Manchmal scheint es so, als wären die BR Volleys kaum noch aufzuhalten. Durch die Volleyball-Bundesliga ist der Deutsche Meister gewedelt wie ein talentierter Skirennläufer auf einer Anfängerpiste: In 20 Punktspielen rutschte er nur einmal aus, beim 2:3 in Bühl. Sogar den weit anspruchsvolleren Berg Champions League meisterten die Berliner besser als gedacht, bezwangen als einzige Mannschaft Europas den späteren Champion unter den Champions, Lokomotiv Novosibirsk.

Im Play-off um die Deutsche Meisterschaft war der Einzug ins Finale über die Konkurrenten VC Dresden und TV Bühl schnell gemacht. All dies gelang unter dem Beifall einer erneut gewachsenen Fankulisse von jetzt durchschnittlich 4357 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle. Beim Volleyball. In Deutschland. Und das große Finale gegen den VfB Friedrichshafen kommt ja noch (erstes Spiel nach dem Modus „Best of five“ am Sonntag, 15 Uhr).

Berliner erstaunen sich selbst

Geschäftsführer Kaweh Niroomand staunt selbst. „Der Meistertitel hat sicher ebenso noch mal einen Schub gegeben wie unsere Auftritte in der Champions League“, sagt er. Allein die Hoffnung, dass nun die Konkurrenz dem leuchtenden Vorbild eiligen Schrittes folgen werde, hat sich nicht erfüllt. Jedenfalls noch nicht. Pokalsieger Generali Haching war mutig, probierte es mal mit dem Umzug in die Münchner Olympiahalle, gleich zu Saisonbeginn gegen den Meister aus Berlin.

Knapp 4000 Zuschauer kamen zu der Partie, enorm für die Liga, aber nicht genug, um schwarze Zahlen zu schreiben. „Reinigung, Strom, Aufbauzeit, das muss alles finanziert werden“, erklärt Hachings Manager Josef Köck, warum ihn der Tatendrang schnell verließ. Zur Deckung der Kosten wären 6000 bis 7000 Zuschauer nötig gewesen. So blieb es bei dem einen Versuch. In der nächsten Saison wollen sie es vielleicht im Audi-Dome von Bayern München probieren – zu günstigeren Konditionen.

Thomas Krohne hat darüber mit Uli Hoeneß gesprochen, und Köck wartet jetzt mal ab, was der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes beim Bayern-Präsidenten erreicht hat. „Sicher ist es unser Ziel, dauerhaft zumindest unsere Topspiele in einer größeren Halle auszutragen“, sagt Köck. In der heimischen Generali-Arena finden gerade mal rund 1500 Fans Platz.

Entwicklung der BR Volleys soll anderen Rückenwind geben

Das ist in etwa repräsentativ für die Bundesliga außerhalb Berlins und Friedrichshafens (4000). So geht es nicht vorwärts, gerade in Konkurrenz zu Handball, Eishockey oder Basketball. „Die Schwächen sind erkannt“, sagt Krohne, „wir arbeiten daran, aber es geht nicht so schnell, sie zu überwinden.“ Grundsätzlich sei er sehr zufrieden mit der Entwicklung der Bundesliga und der Arbeit des Ligaverbandes DVL.

Der hat jetzt einen Masterplan für die nächsten vier bis acht Jahre vorgelegt, der Antworten finden soll auf die vielen Fragen, wie es aufwärtsgehen soll. Volleyballer neigen dazu, sich selbst ein bisschen zu bedauern. Doch der Fleißige, das haben die BR Volleys gezeigt, wird belohnt. „Es tut sich was“, sagt Daniel Sattler, der DVL-Pressesprecher, „Berlins Entwicklung gibt Rückenwind und zeigt, dass es geht.“ Um zu Veränderungen zu kommen, sieht er verschiedene Möglichkeiten. Über die Lizenzauflagen sollen Standards erhöht werden, da geht es um Budgethöhen, Hallenkapazitäten, hauptamtliches Management. „Wir wollen einen Professionalisierungsschub erreichen“, sagt Sattler.

Mehrheiten in der Liga sind nur schwer zu erreichen

Doch um solche Pläne durchzusetzen, braucht es Mehrheiten, und die sind nicht so leicht zu bekommen in der „sehr heterogenen Liga“ (Sattler). So einfach ist es nicht, etwa die BR Volleys, VfB Friedrichshafen, Moerser SC und die Volleys Bottrop auf eine Linie einzuschwören. Deshalb versucht es die DVL neben den direktiven Maßnahmen auch auf anderem Wege: indem sie berät, ihren Service verbessert und Mut macht, auf freiwilliger Basis etwas zu tun. So wie die Lokomotive BR Volleys. „Wir könnten mehr Visionäre vertragen, die auch eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen“, sagt Sattler, „und die einen so langen Atem haben wie die Berliner. Die wussten ja auch vorher nicht, wie viele Zuschauer in die Schmeling-Halle kommen.“

Erzwingen könne man solches Denken allerdings nicht. Dem einen oder anderen Manager sind vielleicht auch noch die negativen Beispiele in Eltmann und Gotha präsent, die sich finanziell übernommen hatten und jetzt wieder in der sportlichen Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.

In Steine statt in Beine investieren

Manager wie Köck sind ja bereit, in Steine statt nur in Beine zu investieren. „Wenn wir Volleyball nach vorn bringen wollen, ist der Berliner Weg der einzig richtige“, sagt er, gibt aber auch Wünsche an die DVL zurück: „Die Liga braucht einen Hauptsponsor und mehr TV-Präsenz. Dann kannst du auch in größere Hallen gehen.“

Ein bisschen haben beide recht, Köck und die Liga, würde vermutlich Niroomand antworten. „Anfangs muss man selbst investieren, dadurch kommen neue Partner, und das neue Geld muss in die Infrastruktur gesteckt werden“, beschreibt er die eigene Handlungsweise, „das ist wie ein Kreislauf.“ Ihm ist eines jedenfalls klar geworden: „Wären wir in der Sömmeringhalle geblieben, hätten wir diesen Sponsorenpool, den wir jetzt haben, nie gekriegt.“ Und eine Saison wie diese vermutlich auch nicht erlebt.