Lange hielt Don Jackson seine komödiantischen Talente im Verborgenen, bemühte sich, immer ernst zu blicken, möglichst wenig zu lachen und nur das Nötigste zu erzählen. Inzwischen wissen alle, dass der 52-Jährige weit weniger spröde ist, als er es meist vorgibt. Und so stapfte er mit seinen Schlittschuhen an den Füßen durch die Kabine des EHC Eisbären und sang: "Fiiiiinale." Den wartenden Reportern rief er zu: "Wir können alle zusammen singen." Derart viel Frohsinn überraschte dann doch, es blieb stumm.
Kann sein, dass dieser Anflug ein Überbleibsel seiner Zeit am Rhein ist. Zwei Jahre trainierte der US-Amerikaner die Metro Stars aus der närrischen Hochburg Düsseldorf, bevor er 2007 nach Berlin kam. Nun trifft Jackson ab heute mit dem EHC Eisbären im Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf die DEG (19.30 Uhr, O2 World und Premiere live).
Kein Platz für Sentimentalitäten
Jackson beendete sein Abschlusstraining am Mittwoch ziemlich früh. Vielleicht, um nicht zu viel Anschauungsunterricht zu geben. Die DEG-Delegation war nämlich direkt aus Hannover angereist, wo sie die Niedersachsen am Abend zuvor im fünften und entscheidenden Spiel 3:1 geschlagen haben. Und spionierte nun bei der Übungseinheit der Berliner. Peter John Lee winkte ab, "ach, kein Problem, die kennen uns eh gut genug". Wie den Trainer verbindet auch den Berliner Manager viel mit der DEG, dreimal wurde Lee als Spieler dort Meister. "Es gibt einiges, was vom Wesentlichen ablenkt", sagt Jackson, "aber die Vergangenheit ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass wir jetzt ein Spiel haben, und das wollen wir gewinnen."
Platz für Sentimentalitäten - an dieser Stelle würde gut passen, dass EHC-Ersatztorhüter Youri Ziffzer mit der Tochter von DEG-Trainer Harold Kreis liiert ist - bleibt tatsächlich nicht. Als überaus zähe Gegner erwiesen sich die Düsseldorfer in diesem Play-off, als eine Mannschaft, die für jedes Problem eine Lösung findet, und die dazu auch das nötige Glück hat. Wie in Spiel vier gegen Hannover, als in der Verlängerung ein irregulärer, weil im Torraumabseits erzielter Treffer Anerkennung fand (4:3).
Düsseldorf wartet seit 1996 auf den Titel
Auf den Meistertitel warten sie in Düsseldorf nun schon seit 1996. Vor drei Jahren war die DEG mal nah dran, mit Jackson scheiterte man im Finale an eben jenen Eisbären, mit denen der jetzt seinen Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen will. Für Düsseldorf, das zudem vergangenes Jahr 2:3 im Halbfinale gegen den EHC unterlag, ist es damit so etwas wie eine Revanche.
Allerdings liegen die Vorteile bei den Berlinern. "Sie sind eindeutig die beste Mannschaft der Liga", denkt auch Kreis. Dazu sind sie relativ ausgeruht. Während Düsseldorf sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale über die volle Distanz gehen musste und damit auf zwölf Spiele kommt, benötigten die Eisbären nur acht Partien.
Dies könnte zum entscheidenden Faktor werden, zumal Düsseldorf nur drei Sturmreihen einsetzt. "Wir müssen versuchen, unseren Kräftevorteil auszunutzen", sagt deshalb EHC-Stürmer Stefan Ustorf. DEG-Kapitän Daniel Kreutzer gibt sich trotz des vermeintlichen Nachteils kämpferisch: "Wenn man im Finale steht, darf die Kraft keine Rolle spielen. Dann sind Adrenalin und Emotionen da."
Zwei gefährliche Sturmreihen
Zu bieten hat die DEG aber noch mehr, spielerisches Geschick zum Beispiel und läuferische Qualitäten. "Sie gehören in dieser Hinsicht mit uns zu den Besten", sagt EHC-Angreifer André Rankel. Düsseldorf kann schnell umschalten und besitzt zwei gefährliche Sturmreihen. Sie sind in ihren Anlagen den Berlinern sehr ähnlich. Weshalb die Eisbären viel Respekt haben vor den Düsseldorfern. Allerdings war das Halbfinale gegen Hannover selten hochklassig. "Das lag aber eher am passiven und defensiven Spiel von Hannover", glaubt Jackson.
Vermutlich der größte Trumpf der DEG dürfte aber Trainer Kreis sein. Erst im vierten Jahr arbeitet der 50-jährige Deutsch-Kanadier als Chefcoach in einer Eliteliga. Zweimal endete die Saison für ihn in der Schweiz mit dem Meistertitel, dabei drehte er sogar eine "Best of seven"-Serie von einem 0:3 in ein 4:3. Dies bewog wohl auch Bundestrainer Uwe Krupp, die DEG schon während des Viertelfinales als seinen Favoriten auf den Titel zu bezeichnen. Wie dem auch sei. Don Jackson und seine Eisbären kennen den Weg zum Erfolg mindestens genau so gut.



