Am Sonntag laufen sie ihren ersten Berlin-Marathon: Uwe Schärf, Monique Hoppe und Susanne Köder, die als Skaterin unterwegs sein wird. Lesen Sie, wie sich die drei auf die größte und schnellste Laufveranstaltungen der Welt vorbereitet haben.

Der Gelassene

Für Uwe Scherf ist es der erste Marathon überhaupt. „Ich war als Schüler immer der kleinste und schmächtigste in der Klasse. Sport war einfach nichts für mich“, erinnert er sich. Sportbegeistert war er nur in der Theorie – seit dem 10. Lebensjahr hatte er alle größeren Sportevents im Fernsehen mitverfolgt. Mit Ende 20 begann der Berliner dann mit Fitnesstraining und Skifahren, später kamen Schwimmen und Radfahren hinzu.

Laufen tut er erst seit einem Jahr. „Ich wohne am Hohenzollerndamm, das ist Kilometerpunkt 32 des Berlin-Marathons. Jedes Jahr habe ich daran gedacht, auch mal teilzunehmen“, erzählt der gelernte Hotelier. „Aber ich zog das Radfahren vor, das Laufen war mir immer zu anstrengend“, sagt der 47-Jährige. Lieber schaute er den Läufern zu - erst im TV, dann live an der Strecke.

Im vergangenen Jahr fragte ihn schließlich ein befreundeter Marathonläufer, einen Tag nachdem die Läufer an seiner Wohnung vorbeizogen, was er denn am 29. September 2013 mache. Es sei einfach genau der richtige Moment gewesen, sagt Uwe Scherf.

Also meldete er sich an. Zusammen trainiert haben die Freunde dennoch nicht. „Das hat viel mit dem richtigen Rhythmus zu tun“, erklärt der Hobbysportler. Er starte zwar gemeinsam mit seinem Laufkamerad am Sonntag, doch, so muss Uwe hinzufügen, sei dieser inzwischen langsamer als er.

Für seinen ersten Marathon sei das Ziel Ankommen, alles andere sei zweitrangig. „Ich laufe nicht auf Zeit“, sagt er. Früher sei er ehrgeiziger gewesen, doch nun sieht er vieles gelassener.

Der Geschäftsführer einer Marketingagentur trainiert seine Ausdauer regelmäßig durch Schwimmen und Radfahren. Das Laufen an sich käme zu kurz, sagt er. Nur ein Mal in der Woche läuft er im Park oder auf dem ehemaligen Flugfeld in Tempelhof. Dann allerdings zwölf bis 18 Kilometer.

Die Zielstrebige

„Laufen kann zur Sucht werden“, sagt Monique Hoppe. Für die 30-Jährige gehört das regelmäßige Training einfach dazu. „Ich plane meine Wochenenden nach meinen Laufeinheiten, auch meine Familie richtet sich inzwischen danach“, erzählt die Sportlerin. Am Sonntag läuft Monique Hoppe ihren ersten Marathon in Berlin. Ihre Premiere hatte sie im April in Hamburg, als sie die 42,195 Kilometer in vier Stunden und 46 Minuten lief. „Der lange Winter steckte mir im Frühjahr noch in den Knochen. Den Berlin-Marathon will ich in vier Stunden und 30 Minuten schaffen“, sagt sie zielstrebig.

Die Chancen dazu stehen gut. „Ich bin immer mit Sport in Berührung gewesen“, erzählt sie. Die Überlebenskünstlerin, wie Freunde sie nennen, wuchs in Brandenburg an der Havel auf und turnte bereits mit sechs Jahren im Akrobatikverein. Als Studentin trainierte sie weiter. Zwei Jahre arbeitete sie als Animateurin im Ausland. Sie tat viel, um sich fit zu halten, spielte Fußball und Beachvolleyball. Und tut es bis heute gern.

Die Managerin für Sport und Sportmarketing arbeitet inzwischen im Veranstaltungsbereich. „Ich wollte mir keinen Sport suchen, bei dem ich an Zeiten gebunden bin. Also sagte ich mir, versuche ich es doch mal mit joggen“, berichtet sie von ihren Lauf-Erfahrungen. „Die ersten fünf Kilometer meines Lebens musste ich vier Mal unterbrechen“, erzählt sie weiter. Das war im August 2011. Nun rennt sie alle zwei Tage mit einem Trainingsplan aus dem Internet. Inzwischen flitzt sie die sechs Kilometer in 32 Minuten.

Die Enthusiastin

Hat sie ihre Inline Skates erst einmal angeschnallt, hört Susanne Köder Rockmusik. „Am liebsten von den Beatsteaks oder Metallica. Das gibt mir den nötigen Auftrieb. Ich freue mich auf den Startsong beim Inline-Marathon. Da spielen sie ‚Hells Bells’ von ACDC“, erzählt die 37-Jährige. „Die Teilnahme an diesem Rennen ist der größte Traum, den ich habe. Wenn ich durch das Brandenburger Tor mit Blick zur Siegessäule rolle, geht dieser Traum endlich in Erfüllung“, erzählt die Krankenschwester. Sport mache sie, seitdem sie laufen kann. Seit fünf Jahren skatet sie. Und weil die Hobbysportlerin keine halben Sachen macht, sollte es auch gleich der größte Inline-Marathon der Welt sein – der in Berlin. „Ich war als Läuferin eben nicht so gut. Wenn ich das Brandenburger Tor durchqueren wollte, musste ich das auf Rollen tun“, scherzt sie.

Innerhalb von zweieinhalb Stunden möchte Susanne Köder das Ziel erreichen, das würde einem Durchschnitt von 16,5 Stundenkilometern entsprechen. Ewan Fernandez, zweimaliger Sieger des Berliner Inline-Marathons und diesjähriger Favorit, rollt in weniger als einer Stunde ins Ziel. Das entspricht einem Durchschnitt von 45 Kilometern pro Stunde.

Angst vorm Stürzen hat Susanne Köder trotz dieser Geschwindigkeiten nicht, auch wenn sie sich erst vor vier Wochen durch einen Sturz eine Blessur am rechten Oberschenkel zuzog. „Das gehört dazu, aber während der Fahrt Angst vor einem Sturz zu entwickeln, wäre die falsche Einstellung“, sagt sie.

Seit dem Frühjahr steht sie drei Mal wöchentlich auf den Rollen. „Ich trainiere gemeinsam mit einer Freundin, auch sie skatet ihre erste längere Strecke. Nun ist der Start beim Berliner Marathon auch zu ihrem Traum geworden“, freut sie sich.

Die gesamte Familie steht hinter Susanne Köder. Gemeinsam mit Vater Matthias werden die Mädchen an der Strecke stehen und ihre Mutter anfeuern.