 durchsetzen, weniger mit ihren spielerischen Mitteln, dafür mit etwas mehr Kampf.

Recht klar war daher, was auf die Eisbären in Düsseldorf zukommen würde. Es dauerte auch nicht lange, bis das Erwartete eintrat. Das, was sie sonst mit den Gegnern machen, widerfuhr den Berlinern auf einmal selbst. Sie wurden ein bisschen schwindelig gespielt von einem wild übers Eis stürmenden Kontrahenten.

Allerdings verloren die Eisbären nicht die Orientierung. Sie hielten dem nur zehnminütigen Düsseldorfer Gewusel stand und fanden mehr Sicherheit. Nicht genug, um die DEG-Taktik auszuschalten. Mit hartem Pressing setzten die Düsseldorfer ihren Gegenspielern zu, um diese so zu Fehlern zu zwingen und anschließend flink zu kontern. Kurz vor dem Ende des ersten Abschnitts war es Kapitän Steve Walker, der sich die Scheibe abnehmen ließ. Beim Rettungsversuch handelte er sich eine Strafzeit ein. DEG-Kapitän Daniel Kreutzer vollendete dann in Überzahl – per Konter! – zum 0:1 (20.).

Ihre Scheu vor dem sehr probaten Mittel der DEG legten die Berliner, anders als noch zu Hause, aber weitgehend ab. Sie konzentrierten sich auf ihr Spiel. Das Geschehen verlagerte sich so mehr und mehr in das Drittel der DEG.

„Wir waren die bessere Mannschaft“, sagte Stürmer Alexander Weiß. Im zweiten Abschnitt ergab dies eine Schussquote von 23:4 für die Eisbären. Nur auf die Torquote wirkte sich das nicht aus. Zwar erzielte Denis Pederson per Schlagschuss den Ausgleich (32.). Doch nicht mal eine Minute später war die Freude darüber dahin. Evan Kaufmann wurde nicht konsequent angegriffen und brachte die DEG erneut in Führung (33.). Diesmal nur nach einem halben Konter.

Als Kopie des zweiten Abschnitts ließ sich der dritte bezeichnen. Mit noch mehr Druck der gegenüber der ersten Partie wesentlich besseren Eisbären vielleicht, aber leider auch noch weniger Effizienz. „Sie haben keine Rebounds zugelassen, und ihr Torhüter hielt sehr stark“, sagte Trainer Don Jackson, der sich zu seinem Missfallen auch noch den dritten Kontertreffer der DEG, erzielt von Rob Collins (59.), anschauen musste. Jackson will mit seinem Team nun das Positive aus der Niederlage mitnehmen. „Wenn wir weiter so gut spielen, werden wir auch gewinnen“, sagte Weiß. Ostermontag treffen beide Mannschaften in Berlin erneut aufeinander (14.30 Uhr, Premiere). Frau Niederberger und Tante Gretzky freuen sich derweil schon auf das zweite Heimspiel der DEG am Mittwoch.