Ganz sicher wird es sehr emotional zugehen in der Finalserie um die deutsche Volleyball-Meisterschaft. Jedenfalls von dem Moment an, in dem der Ball im Spiel ist zwischen Titelverteidiger BR Volleys und Rekordmeister VfB Friedrichshafen (erstes Spiel nach dem Modus „Best of five“ am Sonntag, 15 Uhr, Schmeling-Halle). Da stehen sich immerhin Dauerrivalen gegenüber, und manch einer hat auf der anderen Seite des Netzes seinen Lieblingsfeind ausgemacht.
Zwölfmal Meister, elfmal Cupsieger
Trotzdem fliegen vor der sportlichen Auseinandersetzung keine Giftpfeile hin und her wie etwa im Fußball bei Bayern München und Borussia Dortmund. „Ich sehe den VfB nach wie vor als erste Kraft in Deutschland“, lobt Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys, „um an die heranzureichen, müssen wir noch lange arbeiten.“ Stefan Mau, sein Kollege vom Bodensee, wählt eine andere Perspektive, nicht weniger respektvoll: „Die Berliner sind auf sehr gutem Wege. Wir müssen schauen, dass sie uns nicht davonlaufen.“
So ist die Finalserie zwischen beiden Teams mehr als eine Momentaufnahme. Sie kann einen sich schon abzeichnenden Wechsel an der Spitze verfestigen. Oder ihn wieder bremsen. Der Rekordmeister trifft auf die Volleyball-Zukunft. Zwar wird die sportliche Bilanz noch über Jahre für die Schwaben sprechen: zwölf Deutsche Meisterschaften gegen vier der Berliner, elf Pokalsiege gegen drei, 58 Erfolge im direkten Vergleich gegenüber 26. Dazu hat der VfB 2007 die Champions League gewonnen, stand 2000 im Finale – Resultate, von denen die BR Volleys noch träumen. Fakt ist aber auch, dass sie alles dafür tun, damit diese Träume Realität werden.
Der VfB hat gruselige Monate hinter sich
„Mit Begeisterung“, sagt Mau, betrachte er die Entwicklung in Berlin und wie sich die Berliner in der Champions League geschlagen haben. Novosibirsk bezwungen, Kasan zweimal am Rand einer Niederlage gehabt – die Häfler können sehr wohl einschätzen, was das bedeutet. Der VfB dagegen hat gruselige Monate hinter sich. In Europa in der Vorrunde gescheitert, im Pokal leer ausgegangen, in der Bundesliga siebenmal verloren: „Seit Stelian Moculescu hier Trainer ist (seit 1997, d.Red)“, sinniert der Manager, „hat es so etwas nicht gegeben.“ Grund waren vor allem personelle Probleme, Ausfälle vermeintlicher Leistungsträger und eine „gewisse Unruhe in der Mannschaft“.
Aber Friedrichshafen ist eben Friedrichshafen. Auf über zwei Millionen Euro wird der Saisonetat geschätzt (Berlin 1,5), und erstklassiger Ersatz war bald verpflichtet: der ehemalige deutsche Nationalspieler Sebastian Krause kam aus Griechenland und die Bulgaren Ventzislav Simeonov und Valentin Bratoev aus Italiens höchster Spielklasse. Gegen Saisonende hatte sich das neue Team eingespielt. Und schaltete prompt im Halbfinale Pokalsieger Haching aus. „Nach so einer Saison im Finale“, wundert sich sogar Mau, „da sind wir ein bisschen stolz drauf.“
Respekt ja, aber Angst haben die Schwaben nicht
Im Stolz verharren wollen sie am Bodensee deshalb nicht, ganz egal, wie die Finalserie jetzt ausgeht. „Diese Saison hat allen mal gut getan“, sagt der Manager, „weil sie gezeigt hat, dass nichts ein Selbstläufer, sondern alles harte Arbeit ist.“ Ein Weckruf sozusagen. Handlungsbedarf sieht er in mehreren Bereichen. Die Präsenz in den sozialen Netzwerken soll verbessert werden. Und die Friedrichshafener Arena bietet zwar knapp 4000 Zuschauern Platz, in dieser Saison war sie jedoch im Durchschnitt nicht mal zur Hälfte gefüllt. „Dauerhaft ausverkauft – das müssen wir hinkriegen“, fordert Mau. Der Komfort soll verbessert werden, die Attraktivität. Vor allem: „Wir brauchen eine stärkere Verankerung und emotionale Bindung an die Region.“ Die Entwicklung in Berlin sei erfreulich, „was Besseres konnte nicht passieren“. Für den langjährigen Marktführer heißt das jedoch auch: „Wir müssen wachsam sein.“
Mehr aber auch nicht, hält Moculescu bei allem Respekt dagegen: „Berlin ist aktuell sicher die Nummer eins, als Meister und so wie sie die Bundesligasaison gespielt haben.“ Mit dieser neuen Hackordnung werde sich in Friedrichshafen allerdings niemand zufriedengeben, warten wir erst mal die nächsten 15 Jahre ab, sagt der Trainer: „Wir fürchten uns jetzt nicht.“ Auch Nationalspieler Max Günthör erkennt die Favoritenrolle des Meisters wohl an, gibt sich aber angriffslustig: „Wir hoffen schon, dass wir den Fans ein spannendes Finale bieten können.“ Wäre ja auch langweilig, so ganz emotionslos.





