Volleyball

Martin Krystof ist Mister Zuverlässig bei den BR Volleys

Als der Tscheche Martin Krystof nach Berlin kam, war das für ihn die große Chance, sich als Profi durchzusetzen. Seitdem ist er zur Stütze der BR Volleys und einem der besten Liberos der Liga gereift.

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Manchmal, findet Martin Krystof, ist der Beruf des Volleyballprofis ganz schön stressig. Immer Training oder Spiele, die vielen Reisen in der Bundesliga, im Europapokal. Und wenn für seinen Verein BR Volleys mal kein Termin ansteht, dann ruft auch schon die tschechische Nationalmannschaft. „Aber wenn ich nach Hause komme, dann ist das die reine Entspannung“, sagt der 31-Jährige.

Die Familie ist für ihn das Schönste im Leben, lässt ihn alles andere vergessen. Erst recht, seitdem Filip da ist. Vor vier Monaten wurde er geboren. Als es so weit war, hat Krystof etwas für ihn sehr Außergewöhnliches getan. Er ist zu Mark Lebedew gegangen und hat gesagt: „Coach, es geht los, ich muss weg.“

Die Chance, Profi zu werden

Sein Trainer musste keine Sekunde überlegen, dem Wunsch nachzukommen – obwohl es unmittelbar vor dem Bundesligaspiel in Moers geschah. „Er hat in sechs Jahren sonst nie ein Spiel verpasst“, sagt der Australier, „er ist nie verletzt, nie krank, hat nie keine Lust. In jedem Training ist er voll dabei.“ Krystof ist ein Musterprofi und Mister Zuverlässig bei den BR Volleys, dazu „ein supernetter Typ, immer positiv. Er redet nie schlecht“. Von den spielerischen Qualitäten ganz abgesehen: „Martin hat internationale Klasse“, lobt Lebedew, „er ist einer der drei besten Liberos der Liga.“

Diese Position wurde im Volleyball erst 1999 eingeführt. Seine Hauptaufgaben sind Ballannahme und Feldabwehr, es ist eine rein defensive Rolle. Die Spielkleidung des Liberos unterscheidet sich von der seiner Mitspieler; er schlägt nicht auf, er schmettert nicht, er blockt nicht. Er macht keine Punkte. Und trotzdem ist er sehr wichtig für die Mannschaft. „Die Annahme ist das Fundament, das Kellergeschoss des Volleyballs“, erklärt Manager Kaweh Niroomand, „wenn es da nicht stimmt, stürzt das ganze Gebäude ein. Dann stockt das Spiel.“ Wird der Aufschlag des Gegners nicht kontrolliert angenommen, kommt kein vernünftiger Angriff zustande. Seit Jahren macht niemand im Berliner Team diesen Job besser als Krystof.

Ziemlich klein für einen Volleyballspieler, aber wendig und schnell

Er ist mit 1,79 Meter klein für einen Volleyballspieler. Insofern war die Einführung der Liberoposition für ihn ein Glücksfall, seine große Chance, Profi zu werden. Er ist viel wendiger, bei Abwehraktionen schneller am Boden als seine riesigen Kollegen. „Ich bin ja kein Zwerg“, sagt er, „aber als ich angefangen habe mit Volleyball, war meine Größe schon ein Problem.“ Jetzt nicht mehr: „Ich hoffe, ich bin wichtig für die Mannschaft.“

Das ist Krystof, und deshalb wird es auch an diesem Mittwoch (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) wieder auf den Tschechen ankommen, wenn die BR Volleys gegen den CV Mitteldeutschland ins Play-off-Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft einsteigen. „Wir haben jetzt zweimal die Meisterschaft gewonnen, und natürlich wollen wir das ein drittes Mal schaffen. Doch es wird sehr schwer“, ahnt Krystof. Nicht unbedingt gegen die Mitteldeutschen, aber „Friedrichshafen ist besser als letztes Jahr. Dafür haben wir den Vorteil, in jeder Runde zuerst das Heimrecht in unserem Volleyball-Tempel zu haben. Dort fühlen wir uns sehr wohl“.

Auf die Schwaben können die Berliner sowieso erst im Finale treffen. Bis dahin ist also noch Zeit, und die Ruhepausen wird der junge Vater weiter vorzugsweise mit seiner Frau und Filip verbringen. Stundenlang chauffieren die beiden ihren ganzen Stolz durch die Gegend, „manchmal fragen wir uns: Was haben wir eigentlich vorher die ganze Zeit gemacht?“ In der Schmeling-Halle war der Filius noch nicht, aber der Plan der Familie steht fest: Im Halbfinale soll Filip zum ersten Mal dabei sein. Dann wird sich Martin Krystof dort noch wohler fühlen als ohnehin schon.