Volleyball

BR Volleys sind am stärksten, wenn sie ins Rotieren kommen

Eigentlich ist das Finale um die deutsche Volleyball-Meisterschaft zwischen BR Volleys und VfB Friedrichshafen ein Duell auf Augenhöhe. Doch das große Plus der Berliner ist ihre stark besetzte Bank.

Foto: Sport Moments / PA/Sport Moments

Der Held des ersten Endspiels am Sonntag zwischen BR Volleys und VfB Friedrichshafen war schnell ausgemacht. Bei 31 Punkten in nur vier Volleyball-Sätzen musste man darüber ja auch nicht lange rätseln. „Paul Carroll hat einen überragenden Tag gehabt, das war der erste Grund für unsere Niederlage“, sagte VfB-Manager Stefan Mau nach dem Berliner 3:1-Sieg.

Der zweite sei gewesen, dass seine Friedrichshafener es im dritten Satz nicht geschafft hatten, ihn bei einer Fünf-Punkte-Führung konsequent zu Ende zu bringen. „Die Berliner“, lobte der Manager, „hören nie auf zu spielen.“ Obwohl, ist hinzuzufügen, sie dabei hin und wieder erst einmal ins Rotieren kommen müssen.

„Wieder einmal hat die Mannschaft gezeigt, wie stark sie ist als Gruppe“, freute sich Berlins Trainer Mark Lebedew. Er konnte es sich leisten, in jenem dritten Satz sein Team gleich auf vier Positionen zu verändern. Dabei erwies sich besonders der Zuspieler-Wechsel von Kawika Shoji zu Sebastian Kühner als Glücksgriff. Aber auch Felix Fischer, für Ricardo Galandi hereingekommen, verließ das Feld nicht mehr. „Unser Rotationsprinzip“, jubelte Fischer, „hat sich wieder bewährt.“

Es gewinnbringend einsetzen kann allerdings nur, wer auf allen Positionen mehrfach stark besetzt ist. Wie die Berliner. In der Stammsechs mag es kaum Qualitäts-Unterschiede zwischen den Finalgegnern im Kampf um die Deutsche Meisterschaft geben. Aber „unsere Bank ist ein großer Vorteil für uns“, sagte Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand.

Erfolgreich, weil die Rotation in Berlin Prinzip ist

Zumal die Rotation in Berlin Prinzip ist und quasi die gesamte Saison über erfolgreich geübt wurde – und selten aus Verletzungsgründen, eher in spielerisch kniffligen Situationen. Mal kommt Kühner für Shoji, mal Galandi für Fischer, mal Björn Höhne oder Roko Sikiric für Scott Touzinsky. „Jeder bei uns kann das Niveau noch einmal deutlich steigern“, sagte Fischer.

Kaum ersetzbar sind nur Robert Kromm und Libero Martin Krystof. Bei den Friedrichshafenern war ein solches Einspielen einer schlagstarken Zwölf unmöglich: Die Mannschaft ist in ihrer jetzigen Zusammenstellung erst seit März komplett, als Valentin Bratoev verpflichtet wurde.

Mit Spirovski steht die nächste Alternative schon bereit

Außerdem funktioniert das Rotationsprinzip nur, wenn es von allen akzeptiert wird – vor allem von denen, die meistens nicht zur Startformation gehören und zuschauen. „Natürlich gibt es auch bei uns eine Stammsechs“, sagte Fischer, „und der Rest weiß das. Jeder weiß aber auch, dass er sich auf den anderen verlassen kann, wenn es bei ihm selbst mal nicht so läuft.“

So muss sich auch Lebedew keine Sorgen machen, sollte Carroll beim nächsten Spiel am Sonntag in Friedrichshafen nicht wieder einen derartigen Supertag erwischen. Für ihn stünde Aleksandar Spirovski bereit, der von einem Bänderriss genesen ist. Und Topscorer war der Routinier in dieser Saison auch schon mehrfach.