Volleyball

BR Volleys machen ersten Schritt Richtung Titelgewinn

Die BR Volleys haben das Auftaktspiel der Finalserie gegen Friedrichshafen zu Hause vor 7683 Zuschauern mit 3:1 gewonnen. Wertvollster Spieler des Abends war Matchwinner Paul Carroll.

Foto: Ole Spata / dpa

Es war bis dahin schon ein gutes Spiel von Paul Carroll gewesen, mit vielen punktgenauen Angriffsschlägen, sogar gelungenen Blockaktionen. Nur eines wollte ihm partout nicht gelingen. Die Aufschläge des Australiers in Diensten der BR Volleys landeten entweder im Netz oder im Aus.

Nun stand er im dritten Satz wieder beim Service, der VfB Friedrichshafen führte 18:14, und das erste Spiel der Finalserie um die deutsche Volleyball-Meisterschaft drohte für den Titelverteidiger zum Desaster zu werden. Aber nach zwei Assen und drei weiteren harten und platzierten Aufschlägen Carrolls führten die Berliner 19:18.

Es war der Wendepunkt zugunsten der Gastgeber, die am Sonntag vor 7683 feiernden Zuschauern in der Schmeling-Halle mit 3:1 (27:25, 23:25, 26:24, 25:15) gewannen. In der Serie nach dem Modus „Best of five“ gingen sie 1:0 in Führung; die zweite Partie findet am Sonntag (18 Uhr) in Friedrichshafen statt.

Paul Carroll überragt mit 31 Punkten

„Das war richtig knapp“, sagte Matchwinner Carroll, der 31 Punkte erzielte und zum wertvollsten Spieler des ersten Finales gekürt wurde. Was nur für die Sätze eins, zwei und drei galt – im Schlussabschnitt war der Rekordmeister aus Friedrichshafen leer und ausgebrannt. „Es hing immer am seidenen Faden“, ergänzte der Berliner Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „ein hartes Stück Arbeit für uns. Entscheidend war der dritte Satz.“ Als Carroll seinen Aufschlag fand.

Doch er war nicht der einzige Spieler, der in dieser Phase den Unterschied machte. Coach Mark Lebedew nahm, als die Partie in Schieflage zu geraten schien, seinen ersten Zuspieler Kawika Shoji heraus und brachte dafür Sebastian Kühner. „Das war spielentscheidend“, lobte Niroomand diesen Wechsel des Trainers.

Der formulierte es etwas bescheidener: „Wir hatten in dem Moment ein Loch im Zuspiel und in der Annahme. Basti hat einen anderen Blick auf das Geschehen, und das Tempo verändert sich im Spiel. Vielleicht war es ja mitentscheidend.“

Der dritte Satz war spielentscheidend

Die ersten Sätze waren komplett ausgeglichen. Beide Teams agierten hochkonzentriert und fast ohne Fehler. Beinahe folgerichtig stand es deshalb nach zwei Durchgängen verdient 1:1; der dritte Satz, so viel war klar, würde sehr wichtig werden für den Ausgang.

Und der VfB schien nun tatsächlich die Oberhand zu gewinnen und den Berlinern, die in dieser Saison im „Volleyball-Tempel“ gegen nationale Konkurrenz noch ungeschlagen sind, den Schneid abzukaufen.

Bis Lebedew reagierte. Kühner kam für Shoji, in der Blockabwehr Felix Fischer für Ricardo Galandi. Besonders die erste Entscheidung war ein Treffer. Kühner strahlte natürlich, wollte seine Leistung aber nicht zu hoch hängen. „Jeder trägt sein Teil bei, heute war ich dran“, sagte der 26-Jährige.

Der Druck daheim zu gewinnen lastet jetzt auf den Schwaben

Derjenige, der sonst in dieser Saison meist der herausragende Mann der Volleys war, hatte diesmal eine kleinere Rolle, trotz seiner 2,12 Meter Körpergröße. Robert Kromm kam aber immerhin auch noch auf 18 Punkte. „Heute konnte ich nicht so glänzen“, sagte der Diagonalangreifer, „aber das ist doch egal. Wir haben gewonnen.“ Und damit auch die Last auf den Schultern verringert.

Der Druck, daheim gewinnen zu müssen, lastet jetzt auf den Schwaben. „Ich freue mich darauf“, sagte dennoch VfB-Nationalspieler Max Günthör, „das wird eine schöne Geschichte. Dann haben wir die Zuschauer hinter uns.“ Trotz der Niederlage war er nicht am Boden zerstört: „In den ersten drei Sätzen war es das Niveau, das so ein Finale verdient hat.“ Auch vonseiten seiner Mannschaft, der wenig fehlte, um in Berlin die Überraschung zu schaffen.

Berlins Trainer Lebedew wütend auf sein Gegenüber Moculescu

An Niveau mangelte es nur kurzzeitig im zweiten Satz, als Lebedew wütend an der Seitenlinie in Richtung der Friedrichshafener Bank gestikulierte. Er ärgerte sich über eine abfällige Geste seines Gegenübers Stelian Moculescu.

Was hatte der gebürtige Rumäne getan, den Mittelfinger gezeigt? „Dazu sage ich nichts“, verweigerte Lebedew hartnäckig eine Auskunft. Aber in jedem Fall hatte er beim Schiedsgericht protestiert. Vielleicht hat die Sache noch ein Nachspiel.