Volleyball

Liebeserklärung von Scott Touzinsky an Berlin und BR Volleys

Einmal hat ihn Manager Kaweh Niroomand weggeschickt. Doch der US-Amerikaner Scott Touzinsky kehrte zurück zu den BR Volleys, wurde zum Leistungsträger und möchte für immer bleiben.

Foto: Robert Schlesinger / pa/dpa

Vergangenen Donnerstag ist Scott Touzinsky noch ein bisschen heimischer geworden in Berlin. Seit fast einem Jahr hatten er und seine Frau Angelique einen Kindergartenplatz für ihren Sohn Logan gesucht. Nun haben sie ihn endlich gefunden, ganz in ihrer Nachbarschaft sogar.

Der Zweijährige ist begeistert von den vielen Kindern in seinem Alter und war richtig traurig, als er am Vorstellungstag wieder nach Hause musste. Schon bald, das ist den Eltern klar, wird er mehr deutsche als englische Worte benutzen, wenn er zu Hause von seinen neuen Freunden erzählt. Bisher, berichtet der Vater stolz, hat Logan vor allem eine Vokabel recht häufig benutzt: „Leckerlecker!“

Auch ein Zeichen von Wohlgefühl, und es passt perfekt in das Verhältnis, das die Familie aus den USA zu ihrer Wahlheimat Berlin entwickelt hat. Seit sieben Jahren ist der Olympiasieger von 2008 und aktuelle Kapitän der BR Volleys mit seiner Frau in Europa unterwegs.

Hat in der Türkei gespielt, in Griechenland, Spanien, Slowenien, ein halbes Jahr sogar in Puerto Rico. Er hat anständig verdient, Meisterschaften und Pokale gewonnen, aber immer haben sich beide auf den Sommer zu Hause in Kalifornien gefreut. Bis sie in die deutsche Hauptstadt kamen. „Wir wollen hier nicht mehr weg. Diese Stadt ist Heimat für uns geworden. Ich könnte mir vorstellen, hier für immer zu bleiben.“

Fan von Weihnachtsmärkten und Spielplätzen

Nun ist Touzinsky auch jemand, der gut schwärmen kann. So spricht er völlig begeistert von den Weihnachtsmärkten, sie sind das Größte für ihn. Und die vielen Spielplätze: In den USA, sagt er, müsse man kilometerweit dafür fahren. Hier scheinen überall welche zu sein. „Die Deutschen gehen gut mit ihren Familien um“, lobt er. Das klingt alles sehr nett. Will da jemand Schönwetter machen?

Damit wird man Touzinsky, der am Montag 31 Jahre alt wird, nun wieder nicht gerecht. Denn ihm gefällt noch etwas anderes, die direkte Ansprache, die Berliner Schnauze: „Du musst sie nicht eine Viertelstunde fragen, wie es ihnen geht, ihrer Frau, ihren Kindern. Brauchst du Hilfe, frag direkt. Komm auf den Punkt – sie halten es genauso.“ Völlig verblüfft hat es ihn, wie schnell die Fans ihn in ihr Herz geschlossen haben. Sie haben ihn und seine Familie sogar zu sich nach Hause eingeladen und sind selbstverständlich zum Gegenbesuch erschienen. „Dieser Verein, die Schmeling-Halle, diese Fans, das ist wie eine große Familie“, sagt er.

Gegen Friedrichshafen werden 7000 Zuschauer erwartet

Das ist ein Ort, wo es sich als Mensch gut leben lässt – und als Volleyballspieler. Ein Pfund dazu im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. An diesem Sonntag empfangen die BR Volleys im ersten Match der Finalserie den VfB Friedrichshafen (15 Uhr, Schmeling-Halle), und er freut sich auf die erwartungsfrohen Fans. Mindestens 7000 werden erwartet. „Unsere Gegner kommen nicht gern her, sie wissen ja, was sie erwartet.“ In dieser Saison waren die BR Volleys daheim für deutsche Kontrahenten nicht zu schlagen. Touzinsky sieht das als einen von drei großen Vorteilen im Vergleich mit den Schwaben. Dazu, meint er, seien die Berliner individuell stärker und auch als Team geschlossener. „Wenn wir das zeigen, werden wir Meister.“

Dass die Harmonie in der Mannschaft so gut ist, daran hat der Kapitän natürlich seinen Anteil. „Scott macht da einen super Job. Durch ihn besteht ein sehr guter Kontakt zwischen mir und der Mannschaft“, lobt Trainer Mark Lebedew den Amerikaner. „Ich weiß, wenn irgendwas vorkommt, kann ich zu ihm gehen, und es wird sofort geklärt.“ Missverständnisse, Unruhe, Eitelkeiten können so gar nicht erst aufkommen. Direkte Ansprache, das hat Touzinsky hier gelernt, ist der beste Weg, so etwas zu verhindern.

Touzinsky will Profi bleiben, bis er 35 Jahre alt ist - mindestens

Er hat aber auch schon unliebsame Erfahrung damit machen müssen. Nach seiner ersten Saison in Berlin, 2010/2011, war das. Da hat ihm Kaweh Niroomand unverblümt erklärt, dass er gehen müsse. Der Manager war nicht zufrieden mit den Leistungen des Außenangreifers. Schwer gelitten hat er, aber es zugleich als Ansporn verstanden. Und als ihm Niroomand ein halbes Jahr später eine zweite Chance gab, führte er die BR Volleys zum ersehnten Titel. Seine Frau hatte ihn beschworen: „Bitte Scott, hol die Meisterschaft, damit wir in Berlin bleiben können.“ Er biss sich trotz einer Knieverletzung durch. Sein Vertrag wurde um zwei Jahre verlängert. Plus Option bis 2015.

Geht es nach ihm, bleibt er. Bis er 35 Jahre alt ist, will Scott Touzinsky Profi bleiben, mindestens. Und beim nächsten Interview, verspricht er, wird er auch auf Deutsch antworten. Mit Logans Hilfe könnte es klappen.