Es wäre ein würdiger Rahmen gewesen. Erstmals hatten die BR Volleys die Schmeling-Halle mit 8553 Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die zweite Meisterschaft in Folge konnten die Berliner mit ihren Fans aber nicht feiern.
Sie verloren am Donnerstag das dritte Finalspiel gegen den VfB Friedrichshafen mit 1:3 (22:25, 21:25, 25:23, 20:25). Noch führen die Volleys in der Best-of-Five-Serie mit 2:1. Am Sonntag (18 Uhr) haben sie den zweiten Matchball, können mit einem Auswärtssieg beim VfB alles klar machen.
Rekordkulisse als Belastung
„Wir haben uns für unser schlechtestes Spiel der Saison den schlechtesten Zeitpunkt ausgesucht“, erklärte Volleys-Kapitän Scott Touzinsky. „Wir sind so gut, wenn wir als Team zusammen spielen, aber genau das ist uns heute nicht gelungen.“
Der Wunsch von Manager Kaweh Niroomand, dass der „Heimvorteil zu Stärke“ würde, erfüllte sich schon gleich von Beginn an nicht. Die Mannschaft schien von der Vorstellung gehemmt, in einigen Stunden mit der Goldmedaille um den Hals auf die Meisterschaft anstoßen und dann in den Urlaub gehen zu können.
Bei 0:4 musste Mark Lebedew die erste Auszeit nehmen. „Die ersten drei Bälle waren ganz einfach verkorkst“, erklärte Niroomand. „Und das hat es uns psychologisch gleich von Beginn an schwer gemacht. Oftmals ist eine Kulisse wie heute stimulierend, manchmal aber auch eine Belastung. Heute hat keiner unserer Spieler seine Normalform erreicht.“
Die Gäste waren, wie es der Coach der Volleys erwartet hatte, bis zum Letzten entschlossen in die Partie gekommen, weil es für sie ja „um Leben und Tod“ ging. Friedrichshafen griff variabler an, der Block stand.
Bis zum 2:8 verbesserte sich das Spiel der Hausherren. Erst dann brachten Paul Carroll und Felix Fischer die bislang eher verwunderten Fans in Finalstimmung. Die Berliner kämpften sich in der Folge Punkt für Punkt und schließlich bis zum 20:21 heran, den Satz gewannen sie aber nicht mehr, die Gäste spürten jetzt, dass ihre Saison an diesem Abend längst noch nicht zu Ende gehen muss – 22:25.
Riskante Aufschläge und Schmetterbälle zu oft im Aus
Im zweiten Durchgang blieb das emotionale Gefälle zwischen beiden Teams trotz des Berliner Comebacks erst ähnlich deutlich. Dennoch nahm er einen anderen Verlauf. Bis zum 8:8 war es keiner der beiden Mannschaften möglich, sich mit mehr als zwei Zählern abzusetzen.
Dann aber hieß es bald 9:14. Carroll war mehrfach am Block gescheitert, riskante Aufschläge und Schmetterbälle der Hausherren waren, anders als die der Gäste, zu oft im Aus gelandet.
Die BR Volleys rannten wieder hinterher. Lebedew versuchte es mit Björn Höhne anstelle von Kapitän Scott Touzinsky, Roko Sirikic kam für Robert Kromm. Mehr, als sich beim 17:18 wieder einen Moment lang in Schlagweite zu bringen, ließ der überragende Block der Gäste mit Max Günthör in der Hauptrolle aber erneut nicht zu. 21:25.
Die Körpersprache der Berliner änderte sich von einem Moment zum anderen. Es waren Kromms emotionale Ausbrüche, die das Klima veränderten und natürlich seine Schmetterbälle und Blöcke, die jetzt saßen. Aus einem 6:8 wurde ein 12:9 und dann sogar ein 23:18. Aber souverän waren Lebedews Männer längst noch nicht. Sie vergaben fünf Satzbälle, bevor sie Friedrichshafens Ventzislav Simeonov mit einer Netzaufgabe erlöste. 25:23 – die Volleys lagen nur noch 1:2 zurück.
Nächstes Spiel am Sonntag
Die Gäste, die über weite Strecken von sich überzeugter schienen als ihr Gegenüber, blieben vom Verlust des dritten Satzes nahezu unbeeindruckt. Sie schienen ihrem Trainer Stelian Moculescu geglaubt zu haben. „Wir wären nicht nach Berlin gefahren, wenn wir keine Chance hätten“, hatte der gewohnt gelassen verkündet. Bei den Berlinern hingegen war das Feuer, das im Satz zuvor kurz mal aufgeflackert war, bald wieder erloschen.
Bis zum 6:8 schien der Ausgleich nach Sätzen noch möglich, aber daraus wurde schnell ein 6:12. Beim Stand von 8:15 warf Lebedew mit Sebastian Kühner und Aleksandar Spirovski frische Kräfte in die Partie. Aber die war jetzt entschieden. Die Berliner verloren den vierten Satz 20:25, nachdem noch einmal bei den allergrößten Optimisten ein Funke Hoffnung aufgekommen war, und vergaben damit ihren ersten Matchball. Zwei haben sie noch.
„Die Friedrichshafener haben sehr gut gespielt. Sie haben uns mit ihren Aufschlägen unter wirklich großen Druck gesetzt“, erkannte Berlins Carroll fair an. Touzinsky war von Friedrichshafen auch „in besonderem Maße beeindruckt“. Dann sagte der Kapitän tatsächlich: „Natürlich wäre es toll gewesen, hier vor 8500 zu gewinnen, aber ganz ehrlich: Ich hole Meisterschaften am liebsten in der Halle des Gegners, weil es für die Heimmannschaft dann ein wirklich harter Schlag ist.“ Wenn der Kapitän sein Team überzeugen kann, lässt das für den Sonntag hoffen.





