Nüchtern ist das Wort, das die Reaktion von Stelian Moculescu und Vital Heynen wohl am besten beschreibt. Während gut 7.500 Zuschauer am vergangenen Sonntag nach dem 3:2 der BR Volleys im zweiten Spiel der Finalrunde gegen den VfB Friedrichshafen gemeinsam mit dem Berliner Team in Ekstase verfielen und die VfB-Spieler mit leeren Augen und hängenden Mundwinkeln in der Max-Schmeling-Halle umherirrten, präsentierten sich die beiden Trainer recht emotionslos. Nur zweimal hatte Moculescu die Fäuste in die Höhe gereckt, dann zog er schnell sein Sakko wieder an, nahm sich eine Flasche Wasser und setzte sich schweigend auf die Trainerbank.

Heynen ging indes mit aufrechtem Gang zu seinen Spielern und bedachte jeden mit einigen aufmunternden Worten. „Es sollte nicht das erste Mal sein, dass eine Mannschaft 0:2 hinten liegt, und noch die Meisterschaft gewinnt“, sagte er. Auch Moculescu betonte, es sei noch alles offen. Genau wie Heynen (48) hat der 67-Jährige schon einiges erlebt in seiner Trainerlaufbahn. Zu viel, um nach zwei Siegen in der „Best of five“-Serie gegen den großen Rivalen in Euphorie zu verfallen.

Moculescu sah erschöpft aus. In den vergangenen zweieinhalb Monaten hat er aus einer Ansammlung verunsicherter Einzelspieler ein Team geformt, das dem in dieser Saison schier übermächtigen VfB Friedrichshafen pünktlich zum Play-off-Finale endlich die Stirn bieten kann. Er unterbrach dafür extra seine nach 40 Jahren Trainertätigkeit wohlverdiente Rente.

Keine Meisterschaft für den VfB ohne Moculescu

An diesem Mittwoch (20 Uhr, Livestream auf Sportdeutschland.tv) hat er nun die Chance, sein Comeback ausgerechnet in Friedrichshafen mit dem Meistertitel zu krönen, wo er 19 Jahre lang Trainer war und 27 Titel feiern konnte. Dann ist der Rentner der große Retter der Berliner Saison und ganz nebenbei auch noch weiterhin der Mann, ohne den der VfB den nationalen Titel nicht gewinnen kann. Bei allen 13 Meistertiteln, die der VfB errungen hat, stand Moculescu an der Seitenlinie.

Sein Nachfolger Heynen scheiterte bereits im Vorjahr an den Berlinern, nun droht sich die Szenerie zu wiederholen. Heynen, der als verrückter und gleichermaßen genialer Professor des Volleyballs gilt und dem mit dem VfB in dieser Saison 37 Siege in Serie gelungen sind, musste nun schon zweimal dabei zusehen, wie der fast 20 Jahre ältere Moculescu ihm den Schneid an der Seitenlinie abkaufte.

In Sachen Taktik und Wechselstrategie hatte der Rumäne im Play-off bislang die Nase vorn. Es gelang ihm stets, seine Spieler einzufangen und zu leiten. Von außen wirkt es, als bestünde ein unsichtbares Band zwischen dem Trainer und dem Team auf dem Feld.

Die Spieler aus der zweiten Reihe funktionieren

Bei Heynen hingegen ist die Verbindung zu seinen Spielern zwischenzeitlich abgerissen. Im ersten Spiel verlor er zusehends die Beherrschung, verlangte von seinen Spielern endlich die „dummen Fehler“ zu unterlassen und flehte am Ende fast, das Team solle sich endlich wieder auf seinen Volleyball besinnen. „Ich war schwer enttäuscht von unserem ersten Spiel zu Hause“, gibt er zu. „Wenn wir am Ende nicht Meister werden sollten, dann haben wir es da verloren.“

Die zweite Partie in Berlin war weitaus ausgeglichener. Die Aufschläge der BR Volleys zeigten weniger Wirkung, in der Summe machten die Süddeutschen sogar drei Punkte mehr. Heynen musste aber zugeben: „Stelian hat die Mannschaft gut zusammengebracht.“ Moculescus großer Vorteil ist, dass die Spieler aus der zweiten Reihe funktionieren. So ist es zu verkraften, dass der in dieser Saison wichtigste Akteur, Paul Carroll, in der Finalserie noch nicht glänzen konnte. Kyle Russell übernahm stattdessen diesen Part.

Dem VfB ist es noch nicht gelungen, den leistungsmäßigen Abfall bei Philipp Collin zu kompensieren. Der Mittelblocker hatte bislang eine herausragende Saison gespielt, gegen die Berliner fiel er aber vor allem auf, als er bei seinem Aufschlag die Grundlinie übertrat und damit den Satzball für sein Team verschenkte – ein Fehler, der eigentlich schon in der B-Jugend nicht mehr passieren sollte.

Volleys haben am Bodensee schon drei Titel gewonnen

„Es gibt einige tragende Spieler, die nicht auf dem Niveau sind, das sie in dieser Saison schon gezeigt haben“, sagt Heynen. Auch die Statistik spricht gegen Heynen, denn Friedrichshafen war in der Vergangenheit stets ein gutes Pflaster für Meistertitel der Berliner: Vier der vergangenen fünf Finalserien entschieden die Volleys für sich, dreimal feierten sie ihren Titel am Bodensee.

Aber Heynen wäre nicht Heynen, wenn er das am Mittwoch einfach so geschehen lassen würde. Vielleicht aber hat er gerade in Moculescu seinen Meister gefunden.