Im vergangenen Jahr, die BR Volleys waren gerade zum vierten Mal Deutscher Meister geworden, verpflichteten sie einen Spieler, der den Verein auf ein neues Level heben sollte und dies auch tat. Nicht zuletzt an den konstanten Leistungen des Italien-Heimkehrers Robert Kromm hat es gelegen, dass die Mannschaft von Trainer Mark Lebedew in dieser Saison ihren Titel souverän verteidigte.
Mehr als ein Ersatz für Galandi
Doch die Berliner haben höhere Ziele, wollen auch in Europa einen Schritt nach vorn machen. Deshalb arbeiten sie emsig daran, den nächsten deutschen Star zu verpflichten: Marcus Böhme soll die Nachfolge des seine Karriere beendenden Mittelblockers Ricardo Galandi antreten. „Wir wollen ihn gern zurückholen“, sagte Volleys-Manager Kaweh Niroomand, „ich habe mit ihm gesprochen. Und Marcus scheint grundsätzlich nicht abgeneigt zu sein.“
Ohne Galandi zu nahe treten zu wollen: Böhme wäre mehr als ein Ersatz. Der 2,11 Meter große gebürtige Berliner ist 150-maliger Nationalspieler, nahm an den Olympischen Spielen in Peking (Platz neun) und London (Platz fünf) teil und wurde 2010 und 2011 Deutscher Meister mit dem VfB Friedrichshafen. Zuvor hatte er für den SV Preußen Berlin, VC Olympia und von 2005 bis 2009 in der Bundesliga für den BR Volleys-Vorgänger SCC gespielt.
Sein Klub in Italien gab wegen finanzieller Probleme auf
Der 27-Jährige wagte im vergangenen Jahr den Sprung ins Ausland, trug für eine Saison das Trikot des italienischen Erstligisten VC Altotevere San Giustino, der allerdings mittlerweile seine Lizenz wegen finanzieller Probleme zurückgegeben hat. Vor Kurzem sagte Böhme in einem Interview, dass er sich gut vorstellen könne, nach Deutschland zurückzukehren oder nach Polen oder Russland zu wechseln.
Mit den Gehältern, die dort versprochen werden, können die Berliner nicht mithalten. „Wir werden sicher nicht die Hälfte unseres Spieleretats für ihn ausgeben“, stellt Niroomand klar. Doch zum einen ist die Rolle des Mittelblockers nicht die Königsposition im Volleyball; diese haben Außenangreifer wie Kromm inne. Und die BR Volleys haben andere gute Argumente.
Berliner sind zu einer Topadresse geworden – auch in Europa
Ihr Aufstieg zur Nummer eins im deutschen Volleyball, die Zuschauerzahlen in der Schmeling-Halle und das starke Auftreten in der vergangenen Champions-League-Saison sind Böhme nicht verborgen geblieben. Zumal der 27-Jährige andere Zeiten vor ein paar hundert Fans in der Sömmeringhalle miterlebt hat. Inzwischen ist Berlin zur Topadresse geworden. Nicht nur in Deutschland, auch in Europa.
Weshalb Niroomand genug andere interessante Mittelblocker angeboten worden sind, aus der Ukraine, Bulgarien oder Brasilien. Doch der Manager kann sich noch sehr gut an den jungen Schlaks erinnern, der in Berlin als Balljunge begann und in seiner Heimatstadt zum Nationalspieler heranreifte. „Ich kann unsere Chancen nicht hundertprozentig einschätzen“, sagt Niroomand, „aber Marcus könnte sich sehr gut vorstellen, an unserem Projekt mitzuarbeiten.“
Der richtige Mann an der Seite des anderen Riesen Kromm
Als er von der Pleite des italienischen Vereins hörte, war es deshalb für den Manager der erste Reflex, Kontakt zu Böhme aufzunehmen. „Es ist ja ein wesentlicher Teil unserer Philosophie, gute deutsche Spieler nach Berlin zurückzuholen. Diese Linie möchten wir fortsetzen.“
Zurzeit bestreitet Böhme mit dem Nationalteam Testspiele in der Slowakei. Nach der Rückkehr soll es bald eine Entscheidung geben. Der 2,11-Meter-Riese Böhme an der Seite des 2,12-Meter-Riesen Kromm: Für die BR Volleys wäre die Verpflichtung eine ganz große Nummer.





