Volleyball

Bundestrainer Heynen fordert Deutschenquote in der Bundesliga

Die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft zwischen BR Volleys und Friedrichshafen begeistert Bundestrainer Vital Heynen. Nur eines vermisst der Bundestrainer: mehr deutsche Spieler auf dem Parkett.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Conny Kurth

Wenn der deutsche Volleyball-Meister ermittelt wird, darf der Bundestrainer nicht fehlen. Vital Heynen war deshalb Augenzeuge, als der VfB Friedrichshafen zum Auftakt der Finalserie mit 3:2 bei den BR Volleys gewann. Zumindest am Bildschirm verfolgte der Belgier auch die beiden nächsten Endspiele, in denen die Berliner siegten.

Von dem Duell auf Augenhöhe ist er begeistert. Auch von den Zuschauerzahlen: „Am Sonntag waren wieder fast 8000 Leute in der Schmeling-Halle. Die Bundesliga-Finalspiele mit diesen Zuschauerzahlen sind in Europa und in der ganzen Welt an der Spitze. Auf diese Finals dürfen die Deutschen stolz sein“, lobte er in einem Interview auf der Homepage der Volleyball-Bundesliga. Aber der Bundestrainer ist nicht mit allem einverstanden, was er sieht.

„Ich bin der Meinung, dass es ganz viele gute deutsche Spieler gibt. Aber die haben zu wenig Einsätze“, kritisierte Heynen, „deshalb setze ich mich schon seit Jahren für eine Ausländerbeschränkung ein. Aktuell hat man ein Finale, wo normalerweise auf jeder Seite nur ein deutscher Spieler steht: Max Günthör bei Friedrichshafen und Robert Kromm bei Berlin. Jetzt können wir froh sein über drei, weil Jan Zimmermann glücklicherweise in die Stammformation des VfB gerutscht ist.“

Berlins Geschäftsführer Niroomand weist Kritik zurück

Der 21-Jährige rückte in das Team des Rekordmeisters, weil der etatmäßige Friedrichshafener Zuspieler Nikola Jovovic an einer Bauchmuskelzerrung leidet. Die Schwaben hoffen allerdings, dass der Serbe am Mittwoch (20 Uhr) im vierten Spiel der Finalserie in der Friedrichshafener ZF-Arena wieder zum Einsatz kommt. Die Berliner führen mit 2:1 Siegen; ein weiterer Erfolg reicht ihnen zur erfolgreichen Titelverteidigung. Verlieren sie am Bodensee, gibt es ein fünftes, entscheidendes Spiel am Sonntag (15 Uhr) in der Schmeling-Halle.

Berlins Geschäftsführer Kaweh Niroomand kann die Kritik Heynens nachvollziehen: „Aus Sicht des Bundestrainers ist das verständlich“, sagt er. „Das heißt aber auch, dass es gelingen muss, die guten deutschen Spieler in Deutschland zu halten.“ Das sei aufgrund der besseren Verdienstmöglichkeiten in anderen Ländern wie Russland, Polen oder Italien schwer oder gar nicht möglich. Heynen wünscht sich jeweils drei Deutsche pro Mannschaft auf dem Spielfeld. „Russland, Polen, Italien, Brasilien – alle großen Volleyball-Nationen spielen mit Ausländerbeschränkung, alle!“, beharrt er.

Andere Nationen machen es den Deutschen vor

Das allerdings sind genau jene Nationen, in denen traditionell mehr Geld gezahlt wird als in Deutschland. „Das Ergebnis einer solchen Quote darf nicht sein“, interveniert Niroomand, „dass in der Bundesliga das Niveau sinkt. Dann würde die Bundesliga noch uninteressanter, als sie es schon ist.“ Der Bundestrainer hat allerdings auch dem etwas entgegenzusetzen: „Sicher, einen Georg Grozer (spielt beim russischen Champions-League-Sieger Belgorod, d.Red.) kann man in Deutschland nicht bezahlen. Aber deutsche Mittelblocker, Liberos, Zuspieler schon, die verdienen im Ausland auch nicht mehr.“

Die deutsche Entdeckung der Endspiele, Jan Zimmermann, ist für ihn ein gutes Beispiel, dass man Talenten mehr Chancen geben sollte. Der Junioren-Nationalspieler hat sich bisher in den Finals wacker geschlagen. Man müsse auch den Mut haben, junge Spieler zu entwickeln. „Mein Gefühl sagt mir innerhalb weniger Minuten, ob ein Spieler das gewisse Etwas hat. Von Jan habe ich zwei Bälle gesehen und zu ihm gesagt: Du bist beim nächsten Lehrgang mit der Nationalmannschaft dabei“, sagt Heynen.

Bundestrainer erwartet Berliner Sieg am Bodensee

Zurzeit hat der 44-Jährige seine Nationalspieler in Düren zum Lehrgang versammelt – in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im Herbst in Polen. Und er ist sehr optimistisch, dass ihm schon nach dem vierten Finalspiel am Mittwoch in Friedrichshafen weitere Spieler zur Verfügung stehen könnten. Denn Heynen geht „davon aus, dass es Berlin in vier Spielen schafft. Aber wenn es Friedrichshafen gelingt, das vierte Spiel zu gewinnen, dann hat Berlin den Druck. Dann weiß ich nicht, wie die Serie ausgeht, ein fünftes Spiel wäre wie Casino.“

Die Berliner wollen das verhindern und den Titel am Mittwoch perfekt machen. Danach werden sie sich an den Bau der Mannschaft für nächste Saison machen. Vielleicht kommt sogar ein weiterer guter deutscher Spieler hinzu.