Volleyball

BR Volleys müssen jetzt um einige ihrer Topspieler kämpfen

Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft wird beim Berliner Team schon am Kader für die kommende Saison gebastelt. Vor allem hinter Shoji und Lisinac stehen dicke Fragezeichen.

Foto: Felix Kästle / dpa

Es muss nicht immer das Ritz-Carlton sein, Kaviar und Champagner, Davidoff-Zigarre. Die Spieler der BR Volleys haben es sich seit Neuestem zur Gewohnheit gemacht, stattdessen im LSC-Restaurant zu feiern. Das ist direkt neben dem Hotel Ibis, direkt neben dem Flughafen Friedrichshafen. In der Nacht zu Donnerstag taten sie es jedenfalls zum zweiten Mal in Folge, eine Party-Politik der kurzen Wege.

Mit italienischen Gerichten und Salat, jeder Menge Bier und anderen schlichten, aber trotzdem wirkungsvollen alkoholischen Getränken. Vor der Pizzeria rauchten einige Spieler halb hastig, halb heimlich Zigaretten. Genau einmal im Jahr ist das erlaubt. Einmal im Jahr werden die BR Volleys seit drei Jahren deutscher Volleyball-Meister – und nicht mehr der Rekordchampion VfB Friedrichshafen.

Ist das jetzt die Wachablösung, wurde Stelian Moculescu gefragt. Der VfB-Trainer antwortete: „Wenn sie es sieben Mal geschafft haben, kann man das vielleicht sagen.“ So wie die Schwaben zuvor von 2005 bis 2011. „Dennoch ist es okay, dass Berlin erneut den Titel verteidigt hat, sonst würde es ja langweilig werden. Aber auch Berlin wird nicht ewig so erfolgreich bleiben, das ist der Lauf des Lebens“, sagte Moculescu. Das ist nicht mal Missgunst, das ist Realität. Nur dass zu solchen Weisheiten vermutlich eher der Verlierer des Moments neigt. Die Gewinner genossen ihn lieber in vollen Zügen.

Fan-Fest am Sonntag in der Schmeling-Halle

Ein bisschen gehen die Festlichkeiten für die BR Volleys noch weiter. An diesem Freitag trägt sich die Mannschaft ins Goldene Buch beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit ein. Am Sonntag (17 Uhr, Schmeling-Halle) wollen die BR Volleys gemeinsam mit ihren treuen Fans feiern. Aber danach werden sich die Spieler auch peu à peu, sofern sie nicht richtige Berliner sind, auf Reisen machen. Bei nicht allen ist klar, ob sie wiederkommen. „Jetzt ist erst mal Urlaub, aber das wird noch spannend“, sagte Robert Kromm, der bereits erklärt hat, ein drittes Jahr für die BR Volleys aufzulaufen. Der 30-Jährige hatte am späten Mittwochabend den Matchball zum 3:1-Erfolg im vierten Spiel der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft in Friedrichshafen verwandelt und damit den Titelkampf zugunsten der Berliner entschieden.

Auch Tomas Kmet wird das weiter tun, Kapitän Scott Touzinskys Kontrakt wurde noch im LSC-Restaurant von Geschäftsführer Kaweh Niroomand „zu gleichen Konditionen um ein Jahr verlängert“. Martin Krystof und Paul Carroll haben ebenfalls noch Vertrag – und somit der Kern der Mannschaft. Aber schon bei Kawika Shoji kann sich Niroomand nicht sicher sein. Der Hawaiianer bestätigt, Angebote aus Russland und Polen zu haben, wo er mehr verdienen kann. „Geld ist für mich nicht alles“, sagt der Zuspieler zwar, aber ein Argument ist es freilich schon. Bei 65 Prozent beziffert der 26-Jährige die Wahrscheinlichkeit, dass er in Berlin bleibt. In den nächsten zwei Wochen will er eine Entscheidung treffen. Sein US-Landsmann Touzinsky freut sich wohl, will gern bleiben, aber auch noch einmal sprechen: „Ein Jahr ist schön, zwei oder drei wären besser.“

Trainer Mark Lebedew stellt neues Konzept auf

Wer schwer zu halten sein wird, ist die Saisonentdeckung Srecko Lisinac. Als er im vergangenen Jahr aus Polen nach Berlin wechselte, war er fast unbekannt. Dann wurde der 21-jährige Serbe EM-Dritter mit den Männern, WM-Zweiter mit den Junioren. Und, nun ja, so schlecht hat er sich bei den BR Volleys auch nicht geschlagen. Die haben ihn aber nur ausgeliehen; beim nächsten Mal wird sein polnischer Verein viel mehr Geld fordern.

Geschäftsführer Niroomand will sich aber nicht drängen lassen. „Viele Schlüsselspieler haben Vertrag. Trainer Mark Lebedew muss jetzt ein Konzept aufstellen, was wir nächste Saison eigentlich wollen. Und auf dessen Basis nach passenden Spielern suchen“, sagte der Manager. Was er den Spielern versprochen hat: Der Verein will sich um die Ausrichtung des Final Four in der Champions League bewerben. Mitglied in einem der vier besten Teams Europas in der Schmeling-Halle – das klingt natürlich verlockend, nach Berlin zu kommen oder hier zu bleiben. Die Zukunft von Roko Sikiric, Felix Fischer, Aleksandar Spirovski, Sebastian Kühner sowie der Youngster Ruben Schutt und Florian Hecht ist so offen wie bei Shoji und Lisinac.

Klar ist dagegen, was Starspieler Robert Kromm sich im nächsten Jahr wünscht: „Natürlich zum vierten Mal Meister werden.“ Ist ja auch einfach zu schön im LSC-Restaurant. Direkt neben dem Ibis Hotel. Direkt neben dem Flughafen Friedrichshafen.