Volleyball

BR Volleys und VfB Friedrichshafen fehlt es an Konkurrenz

Die Volleyball-Bundesliga will den Schub der WM-Bronzemedaille nutzen. Doch es gibt viele Probleme zu meistern. Die deutschen Stars spielen lieber im Ausland. Und es gibt zu wenig professionell arbeitende Klubs.

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Noch vor dem ersten Aufschlag meldete sich aus dem Süden der Republik der kritische Geist vom Bodensee. „Die Liga muss sich dringend professionalisieren“, forderte Stelian Moculescu, der Trainer des VfB Friedrichshafen, der nicht die Aufbruchstimmung teilen mag, die von der Führungsspitze der Volleyball-Bundesliga seit Wochen verbreitet wird. Und weiter schimpfte er über eine „Sozialdemokratisierung“, die er zu erkennen meint: „Da gibt es eine Ausnahmeregelung und dann noch eine und noch einmal eine. Da kann praktisch jeder machen, was er will.“

Moculescu übt harte Kritik

Nun ist der emotionale Moculescu dafür bekannt, dass er gern mal über das Ziel hinausschießt. Und wenn er seinen eigenen Stall betrachtet, wird er auch nicht zufrieden sein. Trotz des höchsten Etats von rund zwei Millionen Euro und ständig neu zusammengewürfelten Teams ist es ihm in den vergangenen drei Spielzeiten nicht gelungen, den 13. Meistertitel zu erringen oder in Europa mitzuhalten wie in besseren Jahren. Auch die Zuschauerauslastung in der ZF-Arena lässt einigen Raum nach oben.

Aber im Kern ist seine Kritik berechtigt. 13 Teams gehen in dieser Saison an den Start, doch wirklich professionell geführte Klubs gibt es mit dem VfB und den BR Volleys nur zwei, die auch die Deutsche Meisterschaft erneut unter sich ausmachen dürften. Aufsteiger SVG Lüneburg etwa spielt in einer Halle, die bei 800 Fans schon „ausverkauft“ meldet und deren Deckenhöhe nicht den Anforderungen der VBL entspricht. Der andere Aufsteiger TSV Herrsching bestreitet die Saison mit einem Etat von gut 200.000 Euro. Professionalität und Konkurrenzfähigkeit sind etwas anderes.

WM-Bronze soll der Liga Rückenwind geben

Auf der anderen Seite sind zwei Urgesteine der Liga, Generali Haching und der VC Moers, bereits an den Anforderungen der VBL gescheitert und haben ihre Mannschaften zurückgezogen – ausgerechnet zwei der wenigen, die an einem guten Tag einmal den Favoriten ein Schnippchen schlagen konnten. Doch sie hatten nur in die Spieler, nicht in die Infrastruktur investiert und standen nun vor den Scherben ihrer Arbeit. Das zeigt, dass die VBL es durchaus ernst meint mit ihrem „Masterplan“, der bis 2016 den Volleyball entscheidend nach vorn bringen soll. Nur stehen potente Nachrücker nicht Schlange, sondern müssen eher überredet werden, es doch einmal zu versuchen. Wie Lüneburg und Herrsching, die zwei Jahre Zeit bekommen, sich so zu entwickeln, dass sie dauerhaft Liga-Standorte werden können.

Dass es um den deutschen Volleyball so schlecht nicht bestellt ist, wenn das Potenzial ausgeschöpft wird, zeigte sich bei der WM in Polen, wo die deutschen Männer sensationell Bronze gewannen. Die Hoffnung, dass die neuen Helden auch der Liga einen Schub verleihen mögen, wird aber schon dadurch konterkariert, dass nur zwei von ihnen, der Berliner Sebastian Kühner und der Friedrichshafener Max Günthör, in Deutschland zu sehen sind. Den Rest zieht es nach Russland, Polen, Italien, Frankreich – wo professioneller gearbeitet wird und mehr Vereine in der Lage scheinen, gutes Spiel auch hoch zu entlohnen.

Positiv ist, dass das Problem erkannt wurde und zumindest versucht wird, es zu lösen. Das braucht Zeit. Ein Liga-Hauptsponsor soll gefunden, ein Fernsehvertrag abgeschlossen werden, um mit Sportarten wie Basketball und Handball in Konkurrenz zu treten. Bis 2016. Wie VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung nicht müde wird zu betonen, sei man auf einem guten Weg. Wie schwer dieser Weg sein wird, zeigte sich auch beim Saisoneröffnungsspiel am Donnerstag zwischen der VSG Coburg/Grub und Friedrichshafen. Die Arena in Coburg war auf immerhin 3540 Plätze erweitert worden. 1000 davon blieben leer, der VfB siegte 25:20, 25:22, 25:11.

Europa ist für die Marktführer aus Berlin reizvoller

Maß der Dinge sind die Schwaben dabei schon gar nicht mehr, sondern Titelverteidiger Berlin, der am Sonnabend in Dresden in die Saison startet. Die Volleyball-Events in der Schmeling-Halle vor 5000 Zuschauern im Schnitt sind Spitze in Europa. Das Meisterteam der Vorsaison wurde noch einmal mit den erfahrenen Profis Rob Bontje, Francesco de Marchi, Erik Shoji und Christian Dünnes verstärkt, um neue Reize in der Mannschaft zu setzen, die von außen kaum zu erwarten sind. Deutschland ist dem Team von Trainer Mark Lebedew zu klein geworden. „Natürlich wollen wir Meister werden. Natürlich wollen wir den Pokal holen“, sagt Geschäftsführer Kaweh Niroomand. „Das A und O aber ist, wir wollen in Europa einen Schritt vorankommen.“ Die Reichweite vergrößern, die Mannschaft verbessern, die Marke BR Volleys stärken. Da kann die Liga momentan wenig helfen. Vermutlich nicht mal Stelian Moculescu.