Volleyball

BR Volleys spielen endlich wieder zu Hause in Berlin

Neun Auswärtspartien am Stück: Das hat die BR Volleys viel „mentale Kraft“ gekostet. Doch nun kehrt der Volleyball-Meister heim in die Schmeling-Halle - zum Pokal-Viertelfinale gegen Coburg.

Foto: Karl Mathis / dpa

Die Situation ist schon kurios. Seit Wochen trägt Srecko Lisinac das Trikot der BR Volleys, hat neun Spiele für den deutschen Volleyball-Meister bestritten in der Bundesliga, in der Champions League und im deutschen Pokal.

Aber am Mittwoch (19.30 Uhr) erst lernt der serbische Mittelblocker den Ort kennen, der einer der Hauptgründe für ihn war, aus der polnischen in die deutsche Liga zu wechseln. Die Berliner Schmeling-Halle.

„Ich habe so viel von der Atmosphäre und den großartigen Fans gehört, dass ich es kaum erwarten kann“, sagt der 21-Jährige vor dem Pokal-Viertelfinale gegen die VSG Coburg/Grub. Nervös sei er nicht, „aber sehr gespannt“.

Man darf annehmen, dass seine Mannschaftskollegen einen großen Anteil an dieser Vorfreude haben. Sicher werden sie ihm in den vergangenen Wochen auf den vielen Dienstreisen davon vorgeschwärmt haben, wenn die BR Volleys in Düren, Moers oder Izmir auflaufen mussten. Das erste und zugleich bisher einzige Heimspiel hatte der Titelverteidiger am 15. Oktober mit 3:1 gegen Haching gewonnen – vor fast 7000 Fans, als Lisinac noch auf der Rückreise von der Junioren-WM in Brasilien war.

Kartennachfrage verteilt sich durch die Masse an Spielen

So viele werden am Mittwoch sicher nicht kommen, denn nach dem Reisemarathon mit neun Auswärtspartien folgt nun eine Serie von fünf Heimauftritten allein im Dezember. Im Januar werden es voraussichtlich sechs weitere sein. Die Fans haben die Wahl, „die Kartennachfrage verteilt sich durch die Masse an Spielen“, wie Manager Matthias Klee erklärt, der auf wenigstens 3000 Zuschauer hofft.

Der Ärger über die unbefriedigende Spielplangestaltung ist inzwischen verraucht, auch weil sich die BR Volleys mit dem Betreiber der Schmeling-Halle, der Velomax, zusammengesetzt haben. „Wir hatten eine sehr gute Aussprache“, berichtet Kaweh Niroomand, Geschäftsführer des fünfmaligen Deutschen Meisters. Beide Seiten hätten nun mehr Verständnis für den anderen. „Wir hoffen, in den nächsten Jahren nicht mehr in eine solche Situation zu kommen.“ Dass nämlich die Halle schon mit anderen Veranstaltungen ausgebucht ist, wenn die Volleyballer mit ihren Terminwünschen an die Velomax herantritt. Wenngleich sich dadurch gewisse Nachteile für die aktuelle Saison nicht wegdiskutieren lassen.

Platz fünf nicht befriedigend

„Wir hoffen, wir kriegen das in den Griff“, sagt Niroomand. Die finanziellen Probleme sind nach seiner Darstellung nicht so gravierend. Er sorgt sich mehr um die sportliche Schieflage. Die BR Volleys sind zwar mit zwei Siegen aus drei Spielen sehr gut in die Champions League gestartet. Doch in der Bundesliga ist Rang fünf sicher nicht das, was sich die Berliner vorgestellt haben.

Nicht nur die Terminplanung, auch die ständigen Abstellungen von Nationalspielern haben ihren Anteil daran. Noch hat weder die Mannschaft ihren Rhythmus gefunden, noch sich das richtige Gefühl für die Saison eingestellt. Füchse, Alba, Eisbären haben schon viele Heimspiele absolviert, „bei uns“, so Niroomand, „haben aber alle das Gefühl: Die Saison hat noch gar nicht begonnen.“

Über die Stadtautobahn zur Schmeling-Halle?

Das soll und kann sich bald ändern, wenn sich die Stimmung in der Schmeling-Halle auf das Team überträgt. „Zwischendurch war es schon schwierig“, gibt Trainer Mark Lebedew zu, „es kostet viel mentale Kraft, ständig unterwegs zu sein.“ Außenangreifer Robert Kromm bestätigt das: „Endlich mal wieder daheim: Jeder von uns freut sich drauf.“ Sogar auf die ersten Trainingseinheiten in der Schmeling-Halle am Montag und Dienstag waren die Spieler heiß. „Es fühlt sich gut an, nicht mehr am Tag vor dem Spiel losfahren zu müssen“, sagt Kromm. Sein Trainer ergänzt: „Und wenn, dann über die Stadtautobahn.“ Zur Schmeling-Halle? Sie sind offenbar wirklich lange nicht mehr dort gewesen.