Solch eine Rückfahrt kann grausam sein. Man hat ein anstrengendes Spiel in den Knochen, ist erst um 23 Uhr in den Mannschaftsbus gestiegen und acht Stunden später nach halbdurchschlafener Nacht gerädert in Berlin angekommen. Wenn man dann auch noch verloren hat, scheint alles noch ein bisschen mehr weh zu tun. Doch von solchen Schmerzen blieben die Spieler des deutschen Volleyball-Meisters BR Volleys verschont.

Trainingsfreier Sonntag

Sie konnten den trainingsfreien Sonntag sogar genießen. Denn sie hatten das zweite Play-off-Halbfinale beim TV Bühl mit 3:1 (20:25,25:22, 25:15, 25:19) gewonnen und können am Mittwoch (19.30 Uhr) mit einem weiteren Erfolg in der Schmeling-Halle die Play-off-Serie mit 3:0 beenden. Und das angestrebte Finale erreichen.

Dass es kein leichter Sieg werden würde, vor einer lautstarken Kulisse und gegen einen hungrigen, jungen Kontrahenten, das war den Berlinern vorher klar. Aber als der erste Satz verloren war, geriet die Lage noch ein bisschen komplizierter. „Wir mussten lange nicht mehr richtig kämpfen für einen Sieg, das war wichtig heute“, sagte Volleys-Trainer Mark Lebedew.

Im ersten Satz förmlich überrannt worden

„Im ersten Satz“, sagte Diagonalangreifer Robert Kromm, „haben wir richtig Grütze gespielt und sind förmlich überrannt worden“. Aber das Team war deshalb nicht frustriert, blieb ruhig, denn „wir wussten ja, wie sich das anfühlt“. In der Punkterunde hatten die Berliner am Rande des Schwarzwaldes noch 2:3 verloren. Diesmal machten sie es viel besser.

„Im Kopf sind wir stark geblieben“, sagte Kromm, „da zeigt sich die Moral der Truppe“. Er und der Australier Paul Carroll setzten die Gastgeber mit ihren Schmetteraufschlägen mehr unter Druck, die Blockabwehr um den starken Ricardo Galandi funktionierte nun deutlich besser, und die Partie kippte.

Knapper Sieg soll im Finale helfen

Das Publikum wurde erst etwas ruhiger, als die Gäste in der Schlussphase des zweiten Durchgangs ihre Stärken ausspielten, dann sehr ruhig, als der dritte Satz doch recht einseitig verlief. „Als wir das Spiel wieder in unsere Hand bringen konnten, wurde es schwer für Bühl.“ Kromm sammelte einmal mehr die meisten Punkte (20), ihm folgten Kapitän Scott Touzinsky (15), Carroll (13) und Galandi (10).

Der Sieg geriet nicht mehr in Gefahr, aber er fiel auch nie leicht, wie schon die Dauer von 1:44 Stunden zeigt. Alles zusammen wird dem Selbstvertrauen in der entscheidenden Saisonphase einen weiteren Schub geben, glaubt Kromm: „Das wird uns in schwierigen Situationen helfen.“ Die stehen anscheinend bevor, so, wie sich das andere Halbfinale entwickelt.

Dort führt Rekordmeister VfB Friedrichshafen 2:0 gegen Pokalsieger Haching und scheint im richtigen Moment zu alter Stärke zurückgefunden zu haben. Die Busfahrt an den Bodensee ist übrigens noch ein bisschen länger als nach Bühl.

diw/BM