Zweimal sind die BR Volleys in den vergangenen beiden Jahren Deutscher Meister im Volleyball geworden, zweimal holten sie den entscheidenden Sieg in der Fremde. Sie scheinen das zur Methode machen zu wollen, sehr zur Traurigkeit der treuen Fans in der Schmeling-Halle. Die Mannschaft von Mark Lebedew gewann das dritte Spiel der Play-off-Finalserie gegen den VfB Friedrichshafen vor 7867 feiernden Zuschauern mit 3:1 (25:19, 22:25, 25:21, 25:18) und führt nach Siegen jetzt 2:1. Da nach dem Modus „Best of five“ gespielt wird, könnte am Mittwoch (20 Uhr) in der ZF-Arena am Bodensee der erneute Titelgewinn perfekt gemacht werden. Wieder keine Meisterfeier im Volleyball-Tempel? „Wir versuchen, das nächste Spiel zu gewinnen“, sagte Robert Kromm, mit 18 Punkten bester Spieler der Gastgeber und zum MVP gewählt, „aber es kann noch viel passieren.“
Fulminanter Start der Gastgeber
Manchmal scheint es in dieser Finalserie, als würde jedes einzelne Spiel einer vorher besprochenen Chronologie folgen. Den ersten Durchgang dominierten die Berliner erneut – wie in den beiden Endspielen zuvor. Ihnen unterliefen kaum Fehler, sie wirkten hochkonzentriert beim Aufschlag und bei der Annahme, kamen deutlich besser in die Partie. Und sie lagen nur einmal, beim 7:8, zurück. Dann erzielten sie vier Punkte in Folge, hielten diesen Vorsprung und bauten ihn immer weiter aus. Die Friedrichshafener, die gern ihr großes Selbstvertrauen mit einem Dauerlächeln nach außen tragen, um ihren Kontrahenten zusätzlich zu verunsichern, wirkten gar nicht zuversichtlich. Der Slowake Tomas Kmet verwandelte den ersten Satzball für die BR Volley nach 25 Minuten– von Lächeln keine Spur.
Auch der zweite Abschnitt konnte den Zuschauern bekannt vorkommen. Alle Konzentration der Gastgeber schien kurzzeitig verflogen, sie leisteten sich mit 0:5 einen klassischen Fehlstart. Kämpften sich zurück und hatten nach sechs Punkten in Folge das Geschehen scheinbar im Griff. Doch anschließend geschah bis zum Satzende, was Trainer Mark Lebedew schon nach der Niederlage im ersten Spiel moniert hatte: „Wir lassen zu viele Chancen liegen.“ Mal waren es Fehlaufschläge zur Unzeit, mal ein Missverständnis beim Angriff – obwohl die Berliner fast immer zurücklagen in diesem Abschnitt, hatten sie genügend Gelegenheiten, ihm die entscheidende Wende zu geben. Als Lebedew aus Versehen eine dritte Auszeit nahm (nur zwei sind pro Satz erlaubt), war der VfB kurz irritiert, die BR Volleys machten aus einem 18:21 ein 21:21. Aber letztlich ging der Satz nach 30 Minuten an die Gäste, so wie in jedem der drei Finals. Erneut stand es 1:1. „Da lief es nicht mehr so gut bei uns“, gab Kromm zu. Doch er schickte den entscheidenden Unterschied zum ersten Spiel gleich nach: „Wir sind heute stark geblieben.“
Und wie. Spannend blieb es, auch das wie bisher immer. Die Fans in der Schmeling-Halle wurden kurzzeitig ruhig, weil ihr Team nach einer 2:7-Punkteserie im dritten Durchgang 9:10 zurücklagen. Es sollte der letzte Rückstand für diesen Abend bleiben. Immer besser fanden die Berliner in ihr Spiel und hatten den Aufbau des jungen Friedrichshafeners Jan Zimmermann durchschaut. Allein der Bulgare Ventceslav Simeonov (19 Punkte) und der Franzose Baptiste Geiler (11) bereiteten ihnen Probleme.
Kmet verwandelt Matchball
„Wir haben außer im zweiten Satz sehr gut gespielt“, sagte Kmet, der den Matchball verwandelte und mit sieben Blocks allein genauso erfolgreich wie die gesamte VfB-Abwehr. Insgesamt gelangen den BR Volleys 17 Blocks. Aber das war es nicht allein. „Manchmal haben wir gut geblockt, dann gut aufgeschlagen, dann gut angegriffen“, sagte Kmet zufrieden mit sich und seiner Volleyball-Welt. Der Titelverteidiger konnte es sein. Nach gewonnenem drittem Satz schien im Schlussabschnitt alles zu gelingen. Die Volleys waren wie im Rausch. „Wir müssen diese Leistung Mittwoch wiederholen“, wünschte sich Kmet.
Lebedew wollte sich nicht darauf festlegen, ob er an einen entscheidenden dritten Sieg in Friedrichshafen glaubt. „Ich bin kein guter Mathematiker, aber ich weiß, wir haben jetzt zwei Chancen und müssen eine davon nutzen.“ Einzelne Spieler hervorheben wollte er nicht. „Tomas hat gut gespielt, so wie Robert, so wie Kawika (Shoji, d.Red.). Es war eine sehr starke Mannschaftsleistung.“

