Die Situation irritierte ein wenig. Auf der einen Seite leise Stimmen, bedächtige, zurückhaltende Kommentare. Auf der anderen Seite klare, deutlich vernehmbare Sätze, kraftvoll, entschlossen – im Tonfall eines Siegers. Aber wer hatte hier eigentlich gewonnen? War es nicht der EHC Eisbären, für den es am Ende gegen die DEG Metro Stars 3:2 stand? Und danach gaben sich die Berliner defensiver, als sie auf dem Eis jemals agieren könnten, während die Düsseldorfer so taten, als wäre nichts passiert.
Es war natürlich einiges vorgefallen. Im ersten Finalspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) konnte der Titelverteidiger sehr genau studieren, was ihm in der „Best of five“-Serie, die am Sonnabend in Düsseldorf fortgesetzt wird ( 17.30 Uhr live im Morgenpost-Ticker ) , gegen die Rheinländer bevorsteht. Eine Menge Arbeit.
Überraschend wirkte das Eingeständnis von EHC-Trainer Don Jackson nach dem Spiel. „Meine Mannschaft hat Düsseldorf wohl etwas unterschätzt“, sagte der US-Amerikaner. Noch vor der Partie wies nahezu jeder Spieler der Eisbären darauf hin, welche Stärken die DEG besitzt. Vergessen konnten sie das innerhalb von 24 Stunden kaum haben.
Vielmehr sah es so aus, als könnten sie ihren Plan umsetzen. Sie kamen schnell ins Spiel, schon nach 77 Sekunden traf Stefan Ustorf zum 1:0, Nathan Robinson erzielte das 2:0 (16.). Die Berliner dominierten, wobei die Treffer allerdings Geschenke waren. Einmal stolperte DEG-Torhüter Jamie Storr neben dem Tor, dann waren er und Verteidiger Ryan Ramsey sich nicht einig.
Ab dem zweiten Drittel aber änderte die Partie ihr Gesicht. „Wir waren für meinen Geschmack etwas zu vorsichtig“, sagte Ustorf. Grund dafür war die permanente Gefahr, die von den Düsseldorfern ausging. Ihr System ist einfach, kann dem Gegner aber böse zusetzen. Einer der schnellen Stürmer lauert in der Mitte stets anspielbereit auf einen Konter. „Da müssen wir aufpassen und dürfen nicht blind forechecken“, sagt Ustorf. Sonst rennt man in eine Falle.
Davor hatten die Eisbären offenbar Angst. Der Anschlusstreffer von Adam Courchaine resultierte allerdings aus einem Fehler von EHC-Goalie Rob Zepp (23.). Ansonsten machte der seine Sache gut, wobei Zepp besonders in Unterzahl einige schwere Minuten überstehen musste. Während sich das Powerplay bei den Eisbären derzeit auf einen einzigen Spieler beschränkt – Richie Regehr erzielte im fünften Play-off-Einsatz sein viertes Überzahltor zum 3:1 (26.) –, ist es bei der DEG schnell, variabel und kreuzgefährlich. Shane Joseph erzielte so den erneuten Anschluss (30.).
Allerdings funktioniert es nicht immer. Anfang des dritten Drittels hatte die DEG die große Chance zum Ausgleich, als zwei Berliner für eine Minute zeitgleich auf der Strafbank saßen. Das nährt Spekulationen, ob der Play-off-Stress den Düsseldorfern langsam zusetzt. Sie mussten alle möglichen Spiele absolvieren, und damit vier mehr als die Eisbären. DEG-Trainer Harold Kreis wies das aber weit von sich: „Über die Müdigkeit reden immer die anderen. Wir versuchen, unsere Kräfte sehr effizient einzusetzen.“
Wie seine Mannschaft ihre Kräfte eingesetzt hat, gefiel dem Trainer. „Es hört sich komisch an, aber ich bin hochzufrieden. In diesem Play-off war es unser bester Start in eine Serie“, so Kreis, dessen Mannschaft zwar als spielerisch gut gilt, der sich aber nicht mit Ambitionen trägt, das auch vorführen zu lassen: „Die Eisbären sind so gut besetzt, dass man nicht glauben darf, mit ihnen mitspielen zu können.“ Vor allem auf dem starken Überzahlspiel und den Kontern ruhen deshalb seine Hoffnungen.
Ihr Konzept hat die DEG weit gebracht, es hat den Berlinern gehörig Respekt eingeflößt. Verständlich daher die Zufriedenheit nach dem ersten Spiel. „Auf dieser Leistung können wir aufbauen. Die Berliner sind absolut schlagbar“, findet Düsseldorfs Nationalstürmer Patrick Reimer.
Erstaunlich kritisch bewerteten die Eisbären-Profis das eigene Auftreten. „Das war sicher nicht der Weg, wie wir spielen wollen“, sagte Verteidiger Deron Quint, „es war kein großes Spiel.“ Allein diese Erkenntnis taugt zweifellos auch sehr gut, positive Schlüsse zu ziehen. Selbst mit einem weniger geglückten Vortrag sind die Berliner in der Lage, ein Finalspiel in der DEL zu gewinnen. Das spricht für die Klasse des EHC.
Einlassen will sich auf diese Denkweise jedoch niemand bei den Eisbären, schließlich könnte daraus eine trügerische Sicherheit entstehen. Nichts wäre gegen diese Düsseldorfer gefährlicher, die „viel Courage besitzen“, wie Jackson sagt. Davon wird am Sonnabend in Düsseldorf sicher noch mehr zu sehen sein als in Berlin. Was für die Eisbären dann nur einen Schluss zulässt. „Wir müssen dort viel besser spielen“, sagt Verteidiger Deron Quint, „dass wir das können, haben wir oft genug gezeigt.“
Ihren Optimismus fanden die Eisbären, die kommenden Montag in Berlin das dritte und vielleicht schon letzte Saisonspiel absolvieren ( 14.30 Uhr, O2 World live im Morgenpost-Ticker ) – und dann eventuell schon die vierte Meisterschaft feiern können –, also doch noch wieder. Obwohl es etwas dauerte am Abend nach dem ersten Spiel der Finalserie.



