Marathon

Einmaliger Mix aus Stimmung und schneller Strecke

Die „Hahner-Twins“ sind Deutschlands Zukunftshoffnung beim Marathon. Lisa kuriert derzeit eine Verletzung aus, deswegen startet in Berlin nur die 24-jährige Anna. Doch die hat ehrgeizige Ziele.

Foto: Hans Punz / pa / dpa / Hans Punz

Anna Hahner hat ein klares Ziel: Um 11.13 Uhr will sie an diesem Sonntag am Brandenburger Tor die Hände hochreißen. Dann hat sie – wahrscheinlich – eine neue persönliche Bestmarke erreicht: eine Zeit unter 2:27:55 Stunden. Die 24-jährige Hessin ist optimistisch, dass das klappt: „Ich bin topmotiviert. Ich merke, wie fit mein Körper ist. Ich bin völlig beschwerdefrei.“ Letzteres betont sie besonders. Es scheint keine Alltäglichkeit im Leben einer Marathonläuferin zu sein. „Es ist oft so, dass es irgendwo zwickt.“ Das verwundert wenig bei 200 Trainingskilometern, die sie jede Woche abspult.

Hahner ist eine Besonderheit im deutschen Marathonsport: Sie vermarktet sich gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Lisa professionell als „Hahner Twins“, die laufenden blonden Zwillinge. Nachdem die beiden im vergangenen Jahr ihr Studium abgeschlossen haben, entschieden sie, vom Laufen leben zu wollen. „Wir sind nicht nur Profisportlerinnen, sondern auch Sportunternehmerinnen“, sagt Anna Hahner. Dementsprechend wichtig ist ihr die große TV-Präsenz beim Berlin Marathon. „Sonst läuft man und keiner kriegt es mit.“

Ein starkes Rennen ist also nicht nur für die Sportlerin, sondern auch die Unternehmerin Anna Hahner wichtig. Wobei wenig gegen eine gute Zeit spricht: Hahner ist Berlin-Expertin. Hier lief sie 2012 beim Marathon in 2:30:37 Stunden als beste Deutsche über die Ziellinie und gewann im Juli dieses Jahres bei der Citynacht über zehn Kilometer.

„Ich fühle mich superwohl in der Stadt“, sagt sie, „vor allem, wenn ich laufend unterwegs bin.“ In anderen Städten gebe es bei einem Marathonrennen Hotspots, wo die Stimmung gut sei, doch in Berlin sei die ganze Strecke ein Hotspot. „Die Kombination aus Superstimmung und schneller Strecke ist einmalig.“

Hahner hat sich seit ihrem Berlin-Marathon-Debüt 2012 kontinuierlich gesteigert: Sie lief 2013 beim Marathon in Frankfurt nach 2:27:55 Stunden als Achte und damit beste Europäerin über den Zielstrich, gewann in München beim Halbmarathon und siegte in Wien über die volle Distanz. In diesem Jahr heißt die stärkste Konkurrentin Tirfe Tsegaye. Die Äthiopierin hat 2012 den Paris Marathon gewonnen, Anfang 2013 siegte sie über die 42,195 Kilometer in Dubai. Ihre persönliche Bestzeit lief die 29-Jährige – wie so viele Athletinnen und Athleten – allerdings in Berlin: 2012 kam sie nach 2:21:19 Stunden als Zweite ins Ziel.

Doch insgesamt scheint die Konkurrenz weniger stark zu sein als bei den Männern. Ist für Anna Hahner also noch mehr drin als eine neue persönliche Bestzeit? Ein Platz auf dem Treppchen? 2013 hat Hahner ihren Trainer und damit auch die Trainingsphilosophie gewechselt. Kurz gefasst: mehr intensive Tage, aber dafür auch mehr Regenerationstage.

Die harten Trainingseinheiten sind länger: „Wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt noch etwas obendrauf.“ Doch die höhere Belastung an dem einen Tag wird kompensiert durch geringere Umfänge am nächsten. „Man gibt dem Körper und dem Geist Zeit“, sagt Hahner. Und so zwickt es nun nicht mehr irgendwo. Gute Voraussetzungen also, um am Sonntag um spätestens 11.13 Uhr die Arme in die Luft werfen zu können.