Eigentlich war Sven Felski nach Straubing gefahren, um dort Eishockey zu spielen. Stattdessen durfte der Stürmer des EHC Eisbären aber nur auf das Fahrradergometer in der Kabine steigen. Und er konnte im Fanradio ein paar Sätze loswerden. Aufs Eis ließ ihn Don Jackson aber nicht. Viel zu riskant, entschied der Trainer. Denn Felski ist ja einer, der sich nicht immer ganz unter Kontrolle hat. Und bei einer weiteren Zehn-Minuten-Strafe wäre der 34-Jährige für das erste Play-off-Spiel der Berliner gesperrt gewesen.

Jackson konnte leicht Verzicht üben. Deshalb verordnete er auch gleich noch dem gestressten Kapitän Steve Walker spielfrei, so musste Felski nicht allein strampeln. Es ging sowieso um nichts mehr für die Berliner. Schon am Freitag hatten sie mit einem 5:3 gegen die Frankfurt Lions den Gewinn der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) realisiert. Die 52. und letzte Partie in Straubing war nur noch für die Galerie.

Großes durfte also niemand erwarten, zumal die Berliner bereits ihre vierte Partie in dieser Woche absolvierten. Doch offenbar hatte die Mannschaft entschieden, dass das Gewinnen zu viel Spaß macht, um jetzt damit aufzuhören. Man setzte sich so auch gegen die Tigers durch. Die Tore von André Rankel (2) Denis Pederson und Daniel Weiß zum 4:3 (2:0, 2:2, 0:1) bedeuteten bereits den sechsten Sieg in Serie.

Die jüngsten Resultate sprechen für Qualität und Charakter der Mannschaft. „Sie zeigen auch, dass wir unsere Arbeit im Training gut strukturiert haben“, sagt Manager Peter John Lee, der angesichts der Bedeutung der Partie in Straubing lieber in Berlin geblieben war und sich Nachwuchs-Eishockey angeschaut hat. Er meint damit, dass der Titelverteidiger genau zum richtigen Zeitpunkt seine Bestform erreicht hat.

So viele Siege am Stück wie zuletzt erhofften sich die Fans der Berliner in der Saison zuvor vergebens. Nach dem Saisonauftakt mit vier Erfolgen wechselten sich Siege und Niederlagen öfter ab. Zwar gab es dann und wann ein paar unnötige Misserfolge zu viel. Jackson nervte die teils von einer gewissen Überheblichkeit geprägte Attitüde des Teams auch durchaus. Aber ernsthaft beunruhigt war er nur kurzzeitig. Denn ähnlich dem Play-off teilen die Berliner ihre Saison in Segmente nach dem Vorbild einer „Best of five“-Serie ein. Zehn Serien gewannen die Eisbären, nur drei gingen verloren.

Für das Play-off sind die Eisbären bestens gerüstet

Es ist aber auch schon wieder 20 Spieltage her, dass dem Team dies zuletzt passierte. Für das Play-off sind die Eisbären also bestens gerüstet. Zum fünften Mal gehen sie als Erster in den Titelkampf und hätten bis zum Finale zuerst das Heimrecht. In einen Titel konnten die Berliner diese Ausgangsposition in den vergangenen vier Anläufen aber erst ein Mal umwandeln – 2006, bei der zweiten Meisterschaft. Zweimal erreichte man darüber hinaus immerhin das Finale.

Zunächst ist jedoch ab dem 13. März das Viertelfinale zu bestreiten. Die möglichen Kontrahenten dort heißen Hamburg (Saisonbilanz 3:1), Frankfurt (3:1) und Augsburg (1:1). Wer sich letztlich im Pre-Play-off durchsetzt, spielt für die Eisbären keine Rolle. „Der Gegner ist uns egal, es ist ja auch eher so, dass sich keiner Berlin wünscht“, lautete die Botschaft, die Sven Felski über den Äther schickte. Das gilt allein aufgrund Historie der vergangenen vier Jahre, in denen die Eisbären drei Meisterschaften feierten. Doch die jüngsten Darbietungen des EHC dürften wohl dazu geführt haben, dass die Angst vor einem Aufeinandertreffen mit dem Titelverteidiger der DEL noch ein wenig größer geworden ist.

Die Play-off-Statistik der Eisbären Berlin (1. nach der Vorrunde):

11. Play-off-Teilnahme nach 1996/97 (Halbfinale), 1997/98 (Finale), 1998/99 (Halbfinale), 2001/02 (Viertelfinale), 2002/03 (Halbfinale), 2003/04 (Finale), 2004/05 (Meister), 2005/06 (Meister), 2006/07 (Vor-Play-offs), 2007/08 (Meister)

Play-off-Spiele insgesamt: 90 (60 Siege - 30 Niederlagen)

Deutscher Meister: 2005, 2006, 2008