Volleyball

BR Volleys finden in Finalserie Selbstbewusstsein wieder

Der Auftakt der Finalserie gegen Friedrichshafen war alles andere als viel versprechend. Doch der Niederlage im ersten Spiel folgten zwei Siege nach starken Leistungen. Jetzt können die Berliner am Mittwoch Meister werden.

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Die Körpersprache der Protagonisten sagte viel mehr aus über die Situation in dieser Finalserie um die deutsche Volleyball-Meisterschaft als die wörtlichen Stellungnahmen. Stelian Moculescu, der Trainer des VfB Friedrichshafen, saß scheinbar unbeteiligt auf einem Stuhl am Rande des Parketts in der Schmeling-Halle. Seine Spieler, sonst immer gern bereit, mit kleinen Wortscharmützeln den Kontrahenten zusätzlich unter Druck zu setzen, ließen den vierten Satz fast widerstandslos über sich ergehen. Ohne Worte.

Niroomand warnt

Auf der anderen Seite des Netzes dagegen Euphorie pur: Die BR Volleys zelebrierten jeden gewonnenen Punkt, feuerten sich an. Am Ende stand ein 3:1 (25:19, 22:25, 25:21, 25:18)-Sieg für die Berliner, die nun mit einer 2:1-Führung zum vierten Spiel am Mittwoch an den Bodensee reisen. Dennoch warnte Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand: „Wir sind noch nicht durch. Das nächste Spiel kann auch genau andersherum laufen.“ Aber was ihm genauso wenig verborgen geblieben war wie allen anderen Beobachtern: Das Momentum in dieser Serie hat sich gedreht.

Eine Woche zuvor noch hatten die Schwaben 3:2 in Berlin gewonnen und ihr Selbstvertrauen à la Bayern München zur Schau gestellt. Sie, die Rekordmeister, wollen sich den Titel nicht ein drittes Mal in Folge vom Emporkömmling aus der Hauptstadt nehmen lassen. Alles schien für sie zu sprechen. Ohnehin gestärkt durch den Erfolg über die BR Volleys Anfang März im Pokalfinale, hatten sie den Berlinern den Heimvorteil in der Endspielserie weggeschnappt. Vielleicht waren sie sich aber schon ein wenig zu sicher.

Berliner nutzen besser die Schwächung des VfB

Denn die Titelverteidiger haben ihre Lehren gezogen und konterten im zweiten Spiel in Friedrichshafen. „Das war die Grundlage für den Sieg heute“, sagte Niroomand, „dort haben wir uns das Selbstvertrauen zurückgeholt.“ Im entscheidenden Moment spielen alle Berliner jetzt ihre Stärken aus, die auf hohem Niveau aufschlagenden Amerikaner Scott Touzinsky und Kawika Shoji etwa. Oder Tomas Kmet. In den drei Spielen der Finalserie gelangen dem Slowaken unglaubliche 19 Blocks. Robert Kromm, Paul Carroll, Srecko Lisinac punkten zuverlässig und im Wechsel, Libero Martin Krystof beeindruckt mit seiner Feldabwehr.

Außerdem verstehen es die BR Volleys besser, eine Schwachstelle des VfB zu nutzen. Der junge Zuspieler Jan Zimmermann, für den verletzten Nikola Jovovic im Einsatz, stößt an seine Grenzen, wenn die Berliner den Druck mit ihren Aufschlägen hoch halten. „Wir haben uns gut auf ihn eingestellt“, lobt Lebedew. Gerade deshalb gelingen jetzt die Blocks so gut. „Der Rest“, sagt Kromm, „ist Kopfsache.“ Also: Noch ein Spiel mit höchster Konzentration, ohne nachzulassen, über die Bühne bringen, dann ist das größte Saisonziel erreicht. Im anderen Fall kann so ein Momentum auch noch ein weiteres Mal kippen.