Volleyball

BR Volleys unterliegen VfB Friedrichshafen

Die Teams lieferten sich einen sehenswerten Schlagabtausch auf Augenhöhe. Die Berliner mussten sich geschlagen geben. Das setzt die Volleys unter Erfolgsdruck. Ihr Heimvorteil ist futsch.

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Die Spieler des VfB Friedrichshafen lagen sich in den Armen, hüpften und tanzten und verbreiteten eine Stimmung, als seien sie schon der neue Deutsche Meister. Ihre Kontrahenten der BR Volleys dagegen schlichen geknickt vom Parkett der Schmeling-Halle, obwohl freundlich aufgemuntert von rund 7000 Zuschauern, die zuvor ein packendes Volleyballspiel gesehen hatten. Mit dem besseren Ende für die Schwaben: Die Mannschaft von Trainer Stelian Moculescu gewann 3:2 (14:25, 25:21, 25:21, 26:28, 15:13) gegen den Titelverteidiger und ist damit in der Finalserie nach dem Modus „Best of five“ mit 1:0 in Führung gegangen.

Im unpassendsten Moment

Seit Oktober vergangenen Jahres hatten die Berliner um Platz eins in der Bundesliga gekämpft und diesen schließlich am letzten Spieltag der Punkterunde auch dem VfB weggeschnappt. Ein vermeintlich entscheidender Vorteil, denn dieser Rang garantiert in jeder Play-off-Runde den Heimvorteil im letzten Spiel, wenn eine Serie komplett ausgespielt werden muss. Dieses Plus haben die Berliner im Finale jetzt erst einmal verloren. Die komplette Saison über hatten sie keine einzige Niederlage vor heimischem Publikum hinnehmen müssen, wenn es gegen nationale Konkurrenz ging. Aber am Sonntag ist es passiert – im unpassendsten Moment.

„Es ist nur das erste Spiel und nicht das Ende der Welt“, versuchte Volleys-Kapitän Scott Touzinsky nicht zu negativ zu denken. „Letztes Jahr ist uns das auch gegen Friedrichshafen passiert, aber dann wir haben wir dort gewonnen und sind Meister geworden. Das müssen wir jetzt eben wieder schaffen.“ Die erste Gelegenheit dazu besteht am Mittwochabend, wenn die Berliner in der ZF-Arena am Bodensee antreten. Das dritte Spiel findet am Sonnabend (19.30 Uhr) erneut in der Schmeling-Halle statt.

Die Vorstellung, dass dann bereits die Finalserie im Schnelldurchgang beendet werden könnte, wiesen beide Teams von sich. „Jetzt müssen wir erst einmal auch im zweiten Spiel unsere Leistung bringen“, warnte Moculescu vor zu viel Übermut. Allein das Ergebnis sage ja aus, wie nah die Mannschaften beieinander liegen. „Unsere Vergleiche sind jedes Mal sehr knapp“, stimmte Berlins Top-Angreifer Robert Kromm zu, „die Chancen sind immer noch ausgeglichen.“ Eine Vorhersage sei vorher unmöglich gewesen – und sei es immer noch.

Zweiter Satz war der schwächste der Volleys

Sollten die BR Volleys in Friedrichshafen konstant auf einem ähnlichen Niveau spielen wie am Sonntag im ersten Satz, dann haben sie allen Grund zu Optimismus. „Das ging ja ab wie die Feuerwehr“, anerkannte auch der Gäste-Trainer. Kawika Shoji legte zwei beeindruckende Aufschlagserien hin, Kromm schmetterte die Bälle ins VfB-Feld, und Martin Krystof fischte in der Abwehr auch die schwierigsten Bälle noch vom Hallenboden: So dominant haben die Berliner in dieser Saison noch keinen Satz gegen die Häfler gestaltet.

Doch in Durchgang bereits war etwas die Konzentration raus, und die Gäste, die auf ihren verletzten Stamm-Zuspieler Nikola Jovovic verzichten mussten und an seiner Statt den jungen Jan Zimmermann ins Rennen schickten, fanden besser ihren Rhythmus. Und: Sie spielten cleverer, nicht mit so großem Risiko, sondern lieber mit längeren Ballwechseln. „Wir waren da manchmal nicht geduldig genug“, sah auch Kromm. Insbesondere der gebürtige Bulgare Ventceslav Simeonov, zu Recht anschließend zum wertvollsten Spieler gewählt, trickste den Berliner Block mal mit Härte, aber häufig eben auch mit Finesse aus.

Der zweite Satz war der schwächste der Volleys, die ständig einem Rückstand hinterherliefen und ihn nie aufholen konnten. In Abschnitt drei wirkten sie wieder entschlossener, lagen lange in Führung, bis der VfB erstmals 18:17 vorn lag und diesen Vorteil nicht mehr hergab. Die Mannschaft von Mark Lebedew kämpfte zwar verbissen, „aber wir haben da einige Chancen liegen gelassen“, sagte der Coach des Titelverteidigers.

„Die Zuschauer mögen solche Spiele“

Geradezu dramatisch verlief der vierte Satz. Auch da hatten die Berliner stets vorn gelegen, teils mit sechs Punkten, aber erneut zogen die Gäste an und führten plötzlich 23:22. Drei Matchbälle hatte der VfB in der Folge, aber in dieser wichtigen Phase verwandelte Kromm zwei Schmetterschläge, Tomas Kmet gelangen zwei starke Blocks, und Shoji verwandelte schließlich den ersten Berliner Satzball zum umjubelten 2:2-Zwischenstand. Die Fans johlten. 36 Minuten hatte dieser Abschnitt gedauert – und viele spektakuläre Ballwechsel geliefert.

Das Momentum schien nun erneut aufseiten der Gastgeber zu sein. Friedrichshafen schaffte es im Tiebreak zunächst nicht, in Führung zu gehen. Bis zum 11:10. Kurz darauf hatte der bisher zwölfmalige Deutsche Meister beim 14:12 zwei Matchbälle. Den ersten wehrte Paul Carroll noch ab. Den zweiten nutzte jedoch der überragende Simeonov, der mit seinem Angriff Roko Sikiric anschoss. Der Ball flog in weitem Bogen ins Aus, der Friedrichshafener Tanz begann.

„Die Zuschauer mögen solche Spiele“, sagte Lebedew, und jeder verstand: Er mochte es weniger, jedenfalls mit diesem Ausgang. Aber auch er hat die Hoffnung längst nicht aufgegeben, im Gegenteil. „Natürlich können wir auch in Friedrichshafen gewinnen und uns den Heimvorteil zurückholen.“ Aber nur, wenn sein Team seine Möglichkeiten dann auch nutzt. In einem Duell wie diesem auf Augenhöhe kann sich niemand leisten, diese Chancen zu verpassen.