Kaweh Niroomand (60) ist blendend gelaunt, als er zum Gespräch erscheint. Der Geschäftsführer des deutschen Volleyball-Meisters BR Volleys ist gerade 90 Minuten gejoggt, er hat seine Mannschaft für kommende Saison komplett und freut sich auf die Auslosung der Champions-League-Gruppen am Freitagabend in Wien.

Mit der Berliner Morgenpost unterhielt er sich über ein Final Four in Berlin und die Entwicklung des Volleyballs in Deutschland.

Berliner Morgenpost: Herr Niroomand, hätten Sie drei Wünsche frei für die Auslosung – welche wären das?

Kaweh Niroomand: Attraktive Gegner wäre der erste Wunsch. Zweitens: Nicht zweimal nach Russland reisen müssen wie vergangene Saison. Das dritte wäre, nicht in der Gruppe schon zwei Mannschaften zu haben, die entweder aus Russland, Polen oder Italien kommen.

Ziel ist also erneut das Erreichen des Achtelfinales? Oder mehr?

Wir haben letztes Jahr gezeigt, dass wir an guten Tagen mit Spitzenmannschaften aus Europa mithalten können. Wenn wir diesmal mehr Losglück haben und eine Runde weiter kommen, wäre das für uns ein großer Erfolg.

Würden Sie sich dann auch um die Ausrichtung des Final Four bewerben?

Dieses Jahr noch nicht, aber wir werden demnächst das Gespräch mit dem Berliner Senat suchen, ob man eventuell für 2015 die Voraussetzungen schaffen kann. Das Budget beträgt rund 400.000 Euro. Und wir müssen sehen, ob es in den großen Terminkalender Berlins hineinpasst. Aber es wäre doch super, wenn man das große Champions-League-Finale im Fußball und das kleinere im Volleyball im selben Jahr in Berlin hätte. Außerdem müssen wir natürlich die sportlichen Voraussetzungen schaffen.

Ist denn die Mannschaft jetzt komplett? Sie suchten noch einen Mittelblocker...

...da sind wir fündig geworden. Wir haben den serbischen Nationalspieler Srecko Lisinac für ein Jahr verpflichtet, der gerade in der Weltliga spielt. Das ist ein junger Bursche, sehr talentiert, 21 Jahre alt, 2,05 Meter groß und stand zuletzt beim polnischen Spitzenteam Skra Belchatov unter Vertrag.

Sie wollen die Lokomotive der Bundesliga sein. Gelingt das?

Ja. Die Beschlüsse, die jetzt gerade von der Deutschen Volleyball-Liga getroffen wurden für mehr Professionalisierung der Strukturen zeigen das. Die Vereine müssen mehr an die Liga zahlen und sind dazu bereit; das wäre vor vier, fünf Jahren so kaum durchgegangen. Außerdem sehen wir Tendenzen, es mal in einer größeren Halle zu versuchen. Insgesamt gibt es mehr Vereine, die den Anschluss nach oben finden wollen, die ihre Teams verstärken. Da kommt was in Gang. Die BR Volleys haben, glaube ich, Volleyball gesellschaftsfähig gemacht; vor unserem Umzug in die Schmeling-Halle wurde er als Sport aus Schulturnhallen angesehen. Das hat viele Leute in der Liga motiviert, sie sehen: Wir betreiben nicht eine Sportart, die limitiert ist.

Und was muss als nächstes passieren?

Das A und O ist die Liga. Sie verwaltet jetzt viel Geld der Vereine. Wir reden über 72 Vereine aus den ersten und zweiten Spielklassen. Was nicht sein kann, ist, dass die Klubs in die Liga investieren und nichts passiert. Die Zentralvermarktung muss jetzt gelingen. Ein Ligasponsor gefunden, die Einnahmeseite für die Vereine verbessert werden. Nur so kann es funktionieren. Kriegt die Liga das nicht hin, wäre das fatal.

Sie klingen dennoch positiv. Aber wie passt es ins Bild, dass die Netzhoppers KW aus finanziellen Gründen absteigen mussten und der CV Mitteldeutschland aktuell dicht vor dem gleichen Schicksal steht? Das spricht nicht für professionelleres Arbeiten.

Bei KW zeichnete sich diese Entwicklung seit Jahren ab, da sind auch Managementfehler gemacht worden. Bei Mitteldeutschland ist es sehr schade, dass es nicht gelingt, die Region Leipzig mit einer so großen Volleyball-Tradition mehr zu nutzen. Aber solche Phänomene wird es immer wieder geben, auch in anderen Sportarten. Wir sind ja auch jetzt erst am Anfang einer Entwicklung. Das braucht Zeit. Die Ergebnisse der Beschlüsse können erst in ein, zwei Jahren sichtbar werden.

Insgesamt ist Volleyball in Deutschland nicht auf Rosen gebettet. Jüngst wurden die Bundesmittel für die Sportart vom DOSB gekürzt, die Nationalmannschaft der Männer verzichtet sogar auf Prämien, damit sie an der Weltliga teilnehmen kann...

Diese Entscheidung hat keiner verstanden. Volleyball war ja in London erfolgreich mit dem Gold im Beachvolleyball und Platz fünf der Männer in der Halle. Das ist für mich also nicht nachvollziehbar. Aber ich denke, der neue DVV-Präsident Thomas Krohne hat gute Ideen, um die Vermarktung voranzubringen. Ich bin optimistisch, dass sich das Bild in den nächsten zwei Jahren ändert. Andererseits bin ich der Meinung, dass der Volleyball in Deutschland in erster Linie von der Liga lebt. Die Nationalmannschaft spielt gerade Weltliga, aber niemand kriegt das mit. In anderen Sportarten gibt sie den Schub für die Liga, im Volleyball ist es umgekehrt. Das muss sich ändern, wenn wir das Projekt Volleyball voranbringen wollen. Das setzt voraus, dass das Nationalteam mal bei einem wichtigen Turnier einen großen Erfolg schafft. Das fehlt und ist eine Entwicklung, die mir große Sorgen macht. Wenn dann der Verband durch Mittelkürzungen geschwächt wird, ist das auch für uns als Liga schlecht.