Den Volleys Bottrop wurde im Dezember mitten in der Saison wegen Missmanagement die Lizenz entzogen, bei Generali Haching hat der millionenschwere Hauptsponsor seit längerem seinen Abschied verkündet und ein Nachfolger ist nicht in Sicht, mit dem Moerser SC verabschiedete sich mit dem Aus im Viertelfinale ein Traditionsklub tränenreich in die zweite Liga. Dort hatte Günter Krivec, langjähriger Mäzen des Vereins, seine schützende Hand zurück gezogen.

In der Geschäftsstelle der Deutschen Volleyball-Liga (DVL) am Stralauer Platz in Friedrichshain dürfte man mit einiger Spannung dem 1. April entgegen gesehen haben. Bis zu diesem Tag mussten die Lizenzanträge für die kommende Saison gestellt werden. Die große Frage war: Wer würde sich bei den Männern überhaupt noch trauen, mit den Giganten, den Berliner BR Volleys und dem VfL Friedrichshafen in den Ring zu steigen? Wer bei den Frauen, bei denen der Schweriner SC in den vergangenen drei Jahren nicht minder dominant regierte?

Nach Auszählung der eingegangenen Lizenzanträge scheinen sich die Befürchtungen, dass nur noch zwei Rumpfligen zusammen kämen, nicht zu bestätigen. 13 Männer- und elf Frauen-Bundesligisten bewarben sich um eine Spielerlaubnis. „Das ist ein gutes Zeichen, dass sich Klubs trauen mitzumachen und zu investieren“, sagt Kaweh Niroomand.

Der Manager der BR Volleys wird von allen Seiten, selbst von den Erzrivalen aus Friedrichshafen dafür gelobt, wie er seinen Klub in Berlin aus dem Mauerblümchen-Dasein geholt und damit zur Lokomotive der Entwicklung der Sportart in ganz Deutschland gemacht hat.

Volleyball ist jetzt keine Schulturnhallensportart mehr

Dass diese Lokomotive für andere Klubs vielleicht ein wenig zu schnell fährt, war und ist hier und da in der Liga schon mal zu hören. Pläne, dass Niroomand und seine Volleys den Fuß vom Gas nehmen könnten, gibt es aber nicht. „Wenn eine Lokomotive in Fahrt gekommen ist, kann man sie nicht mehr so leicht drosseln“, sagt Niroomand. „Das Tempo war notwendig, Volleyball ist jetzt keine Schulturnhallensportart mehr und so populär wie noch nie“. Auch bei seinem Klub passiere „nicht alles auf Knopfdruck“, auch dort gäbe es „Herausforderungen. Wir haben sie angenommen“.

Jede Menge Herausforderungen warten auch noch auf die Teams, die jetzt eine Lizenz beantragt haben. Nicht nur bei den Aufsteigern Netzhoppers KW-Bestensee, SVG Lüneburg und TSV Herrsching, die die DVL bei dem „erstmals durchgeführten Vorlizenzierungsverfahren eng auf dem Weg zum Lizenzantrag begleitet hat“, wie Präsident Michael Evers erklärt.

Auch die etablierten Erstligisten haben Sorgen: Der Pokalsieger von 2013, Generali Haching, hat jetzt zum 15. April Zeit, einen oder mehrere Nachfolger für seinen scheidenden Namens- und Hauptsponsor zu finden, um die wirtschaftlichen Lizenzierungsunterlagen einreichen zu können. Beim CV Mitteldeutschland, gegen die BR Volleys mit zweimal 0:3 im Viertelfinale ausgeschieden, haben weder Spieler noch der Trainer einen Vertrag für die kommende Saison. Trainer Ulf Quell würde gern bleiben, bemängelt aber, dass „das klare Bekenntnis seitens der Politik und der Wirtschaft fehlt. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht verbessern, gehen für den Volleyball in den neuen Bundesländern bald die Lichter aus“.

Offensichtlich scheint die Lizenz beantragt zu haben, nur ein erster von vielen Schritt zu sein.